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Franz König

Pro Oriente

Offizieller theologischer Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche geht weiter

Koordinierungskommission für den Dialog einigte sich auf Leros auf die Erarbeitung eines Dokuments, das einerseits Bilanz über die Arbeit seit 1980 ziehen, andererseits die fundamentalen Probleme für die weiteren Dialog-Etappen benennen soll – Dokument über „Primat und Synodalität im zweiten Jahrtausend und in unserer Zeit“ soll auch die Frage der „unierten Kirchen“ behandeln

Athen, 08.09.17 (poi) Der offizielle theologische Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche geht weiter: Das Koordinierungskomitee der internationalen Kommission für den theologischen Dialog hat sich bei seinem Treffen auf der Dodekanes-Insel Leros darauf geeinigt, ein Dokument zum Thema „Auf dem Weg zur Einheit im Glauben: Theologische und kanonische Fragen“ herauszubringen. Dieses Dokument, das von Mitgliedern der internationalen Kommission erarbeitet werden soll, wird einerseits eine Bilanz der bisher 37 Jahre des offiziellen orthodox-katholischen Dialogs ziehen und andererseits die fundamentalen Probleme benennen, die in den nächsten Etappen des Dialogs behandelt werden müssen. Das Koordinierungskomitee hat es auch für angezeigt erachtet, das Thema „Primat und Synodalität im zweiten Jahrtausend und in unserer Zeit“ zu bearbeiten – als logische Konsequenz des bei der letzten Vollversammlung der internationalen Kommission in Chieti im Vorjahr beschlossenen Dokuments „Synodalität und Primat im ersten Jahrtausend“. In dem neuen Dokument sollen sowohl die Ereignisse behandelt werden, die zum Bruch der Gemeinschaft zwischen orthodoxer und katholischer Kirche im 11. Jahrhundert geführt haben, als auch die Konsequenzen dieses Bruchs für die Christen in Ost und West. Dabei soll der Frage der „unierten Kirchen“ (mit Rom in voller Gemeinschaft stehenden Ostkirchen) besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, die bereits im Rahmen des Dialogs der Jahre 1991 bis 2000 ausführlich diskutiert wurde. Die Repräsentanten der russisch-orthodoxen Kirche und „anderer orthodoxer Kirchen“ hätten auf der Notwendigkeit der Fortführung der Diskussion über dieses Thema bestanden, wie die französische Website „orthodoxie.com“ berichtet.

Zum Abschluss des Treffens auf Leros besuchten die Mitglieder des Koordinierungskomitees die orthodoxe Marienkathedrale in der mittelalterlichen Festung, das Museum über die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs (Leros war – wie der ganze Dodekanes – nach dem italienischen Waffenstillstand mit den Alliierten am 8. September 1943 zunächst von den Briten besetzt worden, die aber in den folgenden Monaten von den Deutschen vertrieben wurden) sowie ein aktuelles Flüchtlingslager. Gastgeber des Koordinierungskomitees war der orthodoxe Metropolit Paisios (Aravantinos) von Leros; die Metropolie gehört direkt zum Jurisdiktionsgebiet des Patriarchats von Konstantinopel und untersteht nicht der Kirche von Griechenland. Die nächste Sitzung des Koordinierungskomitees wird Ende 2018 stattfinden. Das Treffen auf Leros wurde von Kardinal Kurt Koch und Erzbischof Job (Getcha) von Telmessos gemeinsam geleitet. (forts mgl)