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Franz König

Pro Oriente

Neuer Schatten über den Beziehungen zwischen serbisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche

Ungewöhnlich scharfe Antwort des Heiligen Synods der serbischen Kirche auf ein Interview des katholischen Erzbischofs von Belgrad, in dem die Heiligkeit des serbisch-orthodoxen Bischofs Nikolaj Velimirovic in Zweifel gezogen worden sei

Belgrad, 05.11.16 (poi) Über den Beziehungen zwischen serbisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche hat sich ein neuer Schatten gezeigt: Ein „Politika“-Interview des katholischen Erzbischofs von Belgrad, Stanislav Hocevar, am 28. Oktober, in dem dieser die Heiligkeit des serbisch-orthodoxen Bischofs Nikolaj Velimirovic in Zweifel gezogen habe, hat eine ungewöhnlich scharfe Antwort des Heiligen Synods der serbisch-orthodoxen Kirche ausgelöst. Die Erklärung trägt die Unterschrift des Bischofs der Backa, Irinej (Bulovic), der für seine ökumenische Offenheit bekannt ist und als Sprecher der serbisch-orthodoxen Kirche fungiert. Bischof Irinej und Erzbischof Hocevar galten bisher als gute Gesprächspartner. In der Erklärung heißt es, angesichts der Verehrung des heilig gesprochenen Bischofs Nikolaj Velimirovic (1881-1956) durch orthodoxe wie nichtorthodoxe Christen in aller Welt fühle sich der Heilige Synod verpflichtet, öffentlich zu den „unpassenden und feindseligen“ Erklärungen von Erzbischof Hocevar Stellung zu nehmen.

Die Infragestellung von Nikolaj Velimirovic löste offensichtlich auch deshalb eine so scharfe Reaktion aus, weil der serbische Patriarch Irinej I. erst vor kurzem auf Einladung des anglikanischen Primas, Erzbischof Justin Welby, London besucht hat, um des 100. Jahrestages der aufsehenerregenden Predigt zu gedenken, die Nikolaj Velimirovic am St. Veits-Tag des Kriegsjahres 1916 als junger Mönch in der Londoner Paulskathedrale gehalten hatte (es war die erste Predigt eines nichtanglikanischen Klerikers in dem anglikanischen Gotteshaus). Patriarch Irinej unterstrich am 14. Oktober in der Paulskathedrale beim Vespergottesdienst („evensong“) – in Anwesenheit von Erzbischof Justin und zahlreicher anglikanischer Bischöfe – die innige Verbindung zwischen Serbien und Großbritannien im Ersten Weltkrieg und im Zweiten Weltkrieg. Im Hinblick auf den Ersten Weltkrieg hob er den Einsatz der schottischen Krankenschwestern in Serbien hervor, aber auch die Sorge anglikanischer Geistlicher für evakuierte serbische Kinder und Jugendliche, die in Großbritannien ihre Ausbildung fortsetzen konnten.

In der von Bischof Irinej gezeichneten Erklärung wird kritisiert, dass Erzbischof Hocevar Bischof Nikolaj Velimirovic auf eine Stufe mit dem kroatischen Kardinal Alojzije Stepinac gestellt habe. Der katholische Erzbischof von Belgrad sei nicht verpflichtet, so wie der anglikanische Primas das pastorale und spirituelle Werk des heilig gesprochenen Bischofs von Ohrid, Bitola und Zica oder dessen multilaterale zwischenkirchliche Aktivität zu kennen, stellte Bischof Irinej fest. Er müsse sich auch nicht für die theologischen und literarischen Werke von Nikolaj Velimirovic interessieren, der seine „Erfahrung des Feindes“ als die des ‚brutalen Freundes‘“ beschrieben habe, während Kardinal Stepinac die „byzantinische Orthodoxie“ als „Fluch Europas“ bezeichnete, weswegen Kroaten und Serben zwei „unvereinbare Welten“ darstellen würden. Der katholische Erzbischof von Belgrad müsse sich auch nicht der Tatsache bewusst sein, dass Nikolaj Velimirovic – zum Unterschied von Stepinac – während des ganzen Zweiten Weltkriegs interniert war, zuletzt in Dachau. Die serbisch-orthodoxe Kirche stelle auch das Recht von Erzbischof Hocevar nicht in Frage, die Sinnhaftigkeit der Einrichtung der von Papst Franziskus gewollten gemischten Kommission zur Untersuchung der Rolle von Stepinac vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg anzuzweifeln. Der Heilige Synod wende sich aber dagegen, dass der katholische Erzbischof sein Engagement für einen Serbien-Besuch von Papst Franziskus als „Wechselgeld“ für die „unbewusste oder möglicherweise bewusste“ Verschlechterung der Beziehungen zwischen der serbisch-orthodoxen Kirche und dem Heiligen Stuhl einsetze. (ende)