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Franz König

Pro Oriente

Einigung in der katholisch-orthodoxen Dialogkommission

Allgemeine Zustimmung zum Dokument „Synodalität und Primat im ersten Jahrtausend: Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis im Dienst der Einheit der Kirche“, nur die georgisch-orthodoxe Kirche scherte aus – Moskauer Patriarchat plädiert als Fortsetzung für die Behandlung von Synodalität und Primat im zweiten Jahrtausend, in diesem Zusammenhang soll auch die Frage der unierten Kirchen wieder diskutiert werden

Rom, 22.09.16 (poi) Einigung bei der 14. Vollversammlung der Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche, die in Francavilla al Mare (Erzdiözese Chieti in Mittelitalien) am Donnerstag zu Ende gegangen ist. Wie das Außenamt des Moskauer Patriarchats berichtet, fand das Dokument (mit dem leicht abgeänderten) Titel „Synodalität und Primat im ersten Jahrtausend: Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis im Dienst der Einheit der Kirche“ allgemeine Zustimmung. Nur die Delegation der georgisch-orthodoxen Kirche brachte in einer eigenen Stellungnahme ihre abweichende Meinung zu einzelnen Abschnitten des Dokuments zum Ausdruck; diese Stellungnahme wird sowohl im Abschlusskommunique wie auch als Fußnote in der offiziellen Publikation des Dokuments mitveröffentlicht. Die bulgarisch-orthodoxe Kirche war – wie bei den letzten Vollversammlungen der internationalen Dialogkommission – auch in Chieti nicht präsent. Die georgische und die bulgarische Kirche nehmen auch an der Arbeit des Weltkirchenrats und der „Konferenz Europäischer Kirchen“ nicht teil.

Der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), plädierte in Francavilla al Mare dafür, nach der erzielten Einigung über das zur Diskussion stehende Dokument über Synodalität und Primat im ersten Jahrtausend die nächste Phase des Dialogs dem Thema von Synodalität und Primat in der Ost- und Westkirche im zweiten Jahrtausend zu widmen. In diesem Zusammenhang müsse auch das erst nach der formellen Trennung von 1054 entstandene Phänomen der „Unionen“ von Teilen der orthodoxen Kirche mit Rom behandelt werden; dieses Thema sei nach wie vor ein „Stolperstein“ in den orthodox-katholischen Beziehungen. Der Metropolit erinnerte daran, dass die Frage der ekklesiologischen und kanonischen Konsequenzen des „Uniatismus“ zuletzt bei der Vollversammlung der internationalen Dialogkommission im Jahr 2000 zur Diskussion gestanden sei, wobei keine Einigung erzielt werden konnte und der theologische Dialog für mehrere Jahre ausgesetzt wurde. 2006 sei man dann übereingekommen, den Dialog im Hinblick auf Synodalität und Primat wieder aufzunehmen. Die russisch-orthodoxe Kirche sei dabei davon ausgegangen, dass im Rahmen dieser Themenstellung auch die Frage der ekklesiologischen und kanonischen Konsequenzen der „Unionen“ behandelt werden müsste. Jedoch sei die internationale Dialogkommission im Verlauf von zehn Jahren – 2006 bis 2016 – nie zu diesem Thema zurückgekehrt. Daher sei es nach der Einigung über „Synodalität und Primat im ersten Jahrtausend“ angezeigt, die Diskussion im Hinblick auf das zweite Jahrtausend fortzuführen, in dem der „Uniatismus“ eines der zentralen Probleme gewesen sei.

In weiterer Folge kritisierte der Metropolit scharf das Verhalten der Leitung der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, insbesondere das von Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk. Die Erklärungen des Großerzbischofs hätten dem Dialog Hindernisse in den Weg gestellt und Misstrauen zwischen Orthodoxen und Katholiken gesät. Im Februar habe es das historische Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill in Havanna gegeben, das eine neue Seite in den bilateralen Beziehungen eröffnet habe, unterstrich der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats. Dann aber habe die „harsche Kritik“ der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche eingesetzt und „zwar nicht durch Gruppen von Gläubigen, sondern durch die Leitung der Kirche“. Diese Kritik sei „beleidigend und unfair“ gewesen.

Der zweite Repräsentant der russisch-orthodoxen Kirche beim Treffen in Francavilla al Mare, Archimandrit Irenaeus Steenberg von der Abtei Saint Silouan im kalifornischen Sonora, die zur russischen Auslandskirche (ROCOR) gehört, betonte seinerseits, dass die Diskussion über Synodalität und Primat im zweiten Jahrtausend – einschließlich der Frage des „Uniatismus“ – notwendig sei. Die russisch-orthodoxe Kirche könne nicht weiterhin intensiv am orthodox-katholischen Dialog mitarbeiten, wenn die Fragen der ekklesiologischen und kanonischen Folgen der „Unionen“ ungelöst bleiben.

Zum Abschluss der 14. Vollversammlung der Dialogkommission wurde beschlossen, die Wahl des Themas für die nächste Vollversammlung dem Koordinationskomitee der Kommission zu überlassen, das im kommenden Jahr zusammentreten wird.

Im Abschlusskommunique der 14. Vollversammlung wird die Solidarität der Bischöfe und Theologen mit der leidenden Bevölkerung des Nahen Ostens betont. Ausdrücklich werden die beiden entführten Metropoliten von Aleppo, Boulos Yazigi (ein Mitglied der Dialokommission) und Mar Gregorios Youhanna Ibrahim, erwähnt. Dem Erzbischof von Chieti und Vasto, Bruno Forte, wird besonders für die großherzige Gastfreundschaft gedankt. (forts mgl)