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Franz König

Pro Oriente

Heiliger Stuhl drängt auf politische Lösung für die Krise in Syrien

Vatikanischer „Außenminister“ Paul Richard Gallagher bei der Syrien-Konferenz in Brüssel: Es geht um integrale Beachtung der Menschenrechte, rasche humanitäre Hilfe, medizinische Versorgung und Bildungsinitiativen – Syrischer Caritas-Präsident Antoine Audo fordert, über die unmittelbare Notversorgung der Flüchtlinge und Inlandsvertriebenen hinauszuschauen und langfristige Entwicklungsprogramme zu entwerfen – „Die USA und Russland haben es in der Hand, dass Frieden wird“

Brüssel-Damaskus, 06.04.17 (poi) Der Heilige Stuhl drängt darauf, dass eine politische Lösung für die Krise in Syrien gefunden wird. Bei der zweitägigen Brüsseler Konferenz „Unterstützung der Zukunft Syriens und der Region“ vom 4./5. April sagte der vatikanische „Außenminister“, Erzbischof Paul Richard Gallagher, der Heilige Stuhl sei zutiefst betroffen über die Lage in Syrien. Es gehe jetzt um Empathie und Solidarität, um dem scheinbar endlosen Kreislauf der Gewalt ein Ende zu bereiten.
Die zweitägige Syrien-Konferenz war auf Initiative der EU, Deutschlands, Norwegens, Kuwaits, Katars, Großbritanniens und der Vereinten Nationen zustande gekommen. Dazu waren 70 Delegationen internationaler Organisationen und der Zivilgesellschaft angereist.

Erzbischof Gallagher trat für die integrale Beachtung der Menschenrechte in Syrien ein, es gehe um rasche humanitäre Hilfe, medizinische Versorgung und Bildungsinitiativen. Die Wahrung und der Schutz der Menschenrechte müssten im Zentrum des Interesses aller Parteien stehen. Solidarität und friedliches Zusammenleben, Dialog und Zusammenarbeit müssten angestrebt werden. Der vatikanische „Außenminister“ sprach sich für die finanzielle Unterstützung der Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene aus. 2016 hätten der Heilige Stuhl und die katholische Kirche insgesamt 200 Millionen US-Dollar für 4,6 Millionen Menschen in Syrien aufgebracht, die Hilfe sei unabhängig von religiöser oder ethnischer Zugehörigkeit geleistet worden.
Besorgt zeigte sich der Erzbischof über die Lage der Christen und anderer religiöser Minderheiten im Nahen Osten. Er erinnerte an die wichtige historische Rolle der Religionsgemeinschaften in Syrien und ihren grundlegenden Beitrag zum Zusammenleben der gesamten Nation in Zukunft.

Bei der Geber-Konferenz in Brüssel rief die Caritas dazu auf, über die unmittelbare Notversorgung der Flüchtlinge und Inlandsvertriebenen hinauszuschauen und langfristige Entwicklungsprogramme zu entwerfen. Der syrische Caritas-Präsident, Bischof Antoine Audo, sagte im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“, dass auf internationaler Ebene die Hilfszusagen vorhanden seien, „aber wenn es keinen Frieden gibt, existiert das Problem weiter“. Der Mangel an Sicherheit verstärke die Migrationsbewegung. Eine „politische Lösung“ und ein „Prozess der Versöhnung“ seien notwendig, damit die Flüchtlinge zurückkehren können.
Ein zentrales Problem sei aber auch der Mangel an Arbeitsplätzen angesichts der darniederliegenden wirtschaftlichen Situation Syriens. Die Armut breite sich aus, die Lebenshaltungskosten steigen ständig. In den verschiedenen Teilen des Landes sei die Situation sehr unterschiedlich, betonte Bischof Audo. Man könne mindestens fünf verschiedene Zonen unterscheiden. In seiner Bischofsstadt Aleppo sei zwar Ruhe eingekehrt, es gebe auch wieder Trinkwasserversorgung, aber die Versorgung mit elektrischer Energie sei mangelhaft, die Wiederherstellung des Netzes werde mindestens vier Monate dauern.

Im Hinblick auf die Migration verwies Bischof Audo darauf, dass es sehr unterschiedliche Situationen gebe. Einige reiche Familien hätten ihre Aktivitäten in den Libanon oder nach Europa verlegt. Andere seien auf der Suche nach Stabilität und Arbeit in die Nachbarländer geflüchtet. Vor allem bei den jungen Leuten sei schwer vorstellbar, dass sie in die Heimat zurückkehren. Damit werde Syrien einer wesentlichen Voraussetzung für einen Wiederaufstieg in Zukunft beraubt. Völlig ungelöst sei auch die Frage der Restitution der Grundstücke und Immobilien, die von Flüchtlingen in Syrien zurückgelassen wurden.
Die syrische Caritas hoffe, dass von der Konferenz in Brüssel ein wesentlicher Impuls für eine Hilfskampagne im „Geist der Gerechtigkeit und Zusammenarbeit“ ausgehen möge. Im Osten seiner Bischofsstadt Aleppo – der jahrelang unter der Kontrolle der Rebellen war – sei es gelungen, Hilfsprogramme zu entwickeln, „die zu funktionieren scheinen“, sagte Bischof Audo. Von besonderer Bedeutung seien die Initiativen für den Bildungssektor und für die Gesundheitsversorgung. Außerdem engagiere sich die Kirche sehr bei der Wiederherstellung der durch den Krieg zerstörten Häuser. Aber für jede Dynamik des Wiederaufbaus und der Versöhnung sei eine Vereinbarung zwischen den USA und Russland von entscheidender Bedeutung, betonte der Bischof: „Die syrischen Angelegenheiten sind in den Händen der beiden Mächte, es ist ihre Aufgabe, einen Weg für den Frieden zu finden“. (ende)