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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Silbernes Amtsjubiläum des Ökumenischen Patriarchen wurde im Phanar gefeiert

Kardinal Schönborn unterstreicht in Glückwunschschreiben an Bartholomaios I. dessen Eintreten in Wort und Tat für die Wiederherstellung der Einheit der Kirche Christi sowie die Verbundenheit des Patriarchen von Konstantinopel mit Österreich

Konstantinopel-Wien-Rom, 02.11.16 (poi) Im Phanar in Konstantinopel wurde am 2. November des 25. Jahrestags der Amtseinführung des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. gedacht. Bereits am Jahrestag der Wahl des Patriarchen – dem 22. Oktober – hatte in der Georgskathedrale im Phanar ein feierlicher Dankgottesdienst stattgefunden, an dem zahlreiche Metropoliten des Patriarchats, unter ihnen der Wiener Metropolit Arsenios (Kardamakis) und der Pariser Metropolit Emanuel (Adamakis), teilnahmen, aber auch Gäste aus der Ökumene wie der katholische Apostolische Administrator für Istanbul, Bischof Ruben Tierrablanca Gonzalez, und das Oberhaupt der weltweiten Bektashi-Gemeinschaft, der Dede Edmond Brahimaj, sowie Politiker vor allem aus Griechenland. Außerdem feierten zahlreiche orthodoxe Gläubige mit, die selbst oder deren Vorfahren von der Heimatinsel des Patriarchen – Imbros und von der Nachbarinsel Tenedos – stammen. In seiner Dankrede im Phanar blickte Patriarch Bartholomaios I. auf die Höhepunkte der letzten 25 Jahre zurück – von der Wiederbelebung der Treffen der Oberhäupter der autokephalen orthodoxen Kirchen („synaxis“) über den beharrlichen Wiederaufbau der nach 1923 zerstörten Institutionen des Ökumenischen Patriarchats in dessen thrakisch-anatolischem Kerngebiet und die Pflege der Beziehungen zu den türkischen Behörden bis zum Höhepunkt der Großen und Heiligen Synode der Orthodoxie auf Kreta im Juni. Der Patriarch unterstrich die Entwicklung des orthodox-katholischen Dialogs und dessen erfolgreiche Fortsetzung im September in Chieti. Abschließend sprach Bartholomaios I. seine Entschlossenheit aus, in diesem Sinn weiterzuwirken.

Kardinal Christoph Schönborn richtete an den Ökumenischen Patriarchen zum 25-Jahr-Jubiläum ein Glückwunschschreiben, in dem es wörtlich heißt: „Der 25. Jahrestag der Amtseinführung Eurer Allheiligkeit als Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, dem Neuen Rom, ist mir ein willkommener Anlass, Ihnen herzlich zu danken für alles, was Sie in Wort und Tat unternehmen, damit die volle Einheit der Kirche Christi wiederhergestellt werden kann. Das Bild, wie Sie zum 50. Jahrestag der bahnbrechenden Begegnung zwischen Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras I. mit dem heutigen Bischof von Rom, Papst Franziskus, in Jerusalem die ‚Anastasis‘, den Ort des Gedenkens der Auferstehung Jesu, betreten, ist unvergesslich. Vielen erschien dieses Bild gleichsam eine Vorwegnahme der im Vertrauen auf die göttliche Vorsehung erhofften Wiederherstellung des vollen Miteinanders von orthodoxer und katholischer Kirche am Tisch des Herrn. Zugleich brachte dieses Bild Ihren unermüdlichen Einsatz für die vielen kleinen Schritte des Vertrauens zum Ausdruck, die notwendig sind, um im Blick auf Christus dem großen Ziel des ökumenischen Dialogs näher zu kommen. Dafür – und für vieles andere – sei Ihnen, Allheiligkeit, ein aufrichtiges und inniges österreichisches ‚Vergelt’s Gott‘ gesagt.

Ihre Verbundenheit mit unserem Land hat mir – und den österreichischen Katholiken – immer große Freude bereitet. Ich denke vor allem an Ihre Besuche im Jahr 2004, als Sie mit dem höchsten Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet wurden und das Ehrendoktorat der Katholisch-Theologischen Fakultät in Graz empfingen, und im Jahr 2007, als Ihnen in Wien der ‚Kardinal-König-Preis‘ verliehen wurde, aber auch an Ihre Pilgerfahrt nach Mariazell und an Ihren Besuch in St. Andrä am Zicksee, dem Ort des ersten orthodoxen Klosters in Österreich.

