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Franz König

Pro Oriente

Neuer Brückenschlag zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und der katholischen Kirche in Italien

Patriarch Kyrill I. betont bei Begegnung mit italienischer kirchlicher Delegation unter Führung von Kardinal Bagnasco: Kirchen in beiden Ländern sind mit ähnlichen Problemen im Hinblick auf die Bewahrung der christlichen Werte in der modernen Gesellschaft konfrontiert

Moskau, 24.02.17 (poi) Die Gemeinsamkeiten der russisch-orthodoxen Kirche und der katholischen Kirche in Italien unterstrich Patriarch Kyrill I. bei einer Begegnung mit einer Delegation der Italienischen Bischofskonferenz (CEI) unter Führung ihres Präsidenten, Kardinal Angelo Bagnasco, im Moskauer Danielskloster. Die italienische Delegation hatte am ersten Treffen der neuen zwischenkirchlichen Arbeitsgruppe im Rahmen des russisch-italienischen zivilgesellschaftlichen Dialogforums teilgenommen. Wörtlich sagte der Moskauer Patriarch bei der Begegnung mit den italienischen Gästen: „Italien und Russland sind Länder, die die christliche Tradition aufrechterhalten, die das Leben der Menschen beeinflusst. Als Kirchen in Italien und Russland sind wir mit ähnlichen Problemen konfrontiert und diskutieren sie gemeinsam. Russen und Italiener haben Sympathie füreinander“. Der Patriarch erinnerte an die engen kulturellen Beziehungen zwischen Italien und Russland seit der Renaissance und verwies auf die Meisterwerke italienischer Architekten in Moskau und St. Petersburg.

Die Beziehungen zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und der katholischen Kirche in Italien hätten sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt, vielleicht auch „im Zusammenhang mit den gemeinsamen Problemen im Hinblick auf die Bewahrung der christlichen Werte in der modernen Gesellschaft“, sagte Kyrill I. Sowohl katholische als auch orthodoxe Christen müssten sich den Herausforderungen des säkularen Liberalismus stellen. Zugleich gebe es die Versuche zur Auflösung des traditionellen Familienbegriffs und die Verfolgung der Christen in vielen Ländern, vor allem im Nahen Osten. Über alle diese Fragen habe er mit Papst Franziskus im Februar des Vorjahrs in Havanna gesprochen. Dieses Treffen habe eine neue Seite in den Beziehungen zwischen den beiden Kirchen aufgeschlagen.

Als sehr wichtig bezeichnete der Patriarch die Entwicklung der Beziehungen zwischen Bildungsinstitutionen der russisch-orthodoxen Kirche und der katholischen Kirche in Italien sowie den kulturellen Austausch, wie er jetzt in der großen Ausstellung der Pinacoteca Vaticana in Moskau und der Antwortausstellung der Tretjakow-Galerie im kommenden Jahr in Rom zum Ausdruck kommt. Zugleich dankte Kyrill I. der Italienischen Bischofskonferenz für die „wohlwollende Haltung“ gegenüber den derzeit 70 russisch-orthodoxen Pfarrgemeinden in Italien, deren Zahl ständig zunehme.

Flüchtlinge: „Unterstützen die Position von Papst Franziskus“

Bei der Begegnung mit Kardinal Bagnasco und seiner Delegation im Danielskloster ging der Patriarch auch auf die Flüchtlingsdiskussion in Italien ein und stellte fest: „Wir unterstützen die Position von Papst Franziskus im Hinblick auf die Flüchtlinge. Aber wir sind auch überzeugt, dass es im Hinblick auf eine Lösung dieses Problems notwendig ist, alle militärischen Konflikte im Nahen Osten zu beenden. Wenn wieder Frieden herrscht und die Fluchtursachen beseitigt sind, wird der Flüchtlingsstrom aufhören“.

Die erste Session der neuen zwischenkirchlichen Arbeitsgruppe im Rahmen des russisch-italienischen zivilgesellschaftlichen Dialogforums hatte ebenfalls im Danielskloster stattgefunden. Dabei war der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), Hauptgesprächspartner der italienischen Delegation, der u.a. die Bischöfe Ambrogio Spreafico und Antonio Raspanti und Prof. Lorenzo Ornaghi, Herausgeber der theologischen Zeitschrift „Vita e Pensiero“, angehörten. Metropolit Hilarion bezeichnete den zivilgesellschaftlichen Dialog als wichtige Methode zur Intensivierung der internationalen Beziehungen. Sowohl in Russland als auch in Italien komme den Kirchen ein bedeutender Platz in der gesellschaftlichen Struktur zu, insbesondere in den Bereichen Ehe und Familie, Bildung, Caritas. (ende)