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Franz König

Pro Oriente

„Der Antisemitismus ist leider nicht tot“

Bischof Spreafico, Vorsitzender der Dialogkommission der Italienischen Bischofskonferenz, bekundet am Vorabend des „Tages des Judentums“ Sorge über das Wiederaufleben rechtsextremer Gruppierungen in Europa – Kirche muss mehr tun, damit die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil entwickelte Lehre über das christlich-jüdische Verhältnis besser verstanden wird

Rom, 16.01.17 (poi) „Der Antisemitismus und das antijüdische Vorurteil, das sich heute bisweilen mit dem Antizionismus verbindet, sind leider nicht tot. Es genügt, daran zu denken, dass der Jüdische Weltkongress im Jahr 2016 im World Wide Web 382.000 antisemitische Postings gezählt hat, alle 83 Sekunden eines“: Dies betonte der Bischof von Frosinone, Ambrogio Spreafico, Vorsitzender der „Kommission für den Ökumenismus und den interreligiösen Dialog“ der Italienischen Bischofskonferenz (CEI), im Hinblick auf den „Tag des Judentums“ am 17. Jänner, der heuer in Italien schon zum 29. Mal begangen wird. Bischof Spreafico, der am Dienstag an der Theologischen Fakultät der Emilia-Romagna in Bologna gemeinsam mit Rav Alfonso Arbib, dem Vorsitzenden der italienischen Rabbinerkonferenz, über den „Tag des Judentums“ referierte, sagte im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR, er teile mit den jüdischen Gemeinden die Sorge, dass Ideologien zurückkehren, die schon „ad acta gelegt“ schienen. Auch die katholische Kirche dürfe da in der Wachsamkeit nicht nachlassen. Wörtlich sagte der Bischof: „Das Wiederaufleben rechtsextremer Gruppierungen nährt sich auch aus dem Antisemitismus und der antisemitischen Propaganda. Daher sind Initiativen wie der ‚Tag des Judentums‘, an dem sich die Kirchen ihrer jüdischen Wurzeln erinnern, notwendiger denn je. Wir müssen nachdenken, unseren katholischen Gemeinden helfen, die Lehre, wie sie sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entwickelt hat, nicht nur als eine fundamentale Errungenschaft für unser Verhältnis zum Judentum zu verstehen, sondern auch für das Verständnis unseres Glaubens an Jesus von Nazareth, der in jeder Hinsicht Jude war“.

Seine Hoffnung sei, dass alle, die Theologen, die Religionslehrer, die Priester, die einzelnen Gläubigen ein tieferes Verständnis dessen erwerben, was die katholische Kirche in den letzten 50 Jahren gelehrt hat, unterstrich der Bischof von Frosinone. Denn ohne gegenseitige Kenntnis könne es keinen Dialog geben und ohne Dialog werde das Zusammenleben „schwierig, wenn nicht unmöglich“. Nur der Dialog sei der „Weg des Friedens“. (ende)

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