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Franz König

Pro Oriente

Aleppo: Opfer sollen würdig bestattet werden

Bei den Kämpfen wurden auch die christlichen Friedhöfe der nordsyrischen Metropole zerstört – Internationales katholisches Hilfswerk „Kirche in Not“ leistet Hilfe

Damaskus, 25.07.17 (poi) Eine würdige Bestattung der in Aleppo getöteten Christen will das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ ermöglichen. 45.000 Euro würden bereitgestellt, um eine Restaurierung der durch den Krieg zerstörten Grabstätten und die Exhumierung und Wiederbestattung der Opfer zu garantieren. Das geht aus einer Mitteilung der italienischen Sektion des Hilfswerkes hervor. Den Angaben nach handelt es sich bei den insgesamt 2.461 Opfern um Christen verschiedener Konfession, die zwischen April 2013 und Dezember 2016 ums Leben kamen. Die meisten seien derzeit auf einem Regierungsgelände in der Nähe der Universität im Viertel Jabal al-Sayde begraben.

Die christlichen Friedhöfe Aleppos befinden sich überwiegend am nordwestlichen Stadtrand. In dieser Gegend wütete eine monatelange Schlacht zwischen kurdischen Einheiten und Islamisten. „Mehrere Bomben haben auch unsere Friedhöfe getroffen“, berichtet Moses Alkhassi, der Generalvikar der griechisch-orthodoxen Erzeparchie Aleppo. Die Wucht der Detonationen haben viele Särge aus den Grabnischen gerissen. Aber damit nicht genug: „Die Islamisten haben außerdem zahlreiche Gräber geplündert, Türen herausgerissen und Grabsteine geschändet“.

Es gehe aber nicht nur um die gestörte Totenruhe. „Unsere Gemeindemitglieder, die im Krieg getötet und oft nur notdürftig verscharrt wurden, sollen ein würdiges Begräbnis in geweihter Erde bekommen“, so Alkhassi. Ein würdiges Begräbnis für die bisher ermittelten 2.461 christlichen Opfer sei auch von enormer Bedeutung für die Angehörigen. Die Kosten für eine würdige Beerdigung seien aber für viele Christen Aleppos unbezahlbar. „Unsere Leute brauchen nicht nur Hilfe zum Überleben, sie brauchen auch Hilfe zum Trauern“, ist der Generalvikar überzeugt: „Darum sind wir dankbar, dass ,Kirche in Not‘ auch hier hilft. Tote zu begraben, ist ein Werk der Barmherzigkeit. Nur wenn wir unseren Toten den letzten Liebesdienst erweisen können, können die Wunden des Krieges langsam vernarben.“

Bis dorthin sei es aber ein langer Weg, so Alkhassi: „Unsere griechisch-katholische Eparchie hat sehr gelitten: Zahlreiche unserer Kirchen und Gemeindehäuser wurden dem Erdboden gleichgemacht. Sie sind aber wichtige Anlaufstellen nicht nur für den Gottesdienst, sondern auch für die karitative Versorgung der Gemeinden“.
Schlimmer noch habe die Eprachie die Entführung ihres Bischofs getroffen. „Unser Metropolit Boutros Yazigi wurde gleich zu Beginn des Krieges zusammen mit dem syrisch-orthodoxen Metropoliten Mar Gregorios Youhanna Ibrahim verschleppt. Wir wissen noch immer nichts über ihr Schicksal“, betont der Generalvikar.

Die Not des Krieges habe die christlichen Konfessionen Aleppos näher zusammengebracht. Es gibt viele gemeinsame Projekte, zum Beispiel Lebensmittel- und Medikamentenhilfe, Kleiderkammern, Besuchsdienste für alte und kranke Menschen – oder die gemeinsame Sorge um die Toten und den Trost für die Angehörigen. „Wir haben mitten im Krieg das große Wunder der Einheit erlebt“, sagt Alkhassi: „Über unseren Gräbern herrscht Trauer. Aber es keimt auch Hoffnung – auch dank der Hilfe unzähliger Christen weltweit“. (ende)