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Franz König

Pro Oriente

Salzburg: Syrisch-orthodoxer Patriarch begrüßt Schritt zur Einheit der Kirchen

Symposion über den Patriarchen von Antiochien, Mor Severus den Großen, als Anwalt für die Wiederherstellung der Kircheneinheit – 1.500-Jahr-Gedenken der Exilierung des Patriarchen

Salzburg, 08.02.18 (poi) „Diese Konferenz ist ein weiterer Schritt zur Einheit unserer Kirchen“, sagte der syrisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien, Mor Ignatius Aphrem II., am Mittwoch in Salzburg beim Symposion „Severus von Antiochien und sein Streben nach Einheit der Kirche“. Anlass des Symposions war das 1.500-Jahr-Gedenken an das Exil des Patriarchen im Jahr 518. Expertinnen und Experten aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Israel, den USA und anderen Nationen waren beteiligt. Der Patriarch kündigte weitere Konferenzen an. Erzbischof Franz Lackner betonte die Bedeutung des Syrischen Instituts in Salzburg für die Wiedervereinigung der Kirchen. „Wir denken heute aber auch an alle Opfer von Krieg und Gewalt in Syrien“, sagte der Erzbischof. Das Blut der Märtyrer könne der Same für die Einheit der Christen sein.

Das Symposion wurde vom Syrischen Institut an der Katholisch-Theologischen Fakultät veranstaltet, an der − europaweit einzigartig − seit 2015 ein Universitätslehrgang für Syrische Theologie angeboten wird. Der Leiter des Lehrgangs, Prof. Aho Shemunkasho, verwies darauf, dass Patriarch Mor Ignatius Aphrem II. der aktuelle Nachfolger von Patriarch Severus ist (seit der Zeit von Mor Severus besteht die ununterbrochene Kette der syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien) . Prof. Dