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Franz König

Pro Oriente

Vor zehn Jahren wurde der Märtyrer-Priester Ragheed Aziz Ganni im Irak ermordet

Der Präfekt der Missionskongregation, Kardinal Fernando Filoni, war damals Nuntius in Bagdad und erinnert heute an das großartige Glaubenszeugnis des jungen Priesters

Vatikanstadt-Bagdad, 02.06.17 (poi) Der Präfekt der vatikanischen Missionskongregation, Kardinal Fernando Filoni, hat an den vor zehn Jahren – am 3. Juni 2007 – von Islamisten ermordeten chaldäisch-katholischen Priester Ragheed Aziz Ganni erinnert. Filoni (der früher Apostolischer Nuntius in Bagdad war) unterstrich das großartige Glaubenszeugnis des jungen Priesters, der mit 35 Jahren in Mosul ermordet wurde. Dieses Glaubenszeugnis müsse stetig im Gedächtnis der Kirche präsent bleiben.

Aus Anlass des 10. Jahrestages der islamistischen Bluttat hat ein Freund und Mitbruder des Märtyrers, P. Rebwar Audisho Basa, mit Hilfe der italienischen Sektion des päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ ein Buch über Ragheed Aziz Ganni veröffentlicht. Im Vorwort schreibt Kardinal Filoni: „Ich habe Ragheed Aziz Ganni im Irak kennengelernt, als ich Nuntius in Bagdad war. Seine Lebhaftigkeit und sein priesterlicher Enthusiasmus trotz der schwierigen Zeiten haben mich tief beeindruckt. Die Menschen im Irak gingen damals nach dem Sturz des Saddam Hussein-Regimes durch die große Bedrängnis: Krieg, Attentate, Raubzüge, Ermordungen, Erpressungen. Die Christen wurden zum bevorzugten Ziel der islamistischen Fanatiker und der Kriminellen“. Filoni erinnert in diesem Zusammenhang an einen weiteren Märtyrer, den chaldäisch-katholischen Erzbischof von Mosul, Boulos Faraj Rahho, der im März 2008 ermordet wurde. Die Märtyrer hätten als „mutige Priester“ gelebt, als treue „Diener Jesu Christi und des Volkes Gottes“. Die Kirche sei überzeugt, dass sie zu jener Schar der Zeugen zählen, von der in der „Offenbarung des Johannes“, dem letzten Buch der Heiligen Schrift die Rede ist.

P. Rebwar Audisho Basa sagte bei der Präsentation seines Buches in Rom, die Kirche in Mesopotamien habe so viele Märtyrer, aber bisher sei noch keiner von der Kirche heilig gesprochen worden. Es wäre höchste Zeit, damit zu beginnen und Ragheed Aziz Ganni heilig zu sprechen. Audisho Basa schilderte, wie Aziz Ganni auf das Verlangen der Mörder, seine Pfarrkirche in Mosul dauernd zu schließen, an jenem 3. Juni 2007 ganz ruhig antwortete: „Ich kann das Haus Gottes nicht zusperren“. Die Terroristen schrien den Priester und die drei Subdiakone in seiner Begleitung an, sie sollten sich zum Islam bekehrten. Die vier wiesen das Ansinnen empört zurück, unmittelbar danach fielen die Schüsse, die dem Leben des Priesters und der Subdiakone ein Ende setzten.

Aziz Ganni stammte aus Karamles in der Ninive-Ebene. 1996 konnte er mit einem Stipendium von „Kirche in Not“ an der römischen Universität „Angelicum“ ökumenische Theologie studieren. Als er sein Studium 2003 abgeschlossen hatte, war im Irak schon der Krieg im Gang, aber Aziz Ganni entschloss sich trotzdem zur Heimkehr. Er bezeichnete es als „schreckliche Erfahrung“, als Priester in einem Land tätig zu sein, „in dem tagtäglich Dutzende Menschen der Gewalt und dem Terrorismus zum Opfer fallen“. Als Sekretär des Erzbischofs von Mosul und Pfarrer der Heiligengeist-Pfarre musste er sich immer wieder mit der Grausamkeit der Islamisten und der systematischen Gewalttätigkeit gegen die Christen auseinandersetzen. 2004 entging er einem Attentat auf das chaldäische Erzbischöfliche Palais in Mosul, im Nachhinein betrachtete er das „nahezu als ein Wunder“. In den folgenden Jahren war der junge Priester immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen der Islamisten.

P. Rebwar Audisho Basa sagte jetzt bei der Buchpräsentation, die Gewalttätigkeit gegen die Christen habe dann mit der Invasion der IS-Terroristen in Mosul und in den Städtchen und Dörfern der Ninive-Ebene im Sommer 2014 einen Höhepunkt erreicht. Jetzt gebe es eine bescheidene Hoffnung auf wahren Frieden. Aber die Voraussetzung dafür sei, dass die Verfassungsbestimmung gestrichen wird, die den Islam als offizielle Religion des Irak bestimmt. Erst wenn die Menschenrechte – angefangen von der Religionsfreiheit – garantiert seien, könnten die Christen – und auch die Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften – ihren Glauben in Würde leben.

Alessandro Monteduro, der Nationaldirektor der italienischen Sektion von „Kirche in Not“, betonte seinerseits bei der Buchpräsentation die zentrale Bedeutung der Religionsfreiheit. Das Heilmittel gegen den „Virus des religiösen Extremismus“ sei die Unterstützung des Rechtes auf Religionsfreiheit. Zugleich müssten die Akteure der internationalen Gemeinschaft ständig an ihre Verpflichtung erinnert werden, sich für die Respektierung der Menschenrechte im Irak einzusetzen.

Der Grabstein des Märtyrer-Priesters Ragheed Aziz Ganni in der Mar Addai-Kirche in Karamles wurde von den IS (Daesh)-Milizionären während ihrer Terrorherrschaft in der Ninive-Ebene zerstückelt. Eine „Kirche in Not“-Delegation bemühte sich bei einem Besuch in Karamles im März, den Grabstein wieder aufzurichten. (ende)