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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Papst in Ägypten: Einsatz für den Frieden und Kampf gegen den Terrorismus

Nuntius Musaro‘ zu den Erwartungen der katholischen Gemeinschaft des Nil-Landes – Kardinal Koch: „Kircheneinheit im Martyrium“ – A-Azhar-Außenbeauftragter Moussa: „Der Terrorismus hat keine Religion und kein Vaterland“

Kairo, 22.04.17 (poi) Vom Ägypten-Besuch von Papst Franziskus erhofft sich der Apostolische Nuntius in Kairo, Erzbischof Bruno Musaro‘, eine für die ganze nahöstliche Region bedeutsame Vertiefung des interreligiösen Dialogs mit dem Islam und eine Ermutigung der kleinen katholischen Gemeinschaft des Nil-Landes. Der ökumenische und der interreligiöse Dialog hätten in jedem Fall positive Auswirkungen, so der Apostolische Nuntius im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Der Dialog mit der Al-Azhar-Universität sei heuer nach einer mehrjährigen Unterbrechung offiziell wiederaufgenommen worden. Dabei gehe es vor allem um den Einsatz für den Frieden und um den Kampf gegen den Terrorismus.

In seiner bisherigen Tätigkeit in Ägypten habe er das große Engagement der katholischen Kirche des Landes im Bildungsbereich feststellen können, betonte Erzbischof Musaro‘. In Ägypten gebe es rund 170 katholische Schulen; unter den Schülerinnen und Schülern seien sehr viele Muslime. Wegen ihres hohen Niveaus seien diese Schulen auch in der ägyptischen Elite – einschließlich der Politik –überaus beliebt. Bei seinen Besuchen in den katholischen Diözesen und Eparchien habe er aber auch feststellen können, wie sehr sich die katholische Kirche des Landes in pastoraler und sozialer Hinsicht für jene Menschen engagiere, „an die niemand denkt“, unterstrich der Nuntius.
Bei der Begegnung mit Präsident Abd-el-Fattah al-Sisi und den politischen Entscheidungsträgern des Landes werde der Papst zweifellos auch gesellschaftspolitische Themen anschneiden, angefangen von der umfassenden Religionsfreiheit über die Sicherung des gesellschaftlichen Friedens bis zum Einsatz für Gerechtigkeit und Toleranz.

„Schwester der Religion ist Frieden“

Hohe Erwartungen an den Papstbesuch in Ägypten hegt auch Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. Er hofft auf substanzielle Fortschritte im ökumenischen wie im interreligiösen Dialog. Koch wird Franziskus nach Ägypten begleiten. „Ganz sicher wird der Besuch auch in der Begegnung mit den Muslimen weitere Schritte ermöglichen, ich bin zuversichtlich, dass positive Signale kommen werden. Auch in der Hinsicht auf das gemeinsame Bekenntnis, dass die Zwillingsschwester der Religion Frieden und nicht Gewalt ist. Das sind ganz wichtige Zeichen, die von beiden Religionen ausgehen müssen!“, sagte Kardinal Koch bei seinem jüngsten Österreich-Besuch aus Anlass der Feiern zum 90. Geburtstag des emeritierten Papstes Benedikt XVI. in Heiligenkreuz in einem „Kathpress“-Gespräch.

Kardinal Koch erinnerte daran, dass der offizielle Dialog zwischen dem Vatikan und der Al-Azhar-Universität erst vor kurzem wieder aufgenommen wurde. Der Besuch werde auch der weiteren Vertiefung der Freundschaft zwischen Papst Franziskus und dem koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II. dienen: unter ihm erlebe die koptische Kirche eine deutliche ökumenische Öffnung. Wörtlich sagte der Kardinal: „Papst Tawadros ist ein tiefgläubiger Mensch; er hat auch ein offenes Herz für die Ökumene. Ich kann mich erinnern: Er wollte unbedingt, dass sein allererster Auslands-Besuch in Rom beim Papst war! Es ist eine besondere Beziehung da zwischen der koptisch-orthodoxen Kirche und dem Bischof von Rom, und das ist eine sehr positive Entwicklung“.

Ein schwieriges Problem sei nach wie vor, dass die koptisch-orthodoxe Kirche derzeit noch nicht die katholische Taufe anerkennt, weshalb Konvertiten noch einmal getauft werden. Es brauche ein intensives Gespräch, um hier neue Wege finden zu können, betonte Kardinal Koch. Es sei bedauerlich, dass die Kopten – zum Unterschied von anderen orientalisch-orthodoxen Christen - einige Aspekte der katholischen Tauftheologie nicht akzeptieren können.

