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Franz König

Pro Oriente

Katholische Universität in Minsk geplant

Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz reiste in die USA, um Sponsoren zu gewinnen – Gute Beziehungen zwischen Orthodoxen und Katholiken in Weißrussland

Minsk-New York, 28.03.17 (poi) In der weißrussischen Hauptstadt Minsk soll eine katholische Universität entstehen. Der katholische Erzbischof der Hauptstadt, Tadeusz Kondrusiewicz, hat eine USA-Reise unternommen, um Sponsoren für diesen Plan zu gewinnen. Kondrusiewicz hielt am 22. März eine Gastvorlesung an der „Catholic University of America“ in Washington. Er traf in der US-amerikanischen Hauptstadt mit Kardinal Donald Wuerl und in New York mit Kardinal Timothy Dolan zusammen.

In seiner Gastvorlesung in Washington berichtete Kondrusiewicz auch über seine drei Begegnungen mit Schwester Lucia, der einzigen Überlebenden der Seherkinder von Fatima, denen vor 100 Jahren in dem portugiesischen Ort die Marienerscheinungen zuteil wurden. Schwester Lucia sei überzeugt gewesen, dass die Völker der Rus – wie in Fatima noch vor der bolschewistischen Oktoberrevolution verkündet – nach dem atheistischen Zwischenspiel zum Glauben an Christus zurückkehren würden. Diese Rückkehr werde mit einer langen „Periode des Friedens“ einhergehen. Kondrusiewicz schilderte in Washington die christlichen Wurzeln der Kultur und Geschichte Weißrusslands; zugleich hob er die Erfordernisse der postindustriellen Gesellschaft hervor, denen mit der Gründung einer katholischen Universität in Minsk entsprochen werden soll.

In der Vita des 1946 in Grodno geborenen Erzbischofs spiegelt sich die Situation der Gläubigen unter dem kommunistischen Regime. Er studierte Physik und Mathematik in Grodno, musste aber gehen, weil ihm seine regelmäßigen Kirchenbesuche zum Vorwurf gemacht wurden. Später machte er seinen Abschluss (mit Auszeichnung) in Maschinenbau am Polytechnischen Institut in St. Petersburg, damals Leningrad. Er arbeitete als Ingenieur in einer Schleifmaschinenfabrik in Vilnius. Zusammen mit Kollegen erfand er eine Hochgeschwindigkeits-Spezialschleifmaschine für das „Wolga“-Automobilwerk. Später kehrte er nach Grodno zurück; als er erfuhr, dass seine Mutter die ganze Zeit für seine Entscheidung für das Priestertum gebetet hatte, trat er in das Seminar im litauischen Kaunas ein. Im Alter von 35 Jahren wurde er 1981 zum Priester geweiht. Danach war er in Litauen und Weißrussland als Pfarrseelsorger tätig. 1989 wurde er zum Bischof ernannt und war zunächst Apostolischer Administrator der Erzdiözese Minsk. Von 1991 bis 2007 war er katholischer Bischof in Moskau und kehrte 2007 als Erzbischof nach Minsk zurück.

In Moskau waren seine Beziehungen zur orthodoxen Mehrheitskirche oft durch historische und aktuelle Problemstellungen überschattet. In Minsk entwickelte sich ein durchaus herzliches Verhältnis zum russisch-orthodoxen Metropoliten Pawel (Ponomarjow). Der Metropolit von Minsk und Slutsk ist Exarch des Moskauer Patriarchen für Weißrussland. Metropolit Pawel, der aus dem kasachischen Karaganda stammt, hat auch eine „österreichische“ Vergangenheit: Von 2000 bis 2003 war er russisch-orthodoxer Bischof von Wien und Österreich. Bei der Weißrussland-Reise von Kardinal Christoph Schönborn im Sommer des Vorjahrs war er einer der Gesprächspartner des Wiener Erzbischofs.

Die weißrussische Regierung legt durchaus Wert auf Einmütigkeit zwischen orthodoxer (85 Prozent) und katholischer (15) Kirche. Erzbischof Kondrusiewicz und Metropolit Pawel sind auch schon gemeinsam im Fernsehen aufgetreten, um sich für den geplanten Papstbesuch in Weißrussland auszusprechen.(ende)