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Franz König

Pro Oriente

Neues Buch von Hans Hollerweger

Gründer der „Initiative Christlicher Orient“ schildert die „Darstellung und Verehrung des Kreuzes Christi im Orient“ – Präsentation mit Bischof Scheuer am 10. Mai

Linz, 02.05.17 (poi) „Baum des Lebens. Darstellung und Verehrung des Kreuzes im Orient“ heißt das neue Buch des Gründers der „Initiative Christlicher Orient“ (ICO), em. Prof. Hans Hollerweger. Das Buch wird am Mittwoch, 10. Mai, um 19.30 Uhr, in der Aula des Bischöflichen Priesterseminars in Linz (4020 Linz, Harrachstraße 7) präsentiert. Diözesanbischof Manfred Scheuer spricht dabei Geleitworte, die Einführung in das Buch hält der Salzburger Ostkirchenexperte (und Vorsitzende der Salzburger „Pro Oriente“-Sektion), Prof. Dietmar Winkler. Erlös und Spenden aus dem Buchverkauf sind für die Christen im Irak bestimmt.

Das Kreuz ist das zentrale Symbol der Christen für den Tod und die Auferstehung Jesu. In den nahöstlichen Krisengebieten (vor allem in Syrien und im Irak) wird es derzeit immer wieder von muslimischen Fundamentalisten geschändet und zerstört. In Prof. Hollerwegers neuem Buch wird die Wertschätzung und Verehrung des Kreuzes bei den orientalischen Christen vorgestellt. Die Kirchen syrischer Tradition im Orient stellen das Kreuz ohne Korpus dar, denn es ist für sie Zeichen der Auferstehung. Durch eine reiche ornamentale Gestaltung wird es zum Baum des Lebens mit Blättern und Früchten.

Der chaldäisch-katholische Patriarch Mar Louis Raphael Sako, der mit dem Linzer Theologen seit langem befreundet ist, stellt zu dem neuen Buch fest: „Prof. Hollerwegers Buch ‚Baum des Lebens - Darstellung und Verehrung des Kreuzes im Orient‘ schließt eine Lücke im Wissen all jener, die nicht vertraut sind mit der Vielfalt der Theologie und Liturgie der Kirche im Nahen Osten ... Mit seiner Fülle an Abbildungen historischer und neuer Kreuze ist Prof. Hollerwegers Buch ein Juwel orientalischer Spiritualität“. Profilierter Kenner des Orients

Prof. Hollerweger ist einer der profiliertesten Kenner des orientalischen Christentums. Der 1930 in St. Georgen im Attergau geborene Theologe studierte in Linz und wurde 1954 zum Priester geweiht. 1972 habilitierte er sich für Liturgiewissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz. Ab 1967 lehrte er als Dozent und ab 1971 als Professor Sakramententheologie und Liturgiewissenschaft an der damaligen Philosophisch-Theologischen Hochschule Linz.

1989 begann Hollerweger mit seinem Einsatz für die bedrängten christlichen Gemeinden in der Südosttürkei ("Tur Abdin"), später hat sich sein Einsatz auf den gesamten Orient ausgeweitet. Sein Credo: "Den Leuten musst du direkt helfen". Hollerweger hat den Tur Abdin - eine der klassischen altchristlichen Landschaften im Vorderen Orient - bekannt gemacht. Die Christen drohten in den Auseinandersetzungen zwischen den kurdischen Kämpfern und dem türkischen Militär zerrieben zu werden. Auch Hollerweger wurde im Tur Abdin regelmäßig von Polizei und türkischem Militär, vom Geheimdienst, kurdischen Dorfwächtern und der Guerillabewegung PKK kontrolliert und verhört. Aus der Beschäftigung des Linzer Theologen mit dem Tur Abdin entstand der Bildband "Lebendiges Kulturerbe Tur Abdin", der als internationales Standardwerk gilt.

"Liturgie und Diakonie gehören zusammen", so Hollerweger. Die Feier der Liturgie sei kein Selbstzweck und dürfe sich nicht in Worten und schönen Feiern erschöpfen. Die Verbindung mit Christus müsse zur Zuwendung zu den Armen und Bedrängten führen. Er habe seine Hilfstätigkeit nie als Gegensatz zu seiner priesterlichen Existenz erlebt, so Hollerweger: "Die Kraft zur Diakonie kommt aus der Liturgie."

Um seine Hilfe für den Tur Abdin auf eine breitere Basis zu stellen, gründete Prof. Hollerweger 1989 die „Initiative Christlicher Orient“. Seit 2009 ist der Verein ein Hilfswerk mit Spendenabsetzbarkeit sowie ein außerordentliches Mitglied der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO). Die ICO pflegt die Beziehung zu katholischen, orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen im Nahen Osten durch Einladungen von Patriarchen, Bischöfen und anderen Verantwortlichen dieser Kirchen nach Österreich und durch Exkursionen zu diesen Kirchen im Orient. Durch ausgedehnte Fördertätigkeit konnte bereits vielen christlichen Gemeinden maßgeblich geholfen werden. In Österreich finden Bildungsveranstaltungen, Vorträge, jährliche Konferenzen mit Experten und von der Krise des Nahen Osten unmittelbar Betroffenen statt. Die ICO unterstützte aber auch die emigrationswilligen syrisch-orthodoxen Christen aus Anatolien materiell und ideell und motivierte immer wieder christliche Flüchtlinge zur Rückkehr in die alte Heimat, wo ihnen auch wirtschaftlich geholfen wurde. In den letzten Jahren hat die ICO vor allem im nördlichen Irak ein umfangreiches Hilfsprogramm für die christlichen Gemeinden entwickelt.

Im September 2014 legte Prof. Hollerweger den Vorsitz der ICO zurück, sein Nachfolger wurde Generaldechant Slawomir Dadas. (ende)