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Franz König

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Attentat in St. Petersburg: „Eine Herausforderung für alle Menschen“

Moskauer Patriarch Kyrill I. und andere religiöse Führungspersönlichkeiten nahmen zu dem Anschlag auf die U-Bahn der russischen Metropole Stellung

Moskau, 04.04.17 (poi) „Ein terroristischer Akt ist nicht nur eine Herausforderung an die Behörden, an alle, die für die Sicherheit zuständig sind, vielmehr handelt es sich um eine Herausforderung an alle Menschen“: Dies betonte der Moskauer Patriarch Kyrill I. am Beginn eines Gedenkgottesdienstes, den er am Dienstagmorgen in der Moskauer Christus Erlöser-Kathedrale für die Opfer des Anschlags auf die U-Bahn in St.Petersburg hielt. Man müsse noch klarer die Bedeutung des Einsatzes für den Frieden des Landes, die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft des russischen Volkes betonen, so der Patriarch. Wenn man über schreckliche Ereignisse wie den Anschlag auf die U-Bahn nachdenke, werde umso mehr deutlich, dass es keine „Verbindung mit dem Bösen“ geben könne, auch wenn sich das Böse noch so respektabel darstelle. Wörtlich betonte der Patriarch: „Wo das Böse ist, dort ist der Tod“. Warum die Opfer des Anschlags den Tod gefunden hätten, wisse nur Gott allein, sagte Kyrill I.; jetzt gehe es darum, für sie zu beten, damit ihnen „die Pforten des Himmels“ geöffnet werden. Zugleich gelte es, das Volk als ganzes zu sehen, um „gemeinsam eine Antwort auf die komplexen Probleme des historischen Weges des russischen Volkes zu geben“. Zum Zeitpunkt des Terrorakts hatte sich Präsident Wladimir Putin in St. Petersburg aufgehalten, um mit seinem weißrussischen Amtskollegen Alexander Lukaschenko zusammenzutreffen.

Das „unverschämte Verbrechen“ in der U-Bahn könne keine wie immer geartete Rechtfertigung erfahren, stellte der Moskauer Patriarch in seiner ersten Kondolenzbotschaft an den Metropoliten von St. Petersburg, Warsonofij (Sudakow), fest. Die russisch-orthodoxe Kirche verurteile entschieden alle aggressiven Akte gegen Zivilisten und rufe die Gesellschaft auf, sich allen Manifestationen der Gewalt entschlossen entgegenzustellen. Sein Gebet gelte der Heilung der Wunden und der Seelenruhe der Opfer, so der Patriarch. Metropolit Warsonofij entsandte Priester in alle St. Petersburger Krankenhäuser, um den Opfern und ihren Angehörigen spirituellen Trost zuteil werden zu lassen. Die orthodoxe Eparchie werde – in Zusammenarbeit mit den staatlichen und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen - jede Form der spirituellen und materiellen Hilfe bereitstellen, betonte der Metropolit.

Er habe mit „tiefem Schmerz“ die Nachricht über den Anschlag auf die U-Bahn in St. Petersburg gehört, stellte der katholische Erzbischof in Moskau, Paolo Pezzi, fest. Mit den Gläubigen aller Religionen bete er darum, dass „Russland und die ganze Welt vom schrecklichen Übel des Terrorismus befreit werden“. Er habe alle Priester seiner Erzdiözese beauftragt, für die Opfer des Anschlags, für die Tröstung der Angehörigen, für die Genesung der Verletzten und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden zu beten, „die sich dafür einsetzen, dass sich solche Tragödien nicht wiederholen“.

Wieder sei eine große europäische Stadt Ziel der blinden Gewalttätigkeit geworden, stellte der Generalsekretär der „Konferenz Europäischer Kirchen“ (CEC), der finnische orthodoxe Priester Heikki Huttunen, fest: „Wir spüren die Agonie des Hasses und der Zerstörung“. Die „Konferenz Europäischer Kirchen“ verurteile diesen Versuch, Angst zu verbreiten, sie bete für die Opfer und die Verletzten und entbiete den Mitgliedskirchen in Russland ihr tiefempfundenes Mitgefühl. Wörtlich fügte Huttunen hinzu: „Während wir uns auf die Feier der Mysterien des Todes und der Auferstehung Jesu Christi vorbereiten, wollen wir uns mit allen Menschen guten Willens vereinen, um dem Aufbau des Friedens und des Vertrauens in all unseren Städten und Nationen zu dienen“.

„Wir verurteilen voll Zorn das Verbrechen in der St. Petersburger U-Bahn, das die größte Sünde vor Gott – die Ermordung Schuldloser – darstellt“, betonte der Vorsitzende des Rates der russischen Muftis, Rawil Gainutdin. Die Ermordung von Schuldlosen bedeute einen Anschlag auf die ganze Menschheit, zitierte der Mufti einen Abschnitt aus dem Koran. Wörtlich fügte er hinzu: „Wir müssen wachsam sein und jenen entgegentreten, die den zivilen Frieden in Russland zerstören wollen. Nicht nur die Täter, sondern auch die Hintermänner dieser grausamen Tat müssen enttarnt werden, denn sie sind es, die unser Land in den Abgrund der inneren Kämpfe stürzen wollen“. (ende)