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Franz König

Pro Oriente

„Kirche in Not“ intensiviert Hilfe für Familien in Syrien

Zahl der Hilferufe vor allem aus Aleppo steigt ständig - Seit Beginn des Syrienkrieges hat „Kirche in Not“ rund 15 Millionen Euro an Soforthilfe bereitgestellt

Damaskus-Frankfurt, 10.09.16 (poi) Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ erhöht seine Hilfe für die notleidende christliche Minderheit in Syrien. Die Hilferufe, besonders aus der nordsyrischen Metropole Aleppo, steigen dramatisch. „Die Menschen leben in ständiger Angst“, schreiben die Organisatoren eines Hilfsprojekts für nahezu 3.000 christliche Familien in Aleppo und Umgebung an „Kirche in Not“: „Die Leute stellen sich die Frage, ob sie auch gehen oder bleiben sollen. Die Zukunft in der geteilten Stadt – der Westen wird von Regierungstruppen kontrolliert, der Osten von zumeist islamistischen Rebellen – ist düster“.
Die Anzahl der Christen in Aleppo ist massiv zurückgegangen: Vor Beginn des Krieges lebten dort rund 160.000 Christen, heute wird ihre Zahl auf rund 40.000 geschätzt. „Die Not der Familien ist in dieser Zeit aber rapide gestiegen“, schreiben die Projektpartner von „Kirche in Not“ aus Aleppo. Das gilt für das ganze Land. Nach Angaben der Welternährungsorganisation leben heute drei von vier Syrern in extremer Armut. Es ist ihnen nicht möglich, das Lebensnotwendigste zu kaufen. Im Vergleich zu Vorkriegspreisen ist Weizenmehl viermal so teuer geworden, Reis achtmal. Auch die Kraftstoffpreise haben sich in den vergangenen eineinhalb Jahren mehr als verdoppelt – viele Familien leben ohne Strom und Heizung.

Diese Preissteigerungen machen auch den lokalen Helfern Sorgen. In Aleppo stellen christliche Gemeinden mit Hilfe von „Kirche in Not“ Lebensmittelpakete zur Verfügung, betreiben Suppenküchen, geben kostenlos Medikamente für chronisch Kranke ab oder helfen bei der Finanzierung einer minimalen Stromversorgung. Um die Hilfsleistungen aufrechterhalten zu können, hat „Kirche in Not“ weitere Finanzhilfen zugesagt. Dazu ist eine Summe von 1,5 Millionen Euro nötig. „Dank Ihrer Hilfe ist es uns möglich, den Leuten ihre tägliche Last etwas leichter zu machen“, schreiben die Verantwortlichen der syrischen „Kirche in Not“-Partnerorganisation: „Mit Ihrer Unterstützung wollen wir auch weiterhin mit der wachsenden Zahl von notleidenden Familien in Kontakt bleiben und ihnen so weit als möglich helfen, ein Leben halbwegs in Würde zu führen“.

In der Küstenstadt Tartus hat „Kirche in Not“ die Finanzierung von Babymilch und Windeln für mehr als 650 Babys und Kleinkinder versprochen. Anfang des Jahres lief eine ähnliche Aktion für gut 200 Babys an. Der Koordinator schrieb in seinem Dankbrief: „Eure Hilfe gibt den Familien einen Halt in der Not. Sonst würden sie ihr Baby als Last empfinden. Ihr schenkt ihnen Glück und Freude!“

Auch die steigende Zahl der Binnenflüchtlinge erfordert zusätzliche Anstrengungen. Die meisten Flüchtlinge leben in Tartus oder Latakia unter primitivsten Umständen. „Kirche in Not“ unterstützte dort bislang 100 Flüchtlingsfamilien. Jetzt aber hat sich ihre Zahl auf 450 erhöht. Ziel ist es, den Menschen eine Perspektive zu geben und so die Fluchtbewegung einzudämmen.
Auch aus der Hauptstadt Damaskus hat das Hilfswerk ein Hilferuf erreicht: Mehr als 500 christliche Familien brauchen dringend Hilfe, um medizinische Behandlung, Kleidung, Schuhe und Lebensmittel zu finanzieren. „Kirche in Not“ hofft, mit Hilfe seiner Wohltäter diesen Erwartungen gerecht zu werden und die Hoffnungen erfüllen zu können. Seit Beginn des Syrienkrieges hat „Kirche in Not“ rund 15 Millionen Euro an Soforthilfe bereitgestellt. (ende)