Positiv bewertete Kardinal Koch das Verhältnis zwischen der koptisch-katholischen und der koptisch-orthodoxen Kirche in Ägypten. Tawadros II. stehe auch für verbesserte Beziehungen zur koptisch-katholischen Kirche. Zum Beispiel habe Tawadros II. persönlich an der Amtseinführung des koptisch-katholischen Patriarchen Ibrahim Isaac Sidrak teilgenommen.

Kardinal Koch sprach darüber hinaus von der bereits bestehenden „Kircheneinheit im Martyrium“ und erinnerte u.a. an jene 21 koptischen Christen, die 2015 von IS-Terroristen in Libyen wegen ihres Glaubens vor laufender Kamera enthauptet wurden. Der Papst sei von der Glaubensstärke und vom Lebenszeugnis dieser Märtyrer zutiefst bewegt, berichtete der Kardinal. Und wenn der Papst in diesem Zusammenhang von der „Ökumene des Blutes“ spreche, dann sei das „die tiefste Form der Einheit, die jetzt schon zwischen den Christen besteht“. So wie man in der antiken Kirche meinte, dass das Blut der Märtyrer der Samen neuer Christen sei, so könne man dies auch heute aus tiefster Überzeugung sagen.

„Extremismus zurückweisen“

„Der Terrorismus hat keine Religion, er hat kein Vaterland“: Dies betonte der Berater des Großimams von Al-Azhar für die Außenbeziehungen, Botschafter Abd-el-Rahman Moussa, im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Moussa unterstrich, dass die Weichen für die internationale Friedenskonferenz an der Al-Azhar – bei der auch Papst Franziskus das Wort ergreifen wird – bei der Begegnung des Großimams mit dem Papst im Vorjahr gestellt wurden. Es gehe darum, „zusammen zu arbeiten, den Terrorismus zu bekämpfen und jede Form des Extremismus zurückzuweisen“. Das sei das Ziel der Konferenz. Al-Azhar habe 200 Persönlichkeiten aus aller Welt – Muslime und Christen - eingeladen.

Al-Azhar habe die jüngsten Terrorakte in Ägypten – die beiden blutigen Anschläge auf koptische Kirchen am Palmsonntag und die Attacke auf das orthodoxe Katharinenkloster auf dem Sinai –scharf verurteilt und dabei hervorgehoben, dass diese Verurteilung allen Attacken auf Christen in Ägypten und in aller Welt gelte, betonte Botschafter Moussa. Im übrigen unterscheide der Terrorismus nicht zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, sein Ziel sei es, die Menschen zu terrorisieren und ein Klima der Instabilität zu schaffen. „Wir möchten dieser Ideologie und diesen Taten entgegenarbeiten, die jede Art von Religion verneinen“, so der Berater des Großimams.

Die Terroristen neigten dazu, Koran-Verse aus dem Zusammenhang zu reißen und sie in verkehrter Weise im Sinn einer „total verfehlten Überzeugung“ zu interpretieren. Al-Azhar bemühe sich seit langem, diesen Fehlentwicklungen entgegenzutreten. Al–Azhar habe derzeit, so Moussa, rund zwei Millionen Teilnehmende an der präuniversitären Ausbildung und 500.000 Studenten, unter ihnen 40.000 aus dem Ausland. Alle diese jungen Menschen würden angeleitet, „recht zu denken“. Dieser Ansatz mache Al-Azhar zum „Zentrum des richtigen Verständnisses des Islam weltweit“. Zugleich bemühe sich Al-Azhar, die Studierenden über alle Strömungen des religiösen und philosophischen Denkens der Menschheit umfassend zu informieren.

Papst Franziskus sei für Al-Azhar „eine der wichtigsten religiösen Führungspersönlichkeiten, die die Welt zum Frieden geleiten können“, sagte er Botschafter. Daher habe sich Al-Azhar entschlossen, die Dialog-Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl wieder aufzunehmen. „Papst Franziskus ist ein Mann des Friedens – und das ist auch unser Ziel“, so Moussa: „Deshalb arbeiten wir mit ihm zusammen und hoffen, dass die internationale Friedenskonferenz ein Licht auf unsere traurige Gegenwart werfen wird, die von Terrorakten in aller Welt betroffen ist“. (ende)