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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Abschied von Erzbischof Mesrob Krikorian

Ökumenische Bedeutung des verstorbenen armenischen Theologen und Bischofs wurde beim Requiem in Wien sichtbar - Kondolenzbotschaft der internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer Kirche und orientalisch-orthodoxen Kirchen - Beisetzung am Samstag in Etschmiadzin

Wien, 26.01.17 (poi) Die Bedeutung des verstorbenen armenisch-apostolischen Alterzbischofs Mesrob Krikorian für die Ökumene in Österreich – und darüberhinaus – wurde am Mittwochabend beim Trauergottesdienst am offenen Sarg in der Wiener armenisch-apostolischen Pfarrkirche St. Hripsime deutlich. Erzbischof Nathan Hovhanissian aus Etschmiadzin zelebrierte die Heilige Liturgie, mit zahlreichen armenischen Gläubigen nahmen Spitzenvertreter der Ökumene teil, unter ihnen der Linzer Diözesanbischof (und Ökumene-Referent der katholischen Bischofskonferenz) Manfred Scheuer, der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen, der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, der Wiener Domdekan Karl Rühringer in Vertretung von Kardinal Christoph Schönborn, der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura, der orthodoxe Militärseelsorger Alexander Lapin, der Abt des armenisch-katholischen Mechitharistenklosters, P. Paul Kodjanian, und „Pro Oriente“-Präsident Johann Marte. Das Kultusamt der Republik war durch die Ministerialräte Anton Stifter und Karl Schwarz vertreten.

Erzbischof Nathan sagte in seiner Predigt, der in Aleppo geborene und im Nahen Osten aufgewachsene Krikorian sei durch das armenische Schicksal nach dem Völkermord in den letzten Jahren des Osmanischen Reiches geprägt worden. Sein ganzes Leben hindurch sei er ein treues Kind der armenisch-apostolischen Kirche gewesen; als Seelsorger habe Mesrob Krikorian dieser Kirche gedient, ihre Strukturen in Österreich aufgebaut und zugleich als Mitstreiter von „Pro Oriente“ von Anfang an vieles für die Verständigung der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Österreich getan. Die große Präsenz beim Requiem sei „ein gutes Zeugnis für den Einsatz des verstorbenen Erzbischofs“.

Patriarchaldelegat P. Tiran Petrosyan verlas beim Requiem das an Katholikos Karekin II. gerichtete Kondolenzschreiben von Kardinal Christoph Schönborn. Darin heißt es u.a. wörtlich: „Krikorian war nicht nur ein vorbildlicher Hirte für die ihm anvertrauten Gläubigen, sondern auch ein ‚Arbeiter der ersten Stunde im ökumenischen Weinberg‘ unseres Landes. Die Christen in Österreich – und darüber hinaus – verdanken dem Theologen, Historiker und Seelsorger Mesrob Krikorian sehr viel. Es ist auch sein Verdienst, dass die ökumenische Atmosphäre in Österreich von einer Haltung des Miteinanders und der Bereitschaft, voneinander zu lernen, geprägt ist“.

Der Name des verewigten Erzbischofs sei untrennbar verbunden mit den von der Stiftung „Pro Oriente“ initiierten inoffiziellen Konsultationen zwischen katholischen und orientalisch-orthodoxen Theologen, die zur „Wiener Christologischen Formel“ führten, mit der ein 1.500 Jahre währender theologischer Streit beigelegt werden konnte, betonte Kardinal Schönborn in seinem Kondolenzschreiben weiter. Mesrob Krikorian habe die Arbeit von „Pro Oriente“ von Anfang an wesentlich mitgeprägt. In der für ihn charakteristischen “freimütigen Art“ habe Krikorian seinen katholischen Gesprächspartnern bei „Pro Oriente“ neue Horizonte und Perspektiven erschlossen.

Mesrob Krikorian habe vielen Christen in Österreich „Mut zur Ökumene“ gemacht, zum respektvollen Gespräch der getrennten Christen, auch zur Entdeckung der geistlichen Schätze der jeweils anderen Kirchen, erinnerte der Wiener Erzbischof in seinem Schreiben. Diese Haltung habe Krikorian auch in den offiziellen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen eingebracht.

