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Franz König

Pro Oriente

Moskau: Katholisches Gotteshaus wird zurückgegeben

Tauziehen um die Peter-Paul-Kirche wird beendet – Die Fürsprache Kardinal Parolins dürfte den Ausschlag gegeben haben

Moskau, 06.09.17 (poi) Die Moskauer Stadtbehörden streben einen außergerichtlichen Vergleich in der Auseinandersetzung mit der Erzdiözese Moskau über die Rückgabe der katholischen Peter-Paul-Kirche in der Miljutinska-Gasse an, berichten russische Medien. Das 1845 erbaute Gotteshaus – eine der ältesten katholischen Kirchen in Moskau – wurde in den 1920er Jahre von den kommunistischen Behörden geschlossen; nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude einem wissenschaftlichen Forschungsinstitut übereignet. Ab den 1990er Jahren versuchte die katholische Gemeinschaft, das Gotteshaus zurückzuerhalten, blieb aber erfolglos.

Im heurigen Frühjahr wurde der Rechtsanspruch der katholischen Erzdiözese auf die Kirche und die drei Nebengebäude gerichtlich anerkannt. Die Moskauer Stadtbehörden legten aber Berufung ein. Am 14. August teilten dann die Moskauer Stadtbehörden dem Generalsekretär der russischen katholischen Bischofskonferenz, P. Igor Kowalewskij, mit, dass eine “amikale Lösung” möglich sei. Wenige Tage später sah dann wieder alles anders aus.

Dann aber erfolgte der offizielle Besuch des päpstlichen Kardinal-Staatssekretärs Pietro Parolin in Moskau; bei seinen Gesprächen mit offiziellen Vertretern des russischen Staates von Präsident Wladimir Putin abwärts brachte der engste Mitarbeiter des Papstes auch das in nicht wenigen Fällen noch immer verschleppte Problem der Rückgabe katholischer Kirchen und Klöster zur Sprache. Das dürfte jetzt den Ausschlag gegeben haben, dass die Moskauer Stadtbehörden sich – wenn auch in verklausulierter Form – zur zügigen Rückgabe der Peter-Paul-Kirche bereit erklärten.

In den Jahrzehnten der kommunistischen Herrschaft war in Moskau nur eine einzige katholische Kirche “in Betrieb” gewesen: Saint-Louis-des-Francais unweit des Lubjanka-Platzes, wo sich die Zentrale zunächst der Tscheka und dann des KGB befand. Die Pfarre Saint-Louis-des-Francais wurde 1789 begründet, aber durch die Französische Revolution erlosch die Finanzierung der Gemeinde. Erst 1835 konnte das im strengen klassizistischen Stil errichtete Gotteshaus geweiht werden. Nach der Oktoberrevolution gelang es der Gemeinde, ihr Gotteshaus gegen alle Enteignungsversuche der Machthaber zu verteidigen. Dazu mag beigetragen haben, dass Saint-Louis-des-Francais ab 1924 auch als Kirche der in Moskau akkreditierten katholischen Diplomaten galt. 1944 besuchte General Charles de Gaulle die Messfeier in dem Moskauer Gotteshaus, 1964 der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer.

Nach dem Ende des Kommunismus wurde der katholischen Kirche die Marienkirche zurückgegeben, die heute als Kathedrale des katholischen Erzbischofs in Moskau dient. Die durch innerrussische Zuwanderung und die Immigration von Katholiken aus den Nachbarländern Russlands, aber etwa auch aus Afrika und Lateinamerika ständig wachsende katholische Gemeinschaft der russischen Hauptstadt würde aber dringend weitere Gotteshäuser benötigen. (ende)