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Franz König

Pro Oriente

Pfingstgebet für Frieden im Abendmahlssaal in Jerusalem

Initiative des Weltkirchenrats, der die Kirchen in aller Welt einlädt, sich solidarisch an diesem Pfingstgebet zu beteiligen

Genf-Jerusalem, 18.05.17 (örkö/poi) Am Pfingstmontag, 5. Juni, findet im Abendmahlssaal (Cenacolo) in Jerusalem auf Initiative des Weltkirchenrats ein Pfingstgebet für den Frieden im Heiligen Land statt. Acht junge Christen aus unterschiedlichen Weltgegenden werden ihr Gebet für den Frieden einbringen. Dem Gebet um 11 Uhr Ortszeit folgt eine Begegnung in der Benediktinerabtei Hagia Maria Sion („Dormitio“), bei der Repräsentanten verschiedener Kirchen ihre Initiativen für den Frieden im Heiligen Land darlegen werden. Das Pfingstmontagereignis in Jerusalem wird über livestream (oikoumene.org/live) weltweit verbreitet werden. Der Weltkirchenrat lädt die Kirchen in aller Welt ein, am Pfingstmontag oder am Abend zuvor ebenfalls in solidarische Weise für den Frieden im Heiligen Land zu beten. Ein eigenes Gottesdienstformular wurde für solche Gebetsgottesdienste entwickelt (https://www.oikoumene.org/en/resources/documents/wcc-programmes/spiritual-life/pentecost-ecumenical-prayer-for-unity-and-just-peace-pentecost-2017). Nach der Tradition ist der Abendmahlssaal auch der Ort des Pfingstereignisses.

Die Genehmigung für christliche Gottesdienste im Abendmahlssaal wird selten erteilt (die Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus, aber auch Kardinal Christoph Schönborn und andere Kardinäle zelebrierten bereits dort). Ursprünglich stand dort eine großartige spätrömische Kirche, deren Ruinen wurden in der Kreuzfahrerzeit durch den Neubau einer Marienkirche ersetzt, von der bei der Zerstörung durch Sultan Saladin nur Teile erhalten blieben. Diese Reste wurden 1336 von den Franziskanern erworben. 1342 ließ die Königin von Neapel darauf ein zweistöckiges Gebäude errichten, das eine Kapelle und den Abendmahlssaal umschloss (eines der Hauptwerke der zypriotischen Gotik). Der osmanische Herrscher Salomon I. der Prächtige vertrieb 1522 die Franziskaner vom Berg Zion. 1524 wurde auf seine Anordnung das Heiligtum in eine dem Propheten David gewidmete Moschee umgewandelt. Ab 1948 war das Gebäude im Eigentum des israelischen Religionsministeriums; fromme Juden verehren den Raum im Untergeschoss als das Grab Davids. Das „Cenacolo“ ist immer wieder Gegenstand von israelisch-vatikanischen Verhandlungen, die bisher aber zu keinem definitiven Ergebnis geführt haben.

Der Gottesdienst am Pfingstmontag steht unter dem Motto „Komm, o Geist des Friedens: Ein globaler Gebetstag für gerechten Frieden im Heiligen Land“. In der Presseaussendung des Weltkirchenrats wird darauf verwiesen, dass es die Hoffnung aller Christen sei, dass der Heilige Geist neue Initiativen für die Suche nach Frieden und Gerechtigkeit im Heiligen Land inspirieren möge.

Der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Pfarrer Olav Fykse Tveit, betont in seinem Aufruf zum Gebet am Pfingstmontag, dass heuer eine besondere Gelegenheit zum Zeugnis für die Einheit der Christen sei, weil die Christen im Osten und Westen Ostern und Pfingsten zum selben Datum feiern. Wörtlich heißt es im Aufruf des Generalsekretärs: „Überall in der Welt betet die Kirche: ‚Komm, Geist des Friedens‘. Wir beten, dass der Heilige Geist die Kirche mit all den Gaben erfüllt, die für uns als Friedensbringer notwendig sind, die wir benötigen, um in unserem Zeugnis für Rechtschaffenheit und die Liebe Gottes prophetisch zu sein“.

Fykse Tveit erinnert daran, dass die Menschen in Jerusalem heute nicht im Frieden leben, obwohl ihre Stadt den Frieden im Namen trägt. Denn zu Pfingsten sei auch der 50. Jahrestag der Okkupation Ostjerusalems und der palästinensischen Gebiete im Zuge des Sechstagekriegs 1967 fällig. Die Okkupation sei nicht beendet. Der Weltkirchenrat sei in vielfältiger Weise aufgerufen, sich für einen „gerechten Frieden für Israel und Palästina“ einzusetzen. (ende)