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Franz König

Pro Oriente

Katholisch-orthodoxer Dialog: Kardinal Koch ist hoffnungsvoll

Auch der Gastgeber der 14. Vollversammlung der offiziellen Dialogkommission, Erzbischof Forte, sieht nach den „bedeutsamen Begegnungen“ von Papst Franziskus mit Patriarch Bartholomaios und Patriarch Kyrill Fortschritte

Rom, 18.09.16 (poi) Seine Hoffnung auf ein katholisch-orthodoxes Konsensdokument über Synodalität und Primat hat der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, nach den ersten Beratungen der 14. Vollversammlung der Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche im italienischen Chieti zum Ausdruck gebracht. In einem Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR sagte der Kardinal, er hoffe auf ein Dokument, das für „die Einheit der beiden Kirchen von entscheidender Bedeutung sein könnte“. In Chieti (eigentlich im benachbarten Francavilla al Mare) werde der „große Dialog“ zwischen katholischer und orthodoxer Kirche fortgeführt. Das Ziel dieses Dialogs sei es, die Einheit wiederzufinden. Er sei „sehr zufrieden“ über den Beginn der 14. Vollversammlung der Dialogkommission, so Koch. Der Kommission liegt der Entwurf eines Dokuments mit dem Titel „Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis von Synodalität und Primat im Dienst der Einheit der Kirche“ vor. Der ursprüngliche Text wurde bei der 13. Vollversammlung in Amman entworfen und dann im September des Vorjahrs vom Koordinationskomitee der Kommission weiterbearbeitet

Zum Auftakt der 14. Vollversammlung hatten die katholische und die orthodoxe Delegation zunächst getrennt getagt, wie es vom Statut vorgesehen ist. In beiden Delegationen sei man entschlossen, an dem vorliegenden Text weiterzuarbeiten, so der Kardinal: „Es ist sehr wichtig, dass wir eine gemeinsame öffentliche Botschaft erzielen; ich hoffe, dass das gelingen wird“.

Der Gastgeber der Vollversammlung, Erzbischof Bruno Forte, erklärte seinerseits, dass sich der katholisch-orthodoxe Dialog jetzt in einer sehr wichtigen Etappe befinde – „nach den beiden bedeutsamen Begegnungen von Papst Franziskus mit Patriarch Bartholomaios I. und mit Patriarch Kyrill“. Wörtlich sagte Forte: „Wir diskutieren jetzt die Art und Weise, wie man die künftige Einheit unserer Kirchen konzipieren kann – nicht auf einem Weg der Einförmigkeit, die nivelliert, sondern auf dem Weg der Synodalität, also einer Einheit, die die Unterschiede in der Gemeinschaft wertvoll macht und die besondere Rolle des Bischofs von Rom im Dienst aller Kirchen anerkennt“. Rom sei in der „Pentarchie“ der Patriarchate der alten Kirche (Rom, Jerusalem. Alexandrien, Antiochien, Konstantinopel) an erster Stelle gewesen, gemäß einer Rangordnung, die auch vom orthodoxen Osten anerkannt wurde. Das ebne den Weg nicht nur für die gegenseitige Anerkennung des spirituellen Reichtums der beiden Schwesterkirchen, sondern auch für den Dienst, den der Bischof von Rom für die ganze künftige geeinte Kirche und überhaupt für die Gemeinschaft aller Christen ausüben könne.

Metropolit Gennadios (Limouris) von Sassima (Patriarchat Konstantinopel) sagte, die Kommission arbeite an der Definition des Primats des Bischofs von Rom, um zu einem gemeinsamen Text gelangen zu können. Nach 40 Jahren des Dialogs sei man jetzt in einer dritten Etappe angelangt, die im (vor einem Jahr nachbearbeiteten) Entwurf von Amman zum Ausdruck komme. Weil tausend Jahre Theologiegeschichte aufzuarbeiten seien, sei es sehr schwierig, alle Aspekte im Detail zu studieren. Daher habe die Dialogkommission den Auftrag, jene Aspekte, die die Rolle des Bischofs von Rom betreffen, zu vertiefen: „Wir hoffen alle, dass die Versammlung in Chieti zu einem gemeinsamen Dokument führt, vor allem, weil wir seit Ravenna (2007, ‚Kirchliche Gemeinschaft, Konziliarität und Autorität‘) keines mehr erarbeitet haben. Wir hoffen, dass diese Vollversammlung der entscheidende Moment für die künftigen Jahre sein wird. Hier in Chieti zu sein, ist ein Segen Gottes“.

Spannungen in der orthodoxen Delegation?

Die französische Website „orthodoxie.com“ berichtete unter Berufung auf die griechische Website „romfea.gr“, dass es am Freitag bei der Sitzung der orthodoxen Delegation zu Spannungen bei der Wahl des orthodoxen Ko-Präsidenten der Dialogkommission gekommen sei. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. habe im Vorfeld brieflich mitgeteilt, dass Erzbischof Job (Getcha), der Repräsentant des Patriarchats bei der Zentrale des Weltkirchenrats in Genf, den Altmetropoliten von Pergamon, Ioannis (Zizioulas), ersetzen werde, der sich aus Altersgründen zurückzieht (Metropolit Ioannis war bisher orthodoxer Co-Präsident der Dialogkommission). Bei der Sitzung am Freitagvormittag habe sich die Mehrheit der orthodoxen Kommissionsmitglieder (je zwei pro autokephaler Kirche) zunächst aber nicht entschließen können, Erzbischof Job zu wählen. Laut „romfea.gr“ sei das darauf zurückzuführen, dass Erzbischof Job während seiner Tätigkeit als Leiter der zu Konstantinopel gehörenden Erzeparchie für die Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa in Konflikt mit dem berühmten Theologischen Institut Saint-Serge in Paris gestanden sei und außerdem bisher nicht im katholisch-orthodoxen Dialog engagiert war. Die meisten orthodoxen Kommissionsmitglieder hätten dafür plädiert, Metropolit Gennadios zum orthodoxen Ko-Präsidenten zu wählen, nur die Kirchen von Rumänien und von Polen seien für Erzbischof eingetreten. Man habe daraufhin beschlossen, die Sitzung auf eine Stunde zu unterbrechen und telefonisch Kontakt mit Bartholomaios I. aufzunehmen. Der Ökumenische Patriarch habe aber darauf verwiesen, dass Metropolit Gennadios nur Sekretär der konstantinopolitanischen Delegation sei, die beiden Vollmitglieder seien Erzbischof Job (Getcha) und Metropolit Kallistos (Ware), nur einer der beiden könne zum Ko-Präsidenten gewählt werden. Metropolit Kallistos erklärte aber, dass er aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht kandidieren werde, daher sei dann doch Erzbischof Job gewählt worden. (ende)