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Franz König

Pro Oriente

Türkei: Christliche Bürgermeisterin von Mardin ihres Amtes enthoben

Februniye Akyol war die einzige Christin an der Spitze einer türkischen Großstadt – Vorsitzender des „Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland“ ruft Berlin zum Handeln auf

Ankara-Berlin, 18.11.16 (poi) In der aramäischen Weltgemeinschaft hat die Absetzung der Ko-Bürgermeisterin der ostanatolischen Metropole Mardin, Februniye (Febronia) Akyol, im Zug der in der Türkei laufenden Amtsenthebungswelle Empörung ausgelöst. Auch Ahmet Türk, der kurdische Kollege von Februniye Akyol, wurde abgesetzt. Die beiden hatten seit der Wahl im März 2014 gemeinsam die Geschicke der 90.000-Einwohner-Stadt mit ihrer reichen Geschichte geleitet. Mit Februnye Akyol war erstmals eine Christin an der Spitze einer türkischen Großstadt gestanden.

Der Vorsitzende des „Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland“, Daniyel Demir, sagte am Freitag, mit der Amtsenthebung von Februniye Akyol habe Ankara den letzten Aramäern in Anatolien ein unmissverständliches Signal gegeben: „Sie sind unerwünscht“. Bereits wenige Tage davor sei die Peter-Paul-Kathedrale in Urfa mit dem anschließenden syrisch-orthodoxen Bischofssitz endgültig vom Staat konfisziert worden. Das weltbekannte Kloster Mar Gabriel, das geistliche Zentrum des Tur Abdin, scheine wieder in ernster Gefahr zu sein. Wörtlich stellte Demir fest: „Wir fordern die deutsche Bundesregierung endlich zum Handeln auf, andernfalls werden wir stumme Zeugen des letzten Aktes der Entchristianisierung in Anatolien“.

Der „Bundesverband der Aramäer in Deutschland“ setzt sich für die Rechte und Interessen der aramäischen Gemeinschaft in Deutschland und den Heimatländern ein. In Deutschland leben etwa 150.000 Aramäer, in der EU insgesamt bis zu 400.000. Die christlichen Aramäer sprechen auch heute noch die Sprache Jesu oder verwenden sie zumindest in der Liturgie. (ende)