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Franz König

Pro Oriente

Bartholomaios I.: Schisma in der Ukraine kann nicht durch Elemente der Politik überwunden werden

Metropolit Antonij, Kanzler der autonomen ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, beim Ökumenischen Patriarchen im Phanar

Konstantinopel-Kiew, 18.12.17 (poi) In die Bemühungen um Überwindung des innerorthodoxen Schismas in der Ukraine kommt Bewegung: Am Sonntag, 17. Dezember, sagte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. bei einer Begegnung mit dem Kanzler der autonomen ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, Metropolit Antonij (Pakanitsch) von Boryspol, das Schisma müsse auf der Grundlage des orthodoxen kanonischen Rechts überwunden werden und nicht „im Hinblick auf politische Elemente“. An dem Gespräch im Phanar nahmen auch Erzbischof Job (Getcha), der Repräsentant des Patriarchats von Konstantinopel beim Weltkirchenrat, Erzpriester Nikolaj Danilewitsch, der stellvertretende Leiter des Außenamts der ukrainisch-orthodoxen Kirche, und der ukrainische Parlamentsabgeordnete Wladimir Nowinskij teil. Metropolit Antonij und Erzpriester Nikolaj gehören dem beim jüngsten Bischofskonzil begründeten Komitee des Moskauer Patriarchats zur Überwindung des ukrainischen Schismas an.

Metropolit Antonij überbrachte dem Ökumenischen Patriarchen die herzlichen Grüße des Kiewer Metropoliten Onufrij (Berezowskij) und betonte, dass die ukrainisch-orthodoxe Kirche bereit sei, „alles nur Denkbare zu tun, um die Spaltung in der ukrainischen Orthodoxie zu überwinden“. Vor der Begegnung mit dem Ökumenischen Patriarchen hatte der Metropolit im konstantinopolitanischen Metochion (Vertretung) des Athos-Klosters Vatopedi die Göttliche Liturgie zelebriert.

Am Freitag, 15. Dezember, hatte in Kiew ein Treffen zwischen dem selbsternannten Kiewer „Patriarchen“ Filaret (Denisenko) und zwei ukrainisch-orthodoxen Bischöfen aus der ukrainischen Emigration in Nordamerika stattgefunden. Erzbischof Daniel (Zelinskyj) und Bischof Ilarion (Rudnyk) stehen beide unter dem „Omophorion“ des Ökumenischen Patriarchen. Offizieller Anlass des Treffens war der Namenstag des „Patriarchen“, im Gespräch seien Fragen „von gegenseitigem Interesse“ diskutiert worden. Nach Kiewer Angaben hätten die beiden Bischöfe mit Filaret konzelebriert, obwohl der „Patriarch“ von der russisch-orthodoxen Kirche exkommuniziert und mit dem Anathema belegt ist. Allerdings hatten die Konstantinopel unterstehenden ukrainischen Bischöfe in Nordamerika den „Patriarchen“ auch bei seiner USA-Reise im Vorjahr überaus freundlich aufgenommen. Die beiden Bischöfe waren auch in die Ukraine gereist, was zu einer Intervention des Heiligen Synods der ukrainisch-orthodoxen Kirche bei Bartholomaios I. führte, weil Zelinskyj und Rudnyk ohne den Segen der Ortskirche nach Kiew gekommen waren.

Beim kürzlichen russisch-orthodoxen Bischofskonzil war ein Brief Filarets verlesen worden, in dem er um Aufhebung der Exkommunikation, Wiederherstellung der eucharistischen Einheit und um Vergebung seiner Sünden gebeten hatte. Allerdings versuchte er tags darauf bei einer Pressekonferenz in Kiew den Inhalt seines Schreibens teilweise wieder zurückzunehmen. Filaret sandte auch an den New Yorker Metropoliten der russischen Auslandskirche (ROCOR), Ilarion (Kapral; er ist auch Vorsitzender des Heiligen Synods der ROCOR), einen Brief, in dem er erklärte, das Moskauer Patriarchat könne das Schisma in der Ukraine heilen, wenn es der orthodoxen Kirche im Land die Autokephalie einräume. Dabei blieb aber unklar, ob damit die Autokephalie für das Kiewer „Patriarchat“ oder für die ukrainisch-orthodoxe Kirche gemeint war. (forts mgl)