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Franz König

Pro Oriente

Kardinal Schönborn stellt bei seinem Sommerfest die orientalischen Christen in den Mittelpunkt

Bewunderung für die Vitalität der Nahost-Christen „inmitten der Bedrängnis“ - Wiener Erzbischof erinnerte an seine jüngste Vorsprache mit drei orientalischen Patriarchen in Washington

Wien, 01.06.17 (poi) Die Situation der Christen und der Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften im Nahen Osten stellte Kardinal Christoph Schönborn am Mittwoch in den Mittelpunkt seiner Ansprache beim Sommerfest im Wiener Erzbischöflichen Palais. Der Wiener Erzbischof erinnerte an den brutalen Überfall von Terroristen auf koptische Pilgerbusse in Minya in der Vorwoche, bisheriger Endpunkt einer Kette von Terrorakten gegen koptische Christen seit Mitte Dezember des Vorjahrs. Kardinal Schönborn betonte seine Bewunderung für die Kopten, bei seinem Ägypten-Besuch im Herbst des Vorjahrs habe er erleben können, mit welcher Vitalität die koptische Kirche ihren Weg inmitten der Bedrängnis geht. Ähnliches habe er im Vorjahr auch bei den irakischen christlichen Flüchtlingen bei seinem Besuch in Erbil, der Hauptstadt der autonomen kurdischen Region, erlebt. Kardinal Schönborn berichtete kurz von seinem jüngsten Besuch in den USA gemeinsam mit dem chaldäisch-katholischen Patriarchen Mar Louis Raphael Sako, mit dem syrisch-orthodoxen Patriarchen Mar Ignatius Aphrem II. und dem syrisch-katholischen Patriarchen Mar Ignatius Yousef III. Younan. Im Gespräch mit dem US-Vizepräsidenten Michael Pence und anderen Verantwortlichen sei es darum gegangen, die US-amerikanischen Politiker darauf aufmerksam zu machen, dass die Christen – aber etwa auch Jeziden und Aleviten – in den dramatischen Ereignissen des Nahen Ostens besonders leiden. Die Politik müsse erkennen, so Kardinal Schönborn, dass es ihre Aufgabe sei, im Nahen Osten eine Friedenslösung herbeizuführen, die es ermöglicht, dass “die Menschen dort leben können, wo sie ursprünglich zuhause sind“.

Zugleich betonte der Wiener Erzbischof, es müsse alles getan werden, damit „die Kultur des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit in Österreich erhalten bleibt“. Die Situation in Österreich sei davon gekennzeichnet, dass die „Religionsgemeinschaften in außerordentlich guter Weise zusammenleben“. Dieses Zusammenleben sei „rechtlich gut abgesichert“. Es müsse alles getan werden, damit dieser Religionsfriede in Österreich erhalten bleibt. Die Präsenz des Islam in Österreich bewege viele Menschen, stellte der Kardinal fest. Die bewährte gute österreichische Tradition des Miteinanders, des Respekts, der Überzeugung, dass die „heimischen Werte tragfähig sind“, könnten aber „Mut geben, nicht in Panik zu geraten“. Es gelte auch weiterhin, miteinander zu reden und aufeinander zuzugehen – „und all das zu praktizieren und es von den anderen einzufordern“.

Es sei nicht hilfreich, die islamischen Mitbürgerinnen und Mitbürger „auf Kontroversthemen zu fixieren", so der Kardinal. Es müsse auch das viele Gemeinsame im Alltag in den Blick genommen werden. Ein Leben in Vielfalt sei eine Herausforderung an alle, aber möglich. Man dürfe nicht denen in die Hände spielen, „die den Religionsfrieden nicht wollen“.

Abschließend verwies Kardinal Schönborn auf gute, aber unspektakuläre Beispiele, wie die Botschaft des Evangeliums in der Erzdiözese Wien in den Alltag umgesetzt wird. Insbesondere nannte der Wiener Erzbischof das Projekt „LeO“, in dessen Rahmen in den Pfarrgemeinden in Verbindung mit Lebensberatung Nahrungsmittel an Bedürftige abgegeben werden, den Verein „Integrationshilfe“, dessen ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich darum bemühen, Haftentlassenen die Rückkehr in den Alltag zu ermöglichen, die „Elisabeth-Stiftung“, die in den letzten Jahrzehnten tausenden Schwangeren in Not geholfen hat und die neue Initiative „Hands on“ der Katholischen Aktion, in deren Rahmen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund der Einstieg ins Berufsleben erleichtert wird.

Für die musikalische Einstimmung beim Empfang des Kardinals sorgte heuer das Jugend- und Kammerorchester des Vereins "Superar". Hinter dieser Initiative stehen die Wiener Caritas, die Sängerknaben und das Wiener Konzerthaus. "Superar" bietet Kindern aus sozial und ökonomisch schwächeren Verhältnissen eine kostenlose musikalische Förderung. Rund 2.000 "Superar"-Kinder musizieren oder singen bis zu vier mal pro Woche gemeinsam, hieß es dazu von Seiten der Caritas. Musik sei eine universale Sprache und "Superar" könne diese Sprache möglichst vielen jungen Menschen kostenlos zugänglich machen, unabhängig von Herkunft, religiöser Zugehörigkeit, Bildungsstand und Muttersprache. (ende)