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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Koch: „Papst übt schon eine Art von ökumenischem Primat aus“

Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen ist optimistisch im Hinblick auf die Einheit der Christen – „Mein Vorbild in der Ökumene ist Mose“

Rom, 17.03.17 (poi) Sollen die Päpste ihren Anspruch herunterschrauben, um kein ökumenisches Ärgernis mehr zu sein? „Jein“, antwortete auf diese Frage Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, am Donnerstagabend bei der Vorstellung des Buches „Der Papst“ von Kardinal Gerhard Ludwig Müller in der österreichisch-deutschen Nationalkirche Santa Maria dell’Anima in Rom. Koch: „Sicher stimmt es auf der einen Seite, was Papst Paul VI. beim Besuch des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen Ende der sechziger Jahre gesagt hat: dass er sich sehr wohl bewusst sei, dass sein Amt eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur Einheit ist. Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass das Papstamt eine großartige Möglichkeit für die Einheit der Christen ist! Und da hat sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sehr viel entwickelt. Wenn ich jetzt gerade bei Papst Franziskus sehe, wie viele Repräsentanten anderer Kirchen nach Rom kommen wollen, mit dem Papst reden wollen, dem Papst begegnen möchten, und wie viel Zeit der Papst sich dafür nimmt – dann muss ich eigentlich sagen, dass der Papst schon so eine Art von ökumenischem Primat ausübt. In der Art und Weise, wie er sich Zeit für die Ökumene nimmt“.

Er sehe die Christen längst auf dem Weg vom „größten Hindernis“ zu einer „Möglichkeit der ökumenischen Einheit im Papstamt“, betont der Schweizer Kurienkardinal. Das liege auch daran, „dass wir seit dem Konzil alles ökumenische Päpste gehabt haben“: „Johannes XXIII. hat diese Öffnung gebracht. Paul VI. war ein großartiger Ökumeniker, vor allem mit seinen Gästen. Wenn ich daran denke, wie er 1965 den orthodoxen Metropoliten Meliton empfangen hat, indem er sich vor ihn hinkniete und ihm die Füße küsste. Dass er dem anglikanischen Primas 1967 den Ring geschenkt hat. Das sind alles großartige Zeichen gewesen. Johannes Paul II. war ein großartiger Ökumeniker, der aus der Hoffnung gelebt hat, dass das dritte Jahrtausend das Zeitalter der Einheit sein muss. Papst Benedikt XVI. hat theologisch viel für die Einheit der Christen gearbeitet, Papst Franziskus führt das weiter. Ich bin absolut zuversichtlich, dass kein Papst das rückgängig machen kann, wenn er dem Zweiten Vatikanischen Konzil treu bleiben will, dazu gehört die ökumenische Verpflichtung“.

Natürlich sei die Frage, „die Johannes Paul II. in die ganze Christenheit hineingegeben hat“, immer noch aktuell, so Kardinal Koch. Der Papst aus Polen hatte in seiner Enzyklika „Ut Unum Sint“ eine Debatte darüber angeregt, wie das Papstamt so ausgeübt werden könne, dass es auch für die anderen christlichen Kirchen akzeptabel sei. „Da müssen die Dialoge weitergeführt werden“, sagt Koch.

Der Präsident des Rates für die Einheit der Christen äußerte sich auch zum Stand des Dialogs mit den Lutheranern – schließlich läuft ja gerade das Reformations-Gedenkjahr. Die letzten lehrmäßig strittigen Punkte zwischen beiden Seiten sollen seiner Ansicht nach in einem Konsenspapier ausgeräumt werden. Da geht es um Kirche, Eucharistie und kirchliches Amt. Rückt, wenn ein solches Dokument einmal zustande gekommen sein wird, die Einheit der Kirchen in Reichweite? Koch: „Der Vorschlag, den ich eingebracht habe, jetzt eine Gemeinsame Erklärung zu Kirche, Eucharistie und Amt zu verfassen, ist nur die logische Konsequenz, die sich aus dem Konsens über die Rechtfertigungslehre ergibt. Es wäre wirklich ein großartiger Schritt, wenn es gelingen könnte, zu dieser Gemeinsamen Erklärung zu kommen: Das scheint mir der unabdingbare Schritt für Kirchengemeinschaft und auch Eucharistiegemeinschaft zu sein!“

Er sei auf jeden Fall dankbar, dass der Vorschlag auf offene Ohren stößt und „dass die Bereitschaft da ist, sich auf den Weg zu begeben“, so Kardinal Koch: „Dann werden wir sehen, wann und wie das geht… Mein Vorbild in der Ökumene ist Mose. Der muss sein Volk in das Gelobte Land führen. Aber er ist nicht traurig, weil er das Gelobte Land nicht mehr erreicht. Das ist meine Spiritualität: Es kommt für mich nicht darauf an, was ich erreiche, sondern ich sehe meine Aufgabe darin, diesen Weg zu bereiten, das andere ist ohnehin das Departement des Heiligen Geistes“. (ende)