Die gerade in Rom zu ihrer 14. Vollversammlung zusammengetroffene internationale Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer Kirche und orientalisch-orthodoxen Kirchen übermittelte aus Anlass des Todes von Erzbischof Krikorian ein Kondolenzschreiben nach Etschmiadzin und nach Wien. Krikorian war ein Gründungsmitglied der Kommission, zu deren Mitgliedern auch der Salzburger Ostkirchenexperte und Vorsitzende der Salzburger „Pro Oriente“-Sektion Prof. Dietmar W. Winkler gehört. In dem Schreiben wurde festgestellt, die Kommission habe mit „Dankbarkeit“ des Lebens und des Dienstes von Erzbischof Krikorian gedacht. Er sei von Anfang an ein „Pionier des Ökumenismus“ gewesen und habe eine außerordentliche Begabung gehabt, das „reiche kirchliche und spirituelle Erbe“ der armenischen Kirche in die ökumenischen Dialoge einzubringen.

Beim Auftakt der internationalen Kommission im Jahr 2004 habe Krikorian einen „unschätzbaren Beitrag“ geliefert. Seine Beiträge seien „wissenschaftlich begründet, ökumenisch erleuchtet und in der armenischen Tradition und patristischen Spiritualität gut verwurzelt“ gewesen. Dank seiner Erfahrungen und Kenntnisse aus anderen Dialogen (zum Beispiel dem Dialog zwischen orientalisch-orthodoxen Kirchen und byzantinisch-orthodoxen Kirchen) habe Krikorian mit großer Geduld zu denen gesprochen, die nicht „die gleiche theologische und ökumenische Erfahrung“ hatten. Der Erzbischof sei ein wahrer Befürworter und Förderer der Einheit der Kirche „in Jesus Christus“ gewesen. Dass seine Stimme jetzt verstummt sei, werde von allen, die am ökumenischen Dialog interessiert sind, mit großer Trauer zur Kenntnis genommen.

Abschließend hieß es in dem Kondolenzschreiben, die Mitglieder der Kommission würden beim Vespergottesdienst mit Papst Franziskus in der römischen Basilika San Paolo fuori le Mura zum Abschluss der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen in besonderer Weise des verstorbenen Wiener armenischen Alterzbischofs gedenken.

Der armenische Botschafter Arman Kirakossian unterstrich in seinen sehr persönlichen gehaltenen Abschiedsworten beim Requiem, Mesrob Krikorian habe sich „unschätzbare Verdienste“ sowohl für die armenische Gemeinde in Österreich als auch für den Dialog der Armenier mit ihrer Umgebung erworben. Zugleich unterstrich Kirakossian – selbst Historiker und Armenologe ebenso wie sein Vater, der frühere Außenminister – die wissenschaftlichen Verdienste des Verstorbenen. Insbesondere hob er das bahnbrechende Werk Krikorians über das armenische Leben im Osmanischen Reich im 19. Jahrhundert hervor.

Mesrob Krikorian sei immer ein Freund Armeniens gewesen, was etwa in seiner Spendenaktion für die Betroffenen der Erdbebenkatastrophe von 1988 zum Ausdruck gekommen sei. Zuletzt habe er den Erzbischof, als dieser schon todkrank war, im Spital angetroffen, berichtete der Botschafter, der Krikorian seit rund 25 Jahren persönlich kannte: „Sein Gedenken wird immer wach bleiben“.

Die sterbliche Hülle von Alterzbischof Krikorian wurde nach Etschmiadzin überführt. Dort wird am Samstag, 28. Jänner, in der St. Gayane-Kirche (nur wenige hundert Meter von der Kathedrale von Etschmiadzin entfernt) ein Trauergottesdienst stattfinden, anschließend findet auf dem Friedhof der Bruderschaft von Etschmiadzin (der Krikorian angehörte) die Beisetzung statt. Die St. Gayane Kirche (Surp Gajane) wurde in ihrer Grundstruktur im 7. Jahrhundert errichtet. (ende)