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Franz König

Pro Oriente

Vatikanische Ostkirchenkongregation feiert ihr 100-Jahr-Jubiläum

Papst Franziskus empfing am Montag zum Auftakt der Plenarversammlung der Kongregation die Patriarchen und Großerzbischöfe der katholischen Ostkirchen – Auch Kardinal Schönborn ist unter den Teilnehmern der Plenarversammlung – Kardinal Sandri: „Die Ostkirchen sind nicht Museen, sondern lebendige Gemeinschaften“

Vatikanstadt, 09.10.17 (poi) Die vatikanische Ostkirchenkongregation –und das mit ihr verbundene Päpstliche Orientalische Institut – feiern ihr 100-Jahr-Jubiläum. Zum Auftakt der Plenarversammlung der Ostkirchenkongregation empfing Papst Franziskus am Montag, 9. Oktober, die Patriarchen und Großerzbischöfe der katholischen Ostkirchen. Unter den Teilnehmern der Plenarversammlung ist auch Kardinal Christoph Schönborn in seiner Eigenschaft als Mitglied der Ostkirchenkongregation wie auch als Ordinarius für die Katholiken des byzantinischen Ritus in Österreich. Am 12. Oktober, dem letzten Tag der Plenarversammlung, besucht Papst Franziskus das Päpstliche Orientalische Institut. Nach dem Besuch findet eine festliche Eucharistiefeier mit dem Papst und den Mitgliedern der Plenarversammlung der Ostkirchenkongregation in der Basilika Santa Maria Maggiore statt. Im Mittelpunkt der 100-Jahr-Feiern steht einerseits die schwierige Situation der katholischen Ostkirchen in nahöstlichen und osteuropäischen Ländern, andererseits das 25-Jahr-Gedenken des „Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium (CCEO)“, des Gesetzbuches der katholischen Ostkirchen. Auch die Probleme der weltweiten Diaspora der katholischen Ostkirchen sollen behandelt werden. Der Präfekt der Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, wird nicht müde, immer wieder zu betonen, dass die katholischen Ostkirchen „nicht Museen sind, sondern lebendige Gemeinschaften; sie sind nicht Verzierungen nationaler Identitäten, sondern Trägerinnen der ungeheuren Kraft des Evangeliums“.

Bei der Begegnung mit Papst Franziskus am Montag konnte jeder der Patriarchen bzw. Großerzbischöfe in einem Kurzreferat über die Situation seiner jeweiligen Ortskirche berichten; dabei ging es u.a. auch um die von Konflikten gekennzeichnete Lage in den Ländern Syrien, Irak, Ägypten, Türkei, Libanon, Jordanien, Ukraine, Armenien, Äthiopien und Eritrea. Papst Franziskus wollte mit dem Treffen seine besondere Verbundenheit mit den rund 20 bis 25 Millionen Katholiken der katholischen Ostkirchen unter Beweis stellen.

Ein „diakonaler Primat“

Bei der Begegnung sagte Papst Franziskus, er sei „glücklich“, mit den Oberhäuptern der katholischen Ostkirchen zusammenzukommen, um „Freud und Leid der ihnen anvertrauten Gläubigen zu teilen“. Zugleich unterstrich Franziskus seine Auffassung des Papstamtes: „Die Sorge um alle Kirchen zeigt sich auch durch die hierarchische Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom, dem Nachfolger des Heiligen Petrus. Bischof von Rom zu sein ist das Fundament des Petrus-Dienstes, der ein Dienst des Vorsitzes der Liebe und in der Liebe ist“. Er sei überzeugt, so der Papst weiter, dass man „der Verbindung von Kollegialität und Petrus-Primat“ einen Impuls geben müsse, um einen „diakonalen Primat“ auszuüben, den Primat des „Dieners der Diener Gottes“ (servus servorum Dei). Papst Franziskus erinnerte daran, dass es zu den Aufgaben des Petrus-Nachfolgers gehöre, wie bei der Wahl des Apostels Mathias „den in aller Welt zerstreuten Teilkirchen gute Bischöfe zu sichern“. Er bitte die Oberhäupter der katholischen Ostkirchen und deren Synoden, bei diesem so wichtigen Dienst mitzuarbeiten, damit geeignete Kandidaten für diesen Dienst gefunden werden.

Nach diesen einleitenden Bemerkungen bat Papst Franziskus die versammelten Patriarchen und Großerzbischöfe um ihre Fragen.

Gründung durch Benedikt XV.

Die Ostkirchenkongregation wurde am 1. Mai 1917 – mitten im Ersten Weltkrieg, von dem mehrere der katholischen Ostkirchen schwer betroffen waren, vor allem die Kirchen in Österreich-Ungarn und im Osmanischen Reich - von Papst Benedikt XV. begründet. Die heute von dem argentinischen Kurienkardinal Sandri geleitete Kurienbehörde hat den institutionellen Auftrag, die Verbindung mit den katholischen Ostkirchen zu pflegen, um deren Wachstum zu fördern und ihre Rechte zu sichern sowie auch das Erbe der verschiedenen „östlichen“ christlichen Traditionen lebendig zu erhalten.

In Anbetracht ihrer verschiedenen Kompetenzbereiche wird die Behörde unterstützt von einem Kollegium von 50 Konsultoren, die spezielle Gutachten zu bestimmten Fragen erstellen, die von besonderer Bedeutung sind. Die Kongregation koordiniert auch die Tätigkeit der Expertenkommissionen: 1. Die Sonderkommission für die Liturgie, 2. Die Sonderkommission für die Studien des Christlichen Ostens, die Vorschläge für Dokumente und Initiativen untersucht, die dem westlichen Katholizismus Kenntnisse über die katholischen Ostkirchen vermitteln wollen und die Vertiefung des Erbes dieser Kirchen verstärken möchten, 3. Die Kommission für die Ausbildung des Klerus und der Ordensleute der katholischen Ostkirchen.

Die Wirklichkeit der katholischen Ostkirchen ist komplex, auch in Bezug auf ihre geographisch-kulturellen und sozialen Bedingungen, unter denen sie leben. Deshalb ist auch die materielle Hilfe für diese Kirchen eine wichtige Aufgabe der Ostkirchenkongregation. Dieses Engagement der Kongregation ist möglich dank der ihr zu diesem Zweck zur Verfügung gestellten Gelder des Heiligen Stuhls, von internationalen Hilfsorganisationen und von Privatpersonen. Die R.O.A.C.O. (Riunione delle Opere di Aiuto alle Chiese Orientali) ist eine Vereinigung von Hilfswerken aus verschiedenen Ländern, die sich finanziell in unterschiedlichen Sektoren einsetzen: Beim Bau von Kirchen, bei der Bereitstellung von Stipendien, bei der Schaffung schulischer und sozialer Einrichtungen. Der Präfekt der Kongregation ist Präsident der R.O.A.C.O.

Der Informationsdienst S.I.C.O. (Servizio Informazioni Chiese Orientali) ist eine Zeitschrift, in der alljährlich die Verlautbarungen des Papstes veröffentlicht werden, soweit sie die katholischen Ostkirchen betreffen. Der S.I.C.O. bringt auch eine Chronik der Tätigkeiten der Kongregation zugunsten der verschiedenen katholischen Ostkirchen. Er enthält ebenso Nachrichten, die von den Ortskirchen kommen und berichtet über Ernennungen von Hierarchen, über das pastorale und missionarische Wirken der Kirchen, über das Leben der Synoden und ihre Entscheidungen. Hinzu kommen Meldungen über die Aktivitäten auf dem Gebiet der Liturgie, der Studien und der Bildung.

Die Ostkirchenkongregation hat ihren Sitz an der römischen Via della Conciliazione, im sogenannten Palazzo dei Convertendi, der von Bramante an der früheren Piazza S. Giacomo erbaut wurde und in dem Rafael die letzten Jahre seines Lebens von 1517 bis 1520 verbracht hat. Beim Bau der Via della Conciliazione wurde der ursprüngliche Palazzo dei Convertendi 1937 abgerissen und an der neuen Prachtstraße unter Verwendung vieler ursprünglicher Bauteile wiederaufgebaut. In der Kapelle des Palazzo gibt es ein eindrucksvolles Apsis-Fresko im byzantinischen Stil, das der niederländische Benediktinerpater Jerome Leussink von 1940 bis 1943 im Auftrag des späteren Kardinals Eugene Tisserant (damals noch Sekretär der Kongregation) geschaffen hatte.

Das Päpstliche Orientalische Institut wurde am 15. Oktober 1917 begründet. Benedikt XV. verwies im Gründungsdekret darauf, dass dieses Institut für Höhere Studien über ostkirchliche Fragen mit der Aufgabe der Ostkirchenkongregation – „der Wiederbelebung der katholischen Ostkirchen zu dienen“ – zusammengesehen werden muss. 1922 wurde das Institut den Jesuiten anvertraut, 1926 bezog das Institut seinen heutigen Sitz an der Piazza Santa Maria Maggiore. Seit 1993 ist der jeweilige Präfekt der Ostkirchenkongregation zugleich auch Großkanzler des Päpstlichen Orientalischen Instituts.

Bereits im Gründungsdokument „Orientis Catholici“ machte Benedikt XV. deutlich, dass am Päpstlichen Orientalischen Institut auch orthodoxe und orientalisch-orthodoxe Studierende und Wissenschaftler willkommen sind. Ausdrücklich hielt der Papst fest, dass am Institut die Darlegung der katholischen und der orthodoxen Lehre „gemeinsam und im gleichen Ausmaß“ erfolgen solle. Auf diesem Hintergrund ist zu verstehen, dass in den letzten Jahrzehnten so viele prominente Hierarchen und Theologen etwa aus Moskau oder Konstantinopel am Päpstlichen Theologischen Institut studiert haben. (forts)