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Franz König

Pro Oriente

Patriarch Bartholomaios I. an die verfolgten Christen: „Das Leben ist stärker als der Tod“

Ökumenischer Patriarch bezeichnet das diesjährige gemeinsame Osterdatum aller Christen in einem Interview als „kraftvolles Zeichen“, das an die Verpflichtung zum Einsatz für die Versöhnung der getrennten Kirchen erinnert

Rom-Konstantinopel, 13.04.17 (poi) „Das Leben ist stärker als der Tod und das Licht stärker als die Finsternis“: Diese Botschaft richtet der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. in einem Exklusivinterview mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR an die verfolgten Christen im Nahen Osten „und in anderen Teilen der Welt“. Wörtlich stellt der Patriarch von Konstantinopel fest: „Trotz der Konflikte und Herausforderungen, der Leiden und Kämpfe, deren Zeugen wir sind, können wir in der Nacht der Auferstehung Jesu ausrufen: Christus ist auferstanden! Wir können bekennen, dass diese Nacht – wie es der Heilige Gregor von Nazianz im 4. Jahrhundert ausgedrückt hat – leuchtender ist als jeder Tag“. Christus habe seinen Jüngern zugesagt, dass er sie nicht als Waisen zurücklassen, sondern alle Tage bei ihnen bleiben werde. Das sei auch heute „die einzige Hoffnung und die einzige Quelle des Optimismus“ der Christen.

Jedes Jahr werde zu Ostern nicht nur eines Ereignisses vor 2.000 Jahren gedacht, sondern einer Sache, „die für uns sehr heutig und wirklich ist“, so der Patriarch: „Am Karfreitag schauen wir auf das Kreuz und konzentrieren uns auf all das Böse, die Missbräuche und den Verrat in unserer Welt. Am Karsamstag wenden wir unseren Blick dem leeren Grab zu und spüren einen Vorgeschmack des Lebens und des Friedens wie auch die Feier des Lichtes und der Freude. Wir sind berufen, den Anfang eines neuen Lebens und einer neuen Hoffnung zu betrachten“.

Dass heuer alle Christen am 16. April gemeinsam Ostern feiern, sei ein „kraftvolles Zeichen“, das einerseits an die schmerzliche Trennung der christlichen Kirchen erinnere, andererseits aber auch an die Berufung und Verpflichtung zum Einsatz für die Versöhnung der christlichen Gläubigen, für die Christus in der Nacht des Verrats gebetet habe, dass sie „eins sein mögen“, betonte Bartholomaios I. Wenn die Christen gemeinsam auf die heutigen Herausforderungen antworten und sich den Krisen der Moderne stellen, dann werde ihre Botschaft „kraftvoller und glaubwürdiger“ sein.

Das nächste gemeinsame Osterdatum fällt auf das Jahr 2025 – in diesem Jahr wird auch das 1.700-Jahr-Jubiläum des Konzils von Nicäa (heute: Isnik) begangen, das das erste Ökumenische Konzil der damals noch ungeteilten Christenheit war. (ende)