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Franz König

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Libanon: Gedenkgottesdienst für Nuntius Farhat

Der im Dezember 2016 verstorbene Erzbischof hatte von 2005 bis 2009 als Apostolischer Nuntius in Österreich gewirkt – Nach seiner Emeritierung verfasste Farhat den ersten Vatikan-Führer auf arabisch

Beirut-Vatikanstadt, 29.01.17 (poi) Der maronitische Patriarch, Kardinal Bechara Boutros Rai, hat am Sonntag einen Gedenkgottesdienst für den am 17. Dezember verstorbenen Erzbischof Edmond Farhat zelebriert, der von 2005 bis 2009 Apostolischer Nuntius in Österreich war. Der Gedenkgottesdienst erfolgte – wie es in der ostkirchlichen Tradition üblich ist – 40 Tage nach dem Tod. Farhat stammte aus Ain Kfah, das mit seinen Ölbäumen oft als „verborgene Perle“ des Gebiets von Jbeil (Byblos) im Libanon bezeichnet wird.

Der aus einer angesehenen maronitischen Familie stammende Edmond Farhat verbrachte sein ganzes Priesterleben im Dienst des Heiligen Stuhls. Er begann seinen Dienst in der arabischen Abteilung von „Radio Vatikan“ und war dann 20 Jahre für das Generalsekretariat der Bischofssynode tätig, zuletzt als Vizesekretär. Zeitgleich wirkte er auch als Professor für Islamisches Recht an der Universität im sardinischen Sassari. 1989 berief ihn Papst Johannes Paul II. zum Nuntius in Algerien und in Tunesien sowie zum Apostolischen Delegaten für Libyen, das damals noch von Ghaddafi beherrscht wurde. Der Papst weihte ihn persönlich am 20. Oktober 1989 zum Bischof. 1995 wurde Farhat zum Apostolischen Nuntius in Slowenien und Mazedonien ernannt, 2001 erfolgte die Ernennung zum Nuntius in der Türkei und in Turkmenistan. Seine letzte diplomatische Aufgabe war dann ab 2005 die Nuntiatur in Wien.

Nach Beendigung dieser Aufgabe widmete sich Erzbischof Farhat in Rom der Schriftstellerei. Besondere Bedeutung hatte sein 2015 von der Libreria Editrice Vaticana herausgebrachtes Werk „Der Vatikan, seine Bedeutung und seine Monumente“, der erste Vatikan-Führer auf arabisch. Im Gespräch mit Journalisten verwies der Erzbischof darauf, dass es in der arabischen Welt großes Interesse am Vatikan gebe. Die vatikanische Bibliothek habe 2.500 kostbare arabische Handschriften in ihrem Bestand, auch das älteste arabische Manuskript werde in dieser Bibliothek aufbewahrt. Wahrscheinlich sei auch die in der Biblioteca Vaticana vorhandene antike Koran-Handschrift das älteste, überhaupt existierende Exemplar des Heiligen Buches der Muslime.

Der Präfekt der Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, würdigte das Werk Farhats als einen Hinweis, dass ein „offener Dialog“ zwischen Christen und Muslimen möglich sei. Das Buch des früheren Nuntius biete für das arabischsprachige Publikum eine Brücke zum Verständnis „der kulturellen Realität des Vatikans und des katholischen Glaubens“. In einem anderen Buch („Quando i papi pregano“, Wenn die Päpste beten) hatte Erzbischof Farhat die schönsten Gebete der Päpste des 20. Jahrhunderts zusammengefasst.

Trotz seines langjährigen Dienstes für die Weltkirche hatte Erzbischof Farhat immer die lebendige Verbindung mit der libanesischen Heimat aufrechterhalten, wie auch Kardinal Rai jetzt beim Gedenkgottesdienst betonte. Besonders stark kam diese Verbundenheit mit dem Libanon zum Ausdruck, als Farhat 2011 bei der Installierung einer Statue des Heiligen Maron in einer Nische der Fassade des Petersdoms die Festrede hielt. Der Heilige Maron, ein Mönch des 4. Jahrhunderts, steht am Beginn der maronitischen Kirche, die seit dem Mittelalter mit Rom uniert ist. Die Maroniten prägen – trotz aller Veränderungen der letzten Jahrzehnte – bis heute das politische und kulturelle Leben des Libanon.(ende)