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Franz König

Pro Oriente

Serbischer Patriarch gedachte der Opfer der kroatischen Militäraktion „Oluja“

Gedenkgottesdienst in Veternik in der Vojvodina zum offiziellen „Tag des Gedenkens“ für die im Jahr 1995 ermordeten 2.000 und die mehr als 200.000 vertriebenen Serben

Belgrad, 06.08.17 (poi) Zum Gedenken an die serbischen Opfer der kroatischen Militäraktion „Oluja“ (Sturm) im August 1995 – 2.000 Ermordete und mehr als 200.000 Vertriebene - fand am 4. August in Veternik in der Vojvodina ein orthodoxer Gottesdienst statt, der von Patriarch Irinej zelebriert wurde. Bei dem Gottesdienst waren mit 30.000 Gläubigen auch der serbische Präsident Aleksandar Vucic, der Präsident der bosnischen Republika Srbska, Milorad Dodik, und die serbische Ministerpräsidentin Ana Brnabic anwesend. Unter den Gläubigen waren viele Vertriebene und Familienangehörige von Ermordeten. Der Bischof von Novi Sad, Irinej (Bulovic), hatte die Teilnehmenden am Gottesdienst zum offiziellen „Tag des Gedenkens“ eingangs begrüßt.

Am 5. August wurden um 11 Uhr in allen serbisch-orthodoxen Kirchen Gedenkgottesdienste für die „Oluja“-Opfer gehalten. Um 12 Uhr läuteten in allen serbischen Gotteshäusern die Glocken zum Gedenken an die 1995 Ermordeten oder Vertriebenen.

Die Operation „Oluja“ war eine militärische Großoffensive, bei der kroatische Armee- und Polizeieinheiten im Sommer 1995 innerhalb von 84 Stunden die Serbische „Krajina“ eroberten, die zuvor rund ein Drittel Kroatiens kontrolliert hatte. Der 5. August wird in Kroatien als „Tag des Sieges“ begangen.

Gedenken auch an die Tragödie von Trnovo

Bereits am 1. August wurde heuer in Bosnien eines besonders eklatanten Falls der Verfolgung der serbischen Bewohner vor 25 Jahren gedacht. In der Georgskirche in Trnovo wurde ein Gottesdienst zum Gedenken an 124 serbische Zivilisten – unter ihnen der serbische Ortspfarrer Nedjelko Popovic – gefeiert, die von verbündeten kroatischen und bosniakisch-muslimischen Einheiten ermordet worden waren.

Das Massaker wurde nach Augenzeugenberichten mit besonderer Grausamkeit verübt. Fast die Hälfte der Ermordeten waren Frauen, unter den ermordeten Kindern war das jüngste Opfer 18 Monate alt. Muslimische Ortsbewohner aus dem nahegelegenen Dorf Dejcici folterten und töteten Pfarrer Popovic, seine Kirche wurde angezündet. In der Umgebung wurden 13 von Serben bewohnte Weiler und Gehöftegruppen niedergebrannt und zerstört.

Der stellvertretende Vorsitzende des „Verbandes der Familien der ermordeten, entführten oder vermissten Personen aus Trnovo“, Goran Timotia, bedauerte, dass bisher keinerlei Schritte unternommen wurden, um die Schuldigen zu bestrafen, obwohl diese wohlbekannt seien. Bereits vor Jahren sei an die Justizbehörden der „Föderation“ appelliert worden, die Täter zur Verantwortung zu ziehen, bisher sei aber nichts geschehen. Viele der betroffenen Angehörigen seien inzwischen verstorben.

Die Gemeinde Trnovo wurde auf Grund der Dayton-Verträge geteilt, der größere Teil gehört zur „Föderation“, der kleinere zur „Republika Srpska“. Vor dem Bürgerkrieg lebten in der Gesamtgemeinde, zu der 63 Weiler gehörten, 6.991 Menschen. 69 Prozent bezeichneten sich als bosniakische Muslime, 30 Prozent als Serben. (ende)