Persönlich ist mir in besonderer Erinnerung auch der Abend des 18. März 2013, als wir am Vorabend der Amtseinführung von Papst Franziskus in der Domus Sanctae Marthae mit ihm gemeinsam zu Tisch waren und Sie Ihre Verbindung zu Wien und Österreich durch die Stiftung ‚Pro Oriente‘ ins Gespräch brachten. Es war das erste Mal, dass ein Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel an der Amtseinführung eines neuen Papstes teilnahm. Mir schien es in diesen Tagen, dass wir damit dem Gebet Jesu ‚Dass alle eins seien, damit die Welt glaubt‘ ein Stück näher gekommen sind.

Danke für Ihr unermüdliches Zeugnis für die Wahrheit der Botschaft Jesu, für die Kirche als ‚Zeichen der Einheit des Menschengeschlechts‘, für die unverlierbare Würde des nach dem Bild Gottes geschaffenen Menschen, für die Schönheit und Kostbarkeit der Schöpfung. Mögen Sie nach dem Willen Gottes viele weitere Jahre diesen wahrhaft ökumenischen Dienst zum Wohl von Kirche und Welt leisten. Axios! Axios! Axios!“

Papst Franziskus, der mit Bartholomaios I. besonders verbunden ist, hatte bereits am 19. Oktober eine Glückwunschbotschaft übermittelt, in der er auf die persönliche Begegnung beim „Weltgebetstag für den Frieden“ im September in Assisi Bezug nahm, wo er dem Ökumenischen Patriarchen erstmals zum silbernen Amtsjubiläum gratuliert hatte. Wörtlich heißt es in dem Schreiben des Papstes: „Ich versichere Sie, geliebter Bruder, meiner spirituellen Nähe aus Anlass dieses bedeutenden Jubiläums; ich vereinige mich mit Ihnen im Dankgebet an Gott für den reichen Segen, den er Ihrem Leben und Dienst – und durch Sie der Kirche – hat angedeihen lassen“. Abschließend versicherte der Papst den Ökumenischen Patriarchen seiner ständigen Hochachtung und Freundschaft.

Patriarch betont Einheit der Orthodoxie

In einer Botschaft an die Gemeinden des Ökumenischen Patriarchats in aller Welt hatte Bartholomaios I. aus Anlass seines silbernen Amtsjubiläums die Einheit der weltweiten orthodoxen Kirche unterstrichen und den Oberhäuptern der anderen autokephalen orthodoxen Kirchen für ihre brüderliche Unterstützung gedankt. Die Große und Heilige Synode auf Kreta bezeichnete Bartholomaios I. als „Höhepunkt“ seines Patriarchats und fügte wörtlich hinzu: „Diese Synode hat die synodale Identität der orthodoxen Kirche unter Beweis gestellt. Die Akzeptanz und Anwendung der Entscheidungen der Synode wie auch die Verbreitung und Pflege des Geistes der Einheit in der orthodoxen Gemeinschaft in aller Welt ist unser aller Pflicht, sowohl jener, die in Kreta teilgenommen haben, als auch derer, denen es nicht möglich war, anwesend zu sein“.

Als seine große Sorge bezeichnete der Patriarch die „ständige Geißel des Krieges und des Terrorismus“, von denen die Welt heimgesucht werde. Die Welle der Gewalt habe auch zur Verfolgung der Christen im Nahen Osten geführt. Die orthodoxe Kirche bete für den Frieden der ganzen Welt und betrachte die Achtung der Person und ihrer Freiheit als unveräußerliches Menschenrecht. Es gebe keinen „heiligen Krieg“, nur der Friede sei heilig und letztes gemeinsames Ziel. Bartholomaios I. betonte, dass er mit „tiefem Schmerz“ das Drama der Flüchtlinge verfolge, die „mit Gewalt aus ihren Heimstätten vertrieben werden und auf eine neue Heimat hoffen“.

Die Welt von heute durchschreite eine große wirtschaftliche und soziale Krise, so der Patriarch. Das Phänomen der Globalisierung verursache schwerwiegende Umwälzungen und habe eine Vergrößerung des Abstands zwischen arm und reich zur Folge. Die Abkoppelung der Wirtschaft von den menschlichen Notwendigkeiten führe schließlich zu Spekulation und Ausbeutung. Er sei gegen eine wirtschaftliche Aktivität, die sich selbst genügt und trete für eine „Wirtschaft mit menschlichem Antlitz“ ein, die sich von den evangeliumsgemäßen Prinzipien der Gerechtigkeit und der Solidarität leiten lasse, unterstrich Bartholomaios I. Zugleich erinnerte er an die notwendige Bewahrung der natürlichen Umwelt. Die spirituelle und ethische Krise des Menschen, der Missbrauch seiner Freiheit, hätten die Beziehung zur Schöpfung zerbrochen und ihren korrekten Gebrauch entstellt. Die einzige Lösung bestehe in einer radikalen Veränderung der Mentalität, weg von einer konsumistischen hin zu einer asketischen Haltung im Hinblick auf die Schöpfung. (ende)