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Franz König

Pro Oriente

Papst entsetzt über Giftgaskatastrophe in Syrien

Nuntius Zenari und Caritas-Präsident Audo äußern sich aber zurückhaltend im Hinblick auf die Verantwortlichkeit für die Ereignisse von Khan Shaykhun in der Provinz Idlib

Vatikanstadt-Damaskus, 05.04.17 (poi) Papst Franziskus und weitere kirchliche Persönlichkeiten haben ihr Entsetzen über die Giftgaskatastrophe in dem Städtchen Khan Shaykhun in der von Rebellen (mit der „Al Nusra“-Front an der Spitze) kontrollierten syrischen Provinz Idlib zum Ausdruck gebracht – ohne sich die Schuldzuweisungen zu eigen zu machen. Papst Franziskus sagte bei der Generalaudienz am Mittwoch wörtlich: „Mit Entsetzen verfolgen wir die jüngsten Geschehnisse in Syrien. Ich bringe meine entschiedene Missbilligung im Hinblick auf das inakzeptable Blutbad zum Ausdruck, das sich gestern in der Provinz Idlib ereignet hat, wo Dutzende unbewaffneter Personen, darunter viele Kinder, getötet wurden. Ich bete für die Opfer und deren Angehörige und appelliere an das Gewissen derer, die auf lokaler und internationaler Ebene politische Verantwortung tragen, dass diese Tragödie beendet und das Leid dieser geliebten Bevölkerung gelindert werde, die zu lange schon vom Krieg gepeinigt wird. Ebenso ermutige ich die Bemühungen derer, die sich trotz Unsicherheit und Belastungen für die Bereitstellung von Hilfe für diese Region einsetzen“.

Der Apostolische Nuntius in Damaskus, Kardinal Mario Zenari, sagte im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR, angesichts solcher Vorgänge wie in Khan Shaykhun – „die sich leider von Zeit zu Zeit wiederholen“ – fehlten einem die Worte. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass die Menschen in Syrien von Giftgas heimgesucht wurden, das sei bereits „sieben, acht Mal“ vorgekommen. Aber jetzt sei es genug, man müsse „Schluss“ sagen.

Der Konflikt in Syrien, den er vom ersten Tag an miterlebt habe, sei „schwer zu verstehen“, betonte Kardinal Zenari. Anfänglich habe es wie ein Bürgerkrieg ausgeschaut, aber mittlerweile sei es ein Stellvertreterkrieg, der von „regionalen Interessen“ befeuert werde, das müsse man unterstreichen. Mittlerweile seien auch internationale Interessen dazu gekommen.

Der Nuntius wiederholte, dass es darauf ankomme, eine politische Lösung zu erzielen. Vor der Aushandlung einer politischen Lösung müssten allerdings die Waffen schweigen, zumindest müsse ein Waffenstillstand zustande kommen. Kardinal Zenari sagte, am Dienstag sei auch die Nuntiatur in Damaskus unter Mörserbeschuss gewesen, obwohl die syrische Hauptstadt an sich sicherer sei als andere Gebiete des Landes.
Auf die Frage nach der Verantwortung für Khan Shaykhun sagte der Nuntius wörtlich: „Die internationale Gemeinschaft hat die Mittel, um die Verantwortlichkeit festzustellen und die Wahrheit der Tatsachen zu sehen. Sie muss das tun, um diese Gewalt zu stoppen. Die Verantwortlichen müssen gefunden werden, um Rechenschaft zu geben“.

Vorsichtige Skepsis äußerte der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo (und Präsident der syrischen Caritas), Antoine Audo, im Hinblick auf die Verantwortlichkeit. Er stellte am Mittwoch laut katholischer Nachrichtenagentur „Fides“ fest: „Angesichts der unübersichtlichen aktuellen Lage, hinter der sich zahlreiche Interessen und Akteure verbergen, kann man nicht hundertprozentig sicher sein, wie die Dinge wirklich stehen. Auf der Grundlage unserer Erfahrungen wissen wir, dass die syrische Regierung nicht so unbedarft und ignorant ist, solche grundlegenden Fehler zu begehen“.

Bischof Audo stellte fest, dass der syrischen Konflikt vielen rätselhaft und von gegensätzlichen Propaganda-Konzepten verzerrt erscheinen mag: “Bereits in anderen schwierigen Momenten des Kriegs hat sich der Vorwurf des Einsatzes von chemischen Waffen als destabilisierend erwiesen. Vor zwei Tagen hat der US-amerikanische Präsident Donald Trump erklärt, dass er Assad als einen Teil der Lösung des Problems betrachtet. Nun sagt er das Gegenteil. Es gibt Interessen der Regionalmächte, die hier eine Rolle spielen. Dies sollte man stets bedenken, vor allem, wenn sich ähnliche Szenarien wiederholen und zu ähnlichen Reaktionen und Auswirkungen führen wie bei früheren Anlässen”. (ende