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Franz König

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Erstmals wurde der Kardinal-König-Förderpreis verliehen

Preisträgerinnen sind fünf junge Theologinnen, die im Rahmen der Wiener Gruppe SIRD (Students for InterReligious Dialogue) die Methode des „Scriptural Reasoning“ anwenden – Preisüberreichung im Kardinal-König-Archiv wurde zu einem kleinen Fest im Sinn der interreligiösen Dialogbemühungen von Kardinal König


Wien, 27.06.17 (poi/kk) Zu einem kleinen Fest im Sinn der interreligiösen Dialogbemühungen von Kardinal Franz König wurde am Montagabend im Wiener Kardinal-König-Archiv die Überreichung des ersten Kardinal-König-Förderpreises für fünf junge Theologinnen, die im Rahmen der Gruppe SIRD (Students for InterReligious Dialogue) der Methode des „Scriptural Reasoning“ (unzureichend übersetzbar mit „schriftgeleitete Reflexion“ im Hinblick auf die Heiligen Schriften) anwenden. Die fünf Theologinnen sind Judith Strauss (Evangelisch-Theologische Fakultät), Helene Wahl (Katholisch-Theologische Fakultät), Sarah Egger (auch Generalsekretärin des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit), Denise Landau (Judaistik), Sarah Abou El-Regal (Islamische Religionspädagogik).

Die Generalsekretärin der „Kardinal König-Stiftung“, Annemarie Fenzl, zitierte zum Auftakt des Festakts ein Wort von Kardinal König aus dem Jahr 1992, das unverändert Gültigkeit hat: „Es gehört wohl zu den weitreichenden, die Menschheit belastenden Missverständnissen, dass die drei monotheistischen Religionen – Judentum, Christentum, Islam – untereinander durch geschichtliche Missverständnisse, Vorurteile, verfeindet, zerstritten und aus verschiedenen geschichtlichen, sachlichen Gründen von einem an der Wurzel sitzenden Misstrauen erfüllt sind. Es ist tragisch und schwer zu begreifen, dass trotz der fundamentalen Einheit des Gottesglaubens diese drei Religionsgemeinschaften innerlich zerfallen und entgegengesetzt sind. Es ist tragisch, dass diese drei ganz klar monotheistischen Religionen, für die es keine Parallele in der Religionsgeschichte gibt, ihre gemeinsame religiöse Basis noch immer nicht sehen. Denn gerade heute sollten sie diese gemeinsam einsetzen, für Völkerverständigung, Gerechtigkeit und Frieden. Und das alles im Namen des einen einzigen Gottes, des Schöpfers des Universums und des Menschen, geschaffen nach Gottes Bild und Gleichnis“.

Die Zuerkennung des erstmal vergebenen Kardinal-König-Förderpreises an die fünf jungen Theologinnen war auf Antrag der Pastoraltheologin Prof. Regina Polak bei der Kuratoriumssitzung der „Kardinal König-Stiftung“ am 30. März erfolgt. Die Stiftung hat eine Neuorientierung durchgeführt, in deren Rahmen drei Aspekte des geistigen Vermächtnisses von Kardinal König in den Mittelpunkt gestellt werden: Tatkräftige Hilfe für verfolgte Christen (die Stiftung hat die „Initialzündung“ für das Projekt des „Österreich-Dorfes“ in der Ninive-Ebene gegeben), Dialog mit der Wissenschaft im Rahmen der „Kardinal König Lectures“ und Förderung des interreligiösen Dialogs.
In ihrem Antrag hatten die Theologinnen es als ihr zentrales Anliegen bezeichnet, anderen im Dialog zu begegnen, in einen theologischen Diskurs zu treten sowie Vorurteile abzubauen, um ein besseres Verständnis der jeweiligen Aussagen über Gott und die Welt zu erlangen. Damit wollen sie einen „Beitrag zu einer toleranteren Gesellschaft“ leisten. Grundlage der Begegnung sei die an der Cambridge University entwickelte Methode des „Scriptural Reasoning“. Das „Scriptural Reasoning“ sei eine Methode, bei der man durch gemeinsames Lesen eines religiösen Textes miteinander ins Gespräch kommt und zentrale Aussagen des Textes reflektiert und diskutiert. Um ein gutes Gesprächsklima zu gewährleisten, sollen die Treffen auf neutralem Boden veranstaltet werden. Die fünf jungen Frauen haben ein gesellschaftspolitisches Ziel: „In Anbetracht der gesellschaftlichen Situation in Österreich sowie Europa, wo ein zunehmend fremdenfeindliches, rassistisches, antisemitisches Klima vorherrscht, wollen wir mit unserer Dialoggruppe ein Zeichen für ein friedvolles Miteinander setzen“.

Die Grüße des Präsidenten der „Kardinal König-Stiftung“, Diözesanbischof Manfred Scheuer (Linz), überbrachte als Vizepräsident Prof. Erich Leitenberger. Er erinnerte daran, dass im Zentrum des „Scriptural Reasoning“ nicht das „Wissen“ über die eigene oder die andere Religion steht, sondern die Begegnung miteinander und mit den religiösen Texten, vor allem den Heiligen Schriften der monotheistischen Religionen. Zwischen den Leserinnen bzw. Lesern und den Texten entstehe ein mehrschichtiges Gespräch, in dem nicht festgefahrene Meinungen zählen, sondern im gemeinsamen Nachdenken neue Bedeutungsfelder erschlossen werden. Die Methode zeige, dass Juden, Christen und Muslime in einer Weise gemeinsam studieren, reflektieren und arbeiten können, die ihre religiöse Integrität nicht beeinträchtigt und auch die Integrität des jeweils anderen respektiert. Das Ziel sei nicht Übereinstimmung, sondern vielmehr Wachstum im wechselseitigen Verständnis der Traditionen und tiefere Erforschung der Texte und ihrer möglichen Interpretationen.

Leitenberger unterstrich, dass das Kuratorium der Stiftung die Zuerkennung des Kardinal-König-Förderpreises auf Empfehlung von Prof. Regina Polak einstimmig beschlossen hatte. Regina Polak führe auch im Kuratorium der Stiftung immer wieder zu der zentralen Frage, wie können Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und Religion in Frieden und Gerechtigkeit zusammenleben? Diese Frage stehe im Fokus ihrer Forschung, die Themen wie Flucht und Migration untersucht – im Dialog mit anderen Religionen. Es sei kein Zufall gewesen sein, dass ihre Antrittsvorlesung am 9. Dezember 2015 den Titel trug: „Gottes letzte Chance? Zusammenleben von Jüdinnen, Christinnen, Musliminnen als interreligiöser Dialog. Praktisch-theologische Perspektiven“. (ende)