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Franz König

Pro Oriente

Kardinal-Erzbischof von Lyon feierte Dankgottesdienst für die Befreiung von Mosul

Die Diözesen Lyon und Mosul sind durch eine Partnerschaft verbunden – Viele vertriebene Christen aus Mosul würden gern in ihre Heimatstadt zurückkehren, aber sie bleiben vorsichtig

Paris-Bagdad, 15.07.17 (poi) Kardinal Philippe Barbarin, Erzbischof von Lyon und Primas von Gallien, hat am Freitagabend in der Kathedrale Saint Jean in der Rhone-Metropole einen Dankgottesdienst für die Befreiung von Mosul aus der Hand der IS-Terroristen gefeiert. Die Erzdiözese Lyon ist mit der chaldäisch-katholischen Erzeparchie Mosul in einer Partnerschaft verbunden. Kardinal Barbarin berichtete, dass er sich sofort nach Bekanntwerden der Nachricht von der endgültigen Vertreibung der IS-Terroristen am 9. Juli mit dem chaldäisch-katholischen Patriarchen Mar Louis Raphael Sako in Verbindung gesetzt habe, dessen Familienhaus ja in Mosul stehe. Er danke Gott für die „Schönheit, die Tiefe und die Fruchtbarkeit“ der Verbindungen zwischen Lyon und den Christen wie auch den anderen Bewohnern von Mosul, sagte Barbarin. Es gebe so viele großherzige Initiativen, Reisen und gegenseitige Besuche, öffentliche Gebete und Fürbitten in der Stille des Gewissens.

Im Hinblick auf den französischen Nationalfeiertag am 14. Juli betonte der Kardinal, auf dem Hintergrund der Nachricht über die Befreiung von Mosul könne man heuer voll Hoffnung auf das übliche Feuerwerk am Fourviere-Hügel schauen: „In aller Finsternis lässt der Herr immer wieder das Licht aufleuchten“.
Patriarch Mar Louis Raphael Sako hatte seinerseits unmittelbar nach dem 9. Juli der Regierung in Bagdad und „allen, die zur Befreiung Mosuls beigetragen haben“, seinen Dank ausgesprochen. “Dieser Sieg ist aber auch der Beweis dafür, dass die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, Einheit erfordern”, hieß es in einer offiziellen Mitteilung des chaldäischen Patriarchats. Im Namen der Kirche sprach Mar Louis Raphael Sako allen zivilen Opfern sein Beileid aus und brachte seine Hoffnung auf eine „Zeit der Versöhnung“ zum Ausdruck, die den Aufbau eines “zivilen, starken und modernen Staates“ ermöglicht.

Der aus Mosul stammende syrisch-katholische Priester Behnam Benoka betonte im Gespräch mit „Radio Vatikan“, viele vertriebene Christen aus Mosul würden gern in ihre Heimatstadt zurückkehren, aber man müsse jetzt „klug handeln und sehr vorsichtig sein“. Der Irak sei zersplittert, das Land müsse wieder geeint werden, es sei zu überlegen, wie bei all den internen Spannungen Frieden aufgebaut werden kann. Mit dem Sieg über den IS und der Befreiung Mosuls werde für die Christen nicht auf einmal alles wieder gut, sagte der Priester. Auch vor dem Einmarsch der Terroristen habe es für die Christen große Probleme gegeben. „Verschiedene“ irakische Regierungen hätten einen langsamen demographischen Wandel zuungunsten der Christen in zuvor christlich geprägten Städten und Dörfern unterstützt. Vielleicht sei der IS einfach nur der letzte Schritt des Leidens der Christen gewesen.

Auf dem Hintergrund der traumatischen Kriegs- und Vertreibungserfahrungen gebe es in Erbil derzeit noch zehntausende von Christen, die abwarten, so der Priester. Außerdem sei es im Zuge der IS-Besatzung immer wieder zu Verrat gekommen, zur Kollaboration ehemaliger Nachbarn mit dem IS gegen Christen. Angst vor dem Nächsten habe sich breit gemacht, Vertrauen sei zerstört worden, was die Rückkehr zu einem normalen Umgang miteinander erschwere. Behnam Benoka: „Das sind sehr schwer zu ertragende Erfahrungen, dass ehemalige muslimische Freunde, mit denen wir gegessen und gefeiert haben, nach unserer Flucht in unsere Häuser gegangen sind und sie sich angeeignet haben“. (ende)