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Franz König

Pro Oriente

Tauziehen um die politische Zukunft der Ninive-Ebene wird härter

„Assyrische Demokratische Bewegung“ kündigt Boykott einer hochrangigen Konferenz über die Christen im Irak an, die der schwedische christdemokratische Europaabgeordnete Lars Adaktusson von 28. bis 30. Juni am Sitz des Europäischen Parlaments in Brüssel veranstaltet

Brüssel, 25.06.17 (poi) Eine hochrangige Konferenz über die politische Zukunft der Ninive-Ebene – Heimat einer christlichen Bevölkerung mit 2.000-jähriger Tradition – wird von 28. bis 30. Juni am Brüsseler Sitz des Europäischen Parlaments (EP) stattfinden. Veranstaltet wird die Konferenz vom schwedischen christdemokratischen Europaabgeordneten Lars Adaktusson in Kooperation mit der im niederländischen Amersfoort ansässigen Stiftung „Sallux“. Adaktusson hat immer wieder mit Entschiedenheit die Anliegen der orientalischen Christen auf europäischer Ebene vertreten. Bei der Konferenz über die Ninive-Ebene – „Eine Zukunft für die Christen für den Irak“ - gibt es aber jetzt Probleme. Nach Angaben der assyrischen Nachrichtenagentur AINA haben sowohl die chaldäisch-katholische Kirche als auch die assyrische „Al Nahrain“-Partei und die „Assyrische Demokratische Bewegung“ (ADM), die größte christliche politische Partei im Irak, angekündigt, dass sie die von Adaktusson als „entscheidenden Schritt für das Überleben der Christen“ im Zweistromland angekündigte Konferenz boykottieren werden.

Im Mittelpunkt der scharfen Kritik steht der Entwurf eines „policy documents“, der bei der Konferenz in Brüssel angenommen werden soll. Nach Ansicht der ADM würde dieses Dokument darauf hinauslaufen, die „desaströse Sicherheitssituation“ wiederherzustellen, wie sie vor der Invasion der IS-Terroristen in der Ninive-Ebene bestanden hatte. Damals waren irakische Armee-Einheiten gemeinsam mit den kurdischen „Pesh Merga“ und lokalen Kräften der KDP-Partei des kurdischen Präsidenten Massoud Barzani für die Sicherheit verantwortlich. Generell plädiert die ADM dafür, anstelle des vorbereiteten „policy documents“ auf eine Übereinkunft der christlichen politischen Parteien vom 6. März zurückzugreifen.

Die ADM wendet sich aber auch entschieden dagegen, dass Abstimmungen über die politische Zukunft der Ninive-Ebene und Wahlen stattfinden, bevor die demographische Struktur wieder „ungefähr so hergestellt ist, wie sie zwischen 2005 und 2014 bestanden hat“. Abstimmungen zum jetzigen Zeitpunkt (wie das für 25. September vorgesehene Unabhängigkeitsreferendum in der autonomen kurdischen Region des Irak) würden die Christen zwingen, Entscheidungen in einem Augenblick zu treffen, in dem sie „besonders schwach und verletzlich sind“. Denn die Rekonstruktion der Ninive-Ebene und die Rückkehr der ursprünglichen Bewohner beginnt erst anzulaufen.

Auch an der Vorbereitung und Zusammensetzung der Konferenz wird Kritik geübt. Das Meinungsspektrum innerhalb der Christen sei nicht entsprechend abgebildet, meint die ADM. Lars Adaktusson bedauerte in seinem Antwortschreiben an die ADM den angekündigten Boykott, weil damit bei der Konferenz in Brüssel wichtige Akteure fehlen, war aber nicht bereit, auf die Änderungsvorschläge der ADM einzugehen. (ende)