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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Prof. Prokschi: „Vom Einsatz für die Einheit hängt die Glaubwürdigkeit der Christen ab“

„Pro Oriente“-Vizepräsident zeichnet in „Sonntag“-Interview Bild der aktuellen ökumenischen Lage – „Erfolgsgeschichte“ der Ökumene ist leider für viele schon in Vergessenheit geraten – Hohe Erwartungen an neue „entscheidende Impulse in der Ökumene“

Wien, 12.01.17 (poi) „Wir haben von Jesus den Auftrag, eins zu sein, damit die Welt die Sendung Jesu erkennt. Diesen Einsatz für die Einheit der Christen nennen wir Ökumene. Davon hängt auch unsere Glaubwürdigkeit ab“: So fasst der Wiener Ostkirchenfachmann (und „Pro Oriente“-Vizepräsident) Prof. Rudolf Prokschi in einem Interview für die neueste Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“ die Sinnspitze der „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“ (18. bis 25. Jänner) zusammen. Prof. Prokschi verweist darauf, dass in der katholischen Kirche seit der Beschlussfassung über das Ökumenismus-Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils („Unitatis redintegratio“) im November 1964 sehr viel in Richtung Erfüllung der Hauptaufgabe „Wiederherstellung der Einheit aller Christen“ getan wurde. Leider sei diese „Erfolgsgeschichte“ für viele schon in Vergessenheit geraten. Auch müsse man zugeben, dass es immer wieder auch Rückschläge gegeben habe und „die aktuelle Situation von manchen als Stillstand empfunden wird“. Trotzdem sei etwa der Besuch von Papst Franziskus beim Jubiläum des Lutherischen Weltbundes in Lund wieder ein einmaliges „Highlight“ in der jüngsten ökumenischen Geschichte gewesen.

Das verstärkte Achten auf die eigene Identität in manchen Kirchen könne sich natürlich auf dem ökumenischen Weg zur Einheit als Hindernis zeigen, räumt der Theologe ein. Andererseits sei das Ziel kein christlicher „Einheitsbrei“ auf der Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners. In der Ökumene brauche es durchaus profilierte Persönlichkeiten, die „fest und kompetent“ in ihren jeweiligen Traditionen verankert sind und nicht ängstlich an kleinen Äußerlichkeiten festhalten müssen. Er erwarte sich „entscheidende Impulse in der Ökumene“ während seiner Lebenszeit, so Prokschi, „sonst würde ich meine Funktionen und Tätigkeiten im Ökumenischen Rat der Kirchen, in der Wiener Diözesankommission für ökumenische Fragen und bei ‚Pro Oriente‘ zurücklegen“.

Das letzte Ziel der Ökumene sei zweifelsohne die Einheit aller, die auf den dreifaltigen Gott getauft sind. Diese Einheit müsse auch in der eucharistischen Communio (Teilnahme an der einen Kommunion) zum Ausdruck kommen, betont der Theologe. Die Frage nach dem Kirchen- und Amtsverständnis sei da im Verhältnis zu den reformatorischen Kirchen von entscheidender Bedeutung. Damit würden auch das Eucharistieverständnis und die Sakramentenlehre zusammenhängen. Mit dieser Frage müssten sich auf jeden Fall „die Experten beider Seiten noch intensiv beschäftigen“. Zugleich erinnert Prof. Prokschi daran, dass die theologischen Kernaussagen des gemeinsamen christlichen Glaubens (Menschwerdung des Wortes Gottes, Tod und Auferstehung Jesu) durch die Konzilsväter von Nikaia im Jahr 325 und von Konstantinopel im Jahr 381 im Großen Glaubensbekenntnis („Nicaeno-Constantinopolitanum“) festgelegt worden seien. Dieser Grundlagentext sei für alle Kirchen verbindlich.

Abschließend erinnert der Theologe daran, dass das Zweite Vatikanische Konzil gerade im Blick auf den christlichen Osten von einer hohen Wertschätzung bezüglich der Liturgie und der Spiritualität gesprochen habe. Die „geistliche Ökumene“ sei eine Einladung an alle Getauften, „zu den Quellen des gemeinsamen Glaubens vorzudringen und von den Brüdern und Schwestern in Ost und West zu lernen und mit ihnen unsere geistlichen Schätze zu teilen“. (ende)