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Franz König

Pro Oriente

Christliche Welt trauert mit den Kopten nach dem Doppelattentat von Helouan

Papst-Patriarch Tawadros II.: „Ägypten wird stark bleiben“, Großimam al-Tayyeb: „Terroristen wollen Einheit des Landes zerstören“

Kairo-Vatikanstadt-Genf, 31.12.17 (poi) Die christliche Welt trauert mit der koptischen Kirche, die eine Woche vor dem Weihnachtstermin nach Julianischem Kalender wieder von islamistischen Gewalttaten erschüttert worden ist. Papst Franziskus hat dem koptisch-orthodoxen Patriarchen Tawadros II. sein Mitgefühl im Hinblick auf das Doppelattentat in Helouan – das zum Einzugsbereich von Kairo gehört – übermittelt. Bei dem Doppelattentat – auf eine koptische Kirche und auf das Geschäft eines Christen – waren am Freitag acht koptische Christen und ein muslimischer Polizist getötet worden. Am Sonntag sagte Papst Franziskus beim Angelus-Gebet wörtlich: „Ich drücke meine Nähe zu den koptisch-orthodoxen Glaubensgeschwistern in Ägypten aus, die vor zwei Tagen von zwei Attentaten in der Peripherie von Kairo betroffen worden sind. Möge der Herr die Seelen der Getöteten aufnehmen, die Verwundeten, die Familienangehörigen und die ganze Gemeinschaft stützen und die Herzen der Gewalttäter bekehren“.

Bereits unmittelbar nach dem blutigen Geschehen in Helouan hatte der Apostolische Nuntius in Ägypten, Erzbischof Bruno Musaro‘ sein Mitgefühl zum Ausdruck gebracht. Im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR äußerte Musaro‘ die Vermutung, dass die IS-Terroristen bewusst vor dem Weihnachtsfest nach Julianischem Kalender ihre Präsenz deutlich machen wollten. Nach dem schrecklichen Überfall auf eine Sufi-Moschee im nördlichen Sinai am 24. November habe es zunächst die Vermutung gegeben, dass die Terroristen ihre Strategie geändert hätten und sich statt auf Kirchen auf Moscheen stürzen wollten. Die Vorgänge am Freitag hätten gezeigt, dass das nicht so ist, sagte Musaro‘: „Den Christen in Ägypten bleibt nur, das Geschenk des Friedens von Gott zu erbitten, der Mensch geworden ist, um die Herzen, die Gesellschaft und die ganze Welt zu verwandeln“.

Der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Pfarrer Olav Fykse Tveit, stellte fest, dass in Ägypten neuerlich Menschen, die ihren Alltag lebten, gewalttätige Angriffe erleiden mussten: „Wir müssen zusammenstehen, nicht nur um diese Taten zu verurteilen, sondern auch, um unsere Anstrengungen für gerechten Frieden zu stärken und unsere Entschlossenheit zu dokumentieren, dass wir uns durch die extremistische Gewalttätigkeit nicht entzweien lassen“. Fykse Tveit appellierte an den ägyptischen Präsidenten Abd-el-Fattah al-Sisi, an die religiösen Führungspersönlichkeiten und die Regierungsverantwortlichen der nahöstlichen Region, „rasch zu handeln und die fundamentalen Rechte aller Glaubensgemeinschaften zu verteidigen sowie für Sicherheit angesichts der Gewalttätigkeit zu sorgen und Gerechtigkeit für alle Menschen zu garantieren“. Der Weltkirchenrat und seine Mitgliedskirchen seien in Gebet, Trauer und Hoffnung mit den Opfern der Gewalt verbunden, betonte Fykse Tveit: „Wir beten für die Opfer und ihre Familien, für die Führungspersönlichkeiten der Kirchen und wir hoffen auf Gottes Barmherzigkeit, Liebe und Gnade, damit wir den Pilgerweg für Gerechtigkeit und Frieden weitergehen können“.

Der Moskauer Patriarch Kyrill I. betonte in seinem Kondolenzschreiben an den koptischen Papst-Patriarchen Tawadros II., er sie zutiefst betroffen über die Attacke auf die koptische Kirche Mar Menas in Helouan. Neuerlich sei das „unschuldige Blut koptischer Christen“ vergossen worden. Die „zynische Bosheit“ der vorweihnachtlichen Bluttat rufe nach entschiedener Verurteilung durch die internationale Gemeinschaft und nach dringender Verstärkung der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus. Wörtlich stellte der Patriarch fest: „Chaos und Gewalttätigkeit müssen zu Gunsten des Triumphs von Wahrheit und friedlichem Leben für die kommenden Generationen gestoppt werden“. Das Gebet gelte in dieser traurigen Stunde den Angehörigen der Opfer und den Verletzten.

Papst-Patriarch Tawadros II. selbst stellte in einer Erklärung fest, die Opfer von Helouan seien Märtyrer, der „Verrat ruchloser Menschen“ habe dieses schmerzliche Attentat verursacht. Wörtlich meinte Tawadros II.: „Ägypten wird stark bleiben, das Land ist imstande, die Kräfte der Finsternis und der gewissen- und gefühllosen Gewalttätigkeit zu besiegen. Wir beten für die Märtyrer und für die Verletzten und dafür, dass Gott unser Land und unser Volk beschützt“. Seine Solidarität mit der koptisch-orthodoxen Kirche brachte der Großimam der Al-Azhar-Universität, Ahmad al-Tayyeb, zum Ausdruck. Er verurteile mit Entschiedenheit die terroristischen Akte in Helouan. Die Wiederholung dieser abscheulichen Attacken auf die koptischen Brüder und Schwestern im Zusammenhang mit den christlichen Feiertagen ziele auch darauf ab, den „Geist der Geschwisterlichkeit und Liebe zwischen Muslimen und Christen“ zu zerstören und damit die Einheit Ägyptens in Gefahr zu bringen. Daher appelliere er an die ägyptischen Muslime, diesem „satanischen Plan“ zu widerstehen und die koptischen Brüder und Schwestern bei der Feier der Geburt Christi zu begleiten. Abschließend betonte der Großimam sein aufrichtiges Beileid an die Familienangehörigen der Opfer, er werde im Gebet ihrer gedenken, „damit Gott sie tröstet und die Verwundeten heilt“.

Über den Hergang des Attentats gibt es unterschiedliche Versionen. Vermutlich handelte es sich um zwei Täter, die auf einem Motorrad unterwegs waren. Sie stoppten zunächst vor einem Elektrogeräte-Geschäft und erschossen dort die Söhne des christlichen Eigentümers, die Brüder Roman und Attia Shaker. Dann wandten sie sich gegen die Kirche Mar Menas und versuchten dort, die Sicherheitssperre zu überwinden. Dabei wurde mindesten ein Polizeibeamter getötet, der ihnen entgegengetreten war. Im Kugelhagel der Attentäter starben dann mehrere koptische Gläubige.

Die ägyptischen Sicherheitsbehörden haben inzwischen die Sicherheitsvorkehrungen bei allen christlichen Kirchen und Institutionen im Hinblick auf die Jahresschlussandachten und die koptischen Weihnachtsgottesdienste am 6./7.Jänner drastisch verschärft. Patriarch Tawadros II. wird am Heiligen Abend in Anwesenheit von Präsident al-Sisi in der noch unvollendeten neuen Markuskathedrale in der im Bau befindlichen künftigen Hauptstadt Ägyptens südöstlich von Kairo die Weihnachtsliturgie zelebrieren. (ende)