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Franz König

Pro Oriente

Brasilianischer Präsident Temer empfing syrisch-orthodoxen Patriarchen Mar Ignatius Aphrem II.

Patriarch von Antiochien absolviert Pastoralreise in dem lateinamerikanischen Land, in dem die syrisch-orthodoxe Kirche stark wächst

Brasilia, 28.10.16 (poi) Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mar Ignatius Aphrem II. wurde vom brasilianischen Präsidenten Michel Temer im Palacio do Planalto in der Hauptstadt Brasilia empfangen. Mar Ignatius Aphrem II. stattet Brasilien derzeit einen Pastoralbesuch ab. Präsident Temer betonte das Eintreten des Patriarchen für eine friedliche Lösung in Syrien und seine positive Rolle bei der Verteidigung der Sache der orientalischen Christen. Mar Ignatius Aphrem II. würdigte seinerseits die Rolle Brasiliens bei der Suche nach Frieden in den Kriegsgebieten des Nahen Ostens. Wie viele andere lateinamerikanische Spitzenpolitiker stammt Temer aus einer Familie christlicher orientalischer Immigranten (die im Jahr 1925 aus dem Libanon nach Brasilien ausgewandert ist). Diese christlichen Immigranten aus dem syrischen Raum werden in Brasilien – wie im übrigen Lateinamerika – „Turcos“ genannt. Bei der Begegnung mit dem brasilianischen Präsidenten wurde der Patriarch von Antiochien u.a. von Mar Titus Boulos Touza, dem Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche in Brasilien, und von Mar Silvanos Boutros Al-Nehmeh, dem Metropoliten von Homs und Hama, begleitet. Mar Ignatius Aphrem II. besucht im Rahmen seiner Pastoralreise pastorale und soziale Zentren der syrisch-orthodoxen Kirche in der Hauptstadt Brasilia sowie in den Bundesstaaten Goias und Sao Paulo. Bevor er zum Patriarchen gewählt wurde, hatte Mar Ignatius Aphrem II. Brasilien bereits drei Mal besucht.

Der Generalsekretär im brasilianischen Außenministerium, Marcos Bezerra Galvao, gab in Brasilia einen großen Empfang zu Ehren des syrisch-orthodoxen Patriarchen, an dem führende Funktionäre der brasilianischen Außenpolitik und zahlreiche Diplomaten teilnahmen. Der Patriarch zeichnete in seiner Ansprache die Geschichte der syrisch-orthodoxen Kirche in Brasilien nach, Botschafter Bezerra Galvao betonte die traditionelle Haltung Brasiliens, das „seinen Bürgern und den Immigranten eine Umgebung der Toleranz und gleicher Möglichkeiten“ gewährt.

Die syrisch-orthodoxe Kirche in Brasilien entstand, als 1904 die ersten Einwanderer aus dem Osmanischen Reich nach Brasilien kamen. Der später als Mar Chrysostomos zum Bischof geweihte syrisch-orthodoxe Priester Rabban Mousa Matanos Salama entschloss sich zu Beginn der sechziger Jahre, eine Mission seiner Kirche unter der angestammten brasilianischen Bevölkerung zu beginnen. Mar Chrysostomos verstarb 1996.

Mittlerweile ist die syrisch-orthodoxe Kirche in Brasilien – deren Mittelpunkt die Kathedrale in Campo Grande ist – stark gewachsen. Sie hat Pfarrgemeinden, Klöster, Schulen, Sozialzentren in 15 brasilianischen Bundesstaaten. Vor allem in den Großstädten ist die Kirche – die auch dem „Conselho Nacional de Igrejas Cristãs do Brasil“ (CONIC), dem Ökumenischen Rat des Landes, angehört – sehr aktiv. Charakteristisch für die syrisch-orthodoxe Kirche in Brasilien ist, dass sie katholische (Novenen, Prozessionen) und evangelikale (Zungenrede, Heilungsgebet) Frömmigkeitsformen integriert hat. Das Patriarchat achtet aber darauf, dass diese Frömmigkeitsformen mit der Tradition der Kirche von Antiochien vereinbar bleiben. Insbesondere wird auf eine sorgfältige theologische Ausbildung der Priester und der anderen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wert gelegt.

In Brasilien sind in den letzten Jahren rund 100.000 frühere Katholiken oder Anglikaner zur syrisch-orthodoxen Kirche konvertiert. Vor allem für die seelsorgliche Betreuung der Konvertiten hat der Patriarch zwei Bischöfe – Jolino Gomes Neto und Jose Faustino Filho – geweiht. (ende)