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Franz König

Pro Oriente

Koptischer Papst-Patriarch besuchte Australien und Japan

In Australien betonte Tawadros II. mit Entschiedenheit die Ablehnung einer gleichgeschlechtlichen „Ehe“ durch die koptische Kirche, in Japan verkündete er die Botschaft der Versöhnung auch gegenüber den islamistischen Terroristen

Canberra-Tokio, 06.09.17 (poi) Der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. hat erstmals eine große Pastoralreise in den pazifischen Raum mit Schwerpunkten in Australien und Japan unternommen. In Australien betonte Tawadros II. mit Entschiedenheit die Ablehnung einer gleichgeschlechtlichen „Ehe“ durch die koptische Kirche. In der Heiligen Schrift heiße es, dass Gott den Menschen als „Mann und Frau geschaffen“ hat und dass es daher die Ehe nur “zwischen einem Mann und einer Frau” geben kann, so der koptische Papst-Patriarch im Gespräch mit Journalisten in Sydney. Eine gleichgeschlechtliche „Ehe“ sei „inakzeptabel“ und „Sünde“. In Australien wird derzeit eine heftige öffentliche Debatte mit Blick auf eine Umfrage geführt, bei der sich die Bürgerinnen und Bürger von 12. September bis 7. November zu einer eventuellen Gesetzesänderung äußern können, die künftig gleichgeschlechtliche „Ehen“ ermöglichen würde. Ein entsprechender Fragebogen wird per Post verschickt; der Ausgang ist im Unterschied zu einem Referendum für die Regierung in Canberra nicht bindend.

Während seiner bis 9. September anberaumten Australien-Visite trifft der koptische Papst-Patriarch auch mit dem australischen Ministerpräsidenten Malcolm Turnbull und anderen Politikern zusammen. Bereits bei seinem Eintreffen in Sydney sagte Tawadros II., es sei ihm ein Anliegen, im Gespräch mit Turnbull die multikulturelle Gesellschaft Australiens zu würdigen. Es sei eine wichtige Erfahrung, dass in Australien Menschen mit unterschiedlichem nationalem und kulturellem Hintergrund in „Harmonie und Toleranz“ zusammenleben. Ebenso sei er dankbar für die guten Beziehungen zwischen Canberra und Kairo und die herzliche Aufnahme der koptischen Migranten in Australien, so der Papst-Patriarch. Ein wichtiges Anliegen sei ihm die Übertragung der koptischen Traditionen und christlichen Überzeugungen in das australische Umfeld.

„Wir beten auch für die Täter“

Vor seinem Pastoralbesuch in Australien hatte Tawadros II. Japan besucht, wo er in Kyoto die erste koptische Kathedrale in Japan weihte. Die Kathedrale ist der Gottesmutter und dem Heiligen Markus geweiht. Von dieser Kirche aus werden nicht nur die koptischen, sondern auch die äthiopischen und eritreischen Gläubigen im Großraum Kyoto betreut.

In einem Interview mit dem japanischen Fernsehen betonte der Papst-Patriarch, dass die koptische Kirche nach den Attentaten auf Christen, bei denen es in den vergangenen Monaten in Ägypten zu Blutvergießen kam, für alle gebetet habe, „auch für die Attentäter“. Die koptischen Christen seien überzeugt, dass die Kraft des Gebetes “die Herzen verändern kann”.
Das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in Ägypten sei solide und tief verwurzelt, so Tawadros II. in dem Interview. Mit ihren Anschlägen versuchten die Terroristen diese Verbindung und die Einheit des Landes zu untergraben. In einem solchen Kontext seien auch im islamischen Bereich Imame und Religionsgelehrte notwendig, die sich der ihnen übertragenen Aufgabe würdig zeigen und keine Alibis für religiösen Fanatismus und Intoleranz liefern. (ende)