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Franz König

Pro Oriente

Kommt ein Dialogzentrum in Saudiarabien?

Libanesische Quellen reden von einem „konkreten Ergebnis“ des Besuches des maronitischen Kardinal-Patriarchen Bechara Boutros Rai in Riad – Umfangreiche Berichterstattung über den Besuch in den saudischen Medien

Beirut-Riad, 16.11.17 (poi) Zu den konkreten Ergebnissen des Besuchs des maronitischen Kardinal-Patriarchen Bechara Boutros Rai in Riad könnte der Bau eines „Internationalen Interreligiösen Zentrums“ im saudischen Königreich gehören. Die neue Einrichtung, so libanesische Quellen, soll möglicherweise in der Ruine einer 900 Jahre alten Kirche auf saudischem Territorium untergebracht werden, die nach ihrer Ausgrabung zu diesem Zweck vollständig restauriert würde. Saudiarabien hat die Berichte über den Bau eines interreligiöse Dialogzentrums bisher nicht bestätigt, doch wurde in den saudischen Medien umfassend über den Besuch des maronitischen Patriarchen berichtet und die Bereitschaft des Königreichs zum Dialog hervorgehoben.

Die großen saudischen Zeitungen unterstrichen die „brüderlichen Beziehungen“ zwischen Saudiarabien und dem Libanon und hoben die Bedeutung der Religionen in der Auseinandersetzung mit dem Extremismus hervor, berichtet die katholische Nachrichtenagentur „AsiaNews“. Die Bebilderung der Artikel hatte hohen symbolischen Wert. Am meisten Aufsehen erregte das Foto von Kardinal Rai mit gut sichtbarem Brustkreuz im Gespräch mit König Salman – das Aufsehen war verständlich auf dem Hintergrund, dass jedes an das Christentum erinnernde Element im Königreich Saudiarabien gesetzlich verboten ist. In der saudischen Ausgabe von „Al Hayat“, in „Al Yom“, in „Ash-Sharq al-Awsat“ und in den „Arab News“ prangte das Bild auf der Titelseite. „Al-Riyad“, „Okaz“ und die als „liberal“ geltende „Saudi Gazette“ optierten hingegen für ein Bild vom Händedruck zwischen Kardinal Rai (ohne sichtbares Brustkreuz) und König Salman.

„Okaz“ betonte, dass die Anwesenheit des „Oberhaupts der libanesischen Kirche“ die „brüderlichen Beziehungen“ zwischen Riad und Beirut gestärkt habe. Zugleich wurde nach der amtlichen Sprachregelung die Bedeutung der Religionen bei der Stärkung der Toleranz, der Zurückweisung der Gewalt, des Extremismus und Terrorismus unterstrichen. Der von den saudischen Berichterstattern und Kommentatoren am meisten gebrauchte Begriff war „Toleranz“. Beobachter schließen daraus, dass die saudische Führung diesen Begriff jetzt groß herausbringen und auch das inländische Publikum dafür gewinnen will.

„Ash-Sharq al-Awsat“ und die „Arab News“ behandelten den Besuch des Kardinal-Patriarchen auch im Hinblick auf die umstrittene „Causa Hariri“. Die Zeitung „Ash-Sharq al-Awsat“ titelte „Rai kündigt seine Unterstützung für die Motivationen an, die zum Rücktritt Hariris geführt haben“. Die „Arab News“ konzentrierten sich auf die angeblichen iranischen Drohungen gegen Hariri: „Der Patriarch unterstützt Hariri im Hinblick auf die iranische Einmischung im Libanon“.

Vor dem Riad-Besuch des Kardinal-Patriarchen hatte auch die „Lebanon Dialogue Initiative“ getagt, die mit der Kardinal Rai besonders nahestehenden katholischen „Notre-Dame University of Louaize“ verbunden ist. An der Tagung nahmen religiöse Führungspersönlichkeiten, Regierungsmitglieder und Repräsentanten internationaler Organisationen teil, unter ihnen auch der Generalsekretär des Wiener KAICIID, Faisal bin Muaammar. Der „Lebanon Dialogue Initiative“ geht es darum, den Libanon als „universales Land des Dialogs“ zu etablieren und eine Begegnungsstätte einzurichten, um durch Einsatz für Konfliktreduktion, Versöhnung, soziale Gerechtigkeit und Friedensarbeit einen Beitrag zur Überwindung „lokaler, nationaler und internationaler Auseinandersetzungen“ zu leisten. (forts mgl)

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