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Franz König

Pro Oriente

Christliche, jüdische und islamische religiöse Führungspersönlichkeiten aus Israel reisen nach Polen

Besuch der Gedenkstätten der NS-deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager – Gedenken an die Opfer der Shoah und Appell zur Wachsamkeit an die internationale Gemeinschaft

Jerusalem, 25.10.16 (poi) Eine christlich-jüdisch-islamische Gruppe von religiösen Führungspersönlichkeiten aus Israel kommt von 30. Oktober bis 2. November nach Polen. U.a. werden die religiösen Führungspersönlichkeiten auch die Gedenkstätten der NS-deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager besuchen sowie die Gedenkstätte der Fabrik von Oskar Schindler in Krakau; Schindler hatte während der deutschen Besatzung tausende jüdische Menschen gerettet. Bei diesen Besuchen soll der Opfer der Shoah gedacht und die internationale Gemeinschaft aufgefordert werden, „wachsam gegen alle Formen der Xenophobie zu sein, um die ersten Anzeichen des religiösen oder ethnischen Hasses zu erkennen, der in der jüngsten Vergangenheit den Völkermord ausgelöst hat“. Der Gruppe gehören u.a. der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., der Apostolische Administrator des Lateinischen Patriarchats, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, der armenisch-apostolische Patriarch Nourhan Manougian, der anglikanische Erzbischof Suheil Dawani, der aschkenazische Großrabbiner David Baruch Lau, Rabbiner David Rosen, der drusische Scheich Mowafaq Tarif sowie die sunnitischen Imame von Beer-Sheva bzw. der beiden galiläischen Kleinstädte Majd-al-Kurum und Jadeidi an.

Bei dem vom israelischen Außen- und Innenministerium organisierten Polen-Besuch werden die religiösen Führungspersönlichkeiten auch die Benediktinerabtei Tyniec bei Krakau sowie verschiedene Institutionen in Warschau besuchen.
Unmittelbar vor der Abreise nach Polen feiert Erzbischof Pizzaballa am 30. Oktober im Marienheiligtum von Deir Rafat westlich von Jerusalem das Pontifikalamt zum Fest Maria, Königin von Palästina.

Jerusalemer Bischöfe betonen Miteinander

Vor wenigen Tagen haben die Oberhäupter der christlichen Kirchen von Jerusalem den neuen Apostolischen Administrator des Lateinischen Patriarchats, Erzbischof Pizzaballa, aufgesucht, um ihn zu beglückwünschen. Der armenisch-apostolische Patriarch Nourhan Manougian verwies namens der Delegation darauf, dass die kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien und im Irak viele christliche Gemeinschaften zerstört haben. Zugleich hätten die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse im ganzen Nahen Osten viele Christen zur Emigration nach Europa oder Amerika veranlasst. All dies habe zu einer Verringerung der christlichen Präsenz geführt, ein Problem, das nur durch christliche Solidarität überwunden werden könne.

Erzbischof Pizzaballa betonte seinerseits, dass die christlichen Gemeinschaften – trotz ihrer unterschiedlichen Geschichte – eine „gemeinsame Stimme“ sind und dass es notwendig sei, die christliche Präsenz in der Region, vor allem in Jerusalem, zu verstärken. Wörtlich stellte der Erzbischof fest: “Trotz unserer kleinen Zahl wird das, was wir tun und was wir sagen, in aller Welt gesehen“. Es komme auf die Zusammenarbeit und auf die geschwisterlichen Beziehungen an, die nicht nur an den hohen religiösen Feiertagen, sondern auch im Alltag gelebt werden müssten.

In besonderer Weise wandte sich Pizzaballa an den griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III., der in Jerusalem den Ehrenvorrang hat. Der Apostolische Administrator versicherte ihm, dass er sich in besonderer Weise für die Stärkung der christlichen Wurzeln und der christlichen Präsenz in Jerusalem einsetzen wolle. Theophilos III. unterstrich in seiner Antwort, dass die eigentliche Kraft der Christen in ihrem Glauben an Jesus Christus bestehe. Die Erfahrung der Vergangenheit und das Verständnis der heutigen Situation habe die Zusammenarbeit der christlichen Gemeinschaften gestärkt, sagte der Patriarch und fügte hinzu: „Der Dialog zwischen der römisch-katholischen Kirche und der orthodoxen Kirche entwickelt sich in sehr schöner Weise, es gibt ein größeres und tieferes Verständnis füreinander“. Das sei ein „positives Signal“, denn je mehr die beiden Kirchen einander begegneten und einen Dialog miteinander führten, umso mehr werde die „Wunde der Spaltung“ heilen. (ende)