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Franz König

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Katholisch-orthodoxer Dialog: Dokument von Chieti „ein wichtiger Schritt“

Gemeinsam interpretierte Erfahrungen des ersten Jahrtausends als „Hinweis, Beispiel und Modell“ für Strukturen, die „die Gemeinschaft zwischen allen Kirchen des Ostens und des Westens“ sichern können

Vatikanstadt, 23.09.16 (poi) Das von der internationalen katholisch-orthodoxen Dialogkommission bei ihrer 14. Vollversammlung in Chieti verabschiedete Dokument „Synodalität und Primat im ersten Jahrtausend: Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis im Dienst der Einheit der Kirche“ sei „ein Schritt auf einem Weg, der noch lang dauern kann“: Dies erklärte der Vizesekretär des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Msgr. Andrea Palmieri, am Freitag im Gespräch mit „Radio Vatikan“. Das Dokument sei aber „ein wichtiger Schritt“, weil damit das erste Jahrtausend „als Hinweis, Beispiel und Modell“ für die noch offenen ekklesiologischen Fragen akzeptiert sei. Hier fänden sich nicht nur „nützliche, sondern auch notwendige“ Anhaltspunkte, um sich eine Ausübung des Primats im Kontext der Synodalität in einer endlich wiederversöhnten Kirche vorzustellen. Der Dialog habe jetzt eine gemeinsame Basis, um weiterhin jene Strukturen zu studieren, die „die Gemeinschaft zwischen allen Kirchen des Ostens und des Westens“ sichern können. Die Erfahrung des ersten Jahrtausends und deren Interpretation, auf die sich Katholiken und Orthodoxe geeinigt hätten, sei ein gemeinsamer Ausgangspunkt. Wörtlich sagte Palmieri: „Dies Dokument öffnet einen Weg, aber es löst klarerweise nicht alle Schwierigkeiten. Es erlaubt uns jedoch, für die Zukunft optimistisch zu sein“.

Das jetzt in Chieti (Region Abruzzen) beschlossene Dokument sei das „Resultat eines langen Weges, der mit dem Ravenna-Dokument im Jahr 2007 eingeleitet wurde“, betonte der Vizesekretär. Damals hätten Katholiken und Orthodoxe gemeinsam die Notwendigkeit eines Primats in der Kirche „auf lokaler, regionaler und universaler Ebene“ betont. Zugleich sei es um die Frage gegangen, in welcher Weise dieser Primat ausgeübt werden sollte. Mit dem in Chieti beschlossenen Dokument habe man eine Darstellung, wie im ersten Jahrtausend Primat und Synodalität verstanden worden seien. Die Arbeit habe lang gedauert, weil es um einen der „kniffligsten Streitpunkte“ zwischen Katholiken und Orthodoxen gegangen sei.

Msgr. Palmieri äußerte sich nicht zu den Stellungnahmen der beiden Delegierten der russisch-orthodoxen Kirche in Chieti (Metropolit Hilarion Alfejew und Archimandrit Irenaeus Steenberg), die darauf drangen, dass bei den nächsten Vollversammlungen der internationalen katholisch-orthodoxen Dialogkommission die Frage von „Synodalität und Primat im zweiten Jahrtausend“ und in diesem Zusammenhang das Problem der „unierten“ Kirchen diskutiert werden müsse. Der Archimandrit aus der Abtei Saint Silouan im kalifornischen Sonora (die zur russischen Auslandskirche/ROCOR gehört) hatte betont, dass es nicht das Ziel des katholisch-orthodoxen Dialogs sein könne, nur „Einverständnis über jene Fragen zu erzielen, bei denen man sich schon einig ist“. Vielmehr müssten auch jene Probleme diskutiert werden, „die uns trennen“. Das Thema des ‚Uniatismus‘ sei von äußerster Aktualität, es sei eines der Zentralprobleme im Verhältnis zwischen katholischer und orthodoxer Kirche im zweiten Jahrtausend gewesen. Im Zusammenhang mit dem Thema „unierte Kirchen des byzantinischen Ritus“ wurde aufmerksam registriert, dass in Chieti (bzw. im eigentlichen Tagungsort Francavilla al Mare) auch der Präfekt der vatikanischen Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, Mitglied der katholischen Delegation war. Die Ostkirchenkongregation ist für die unierten Kirchen zuständig. (ende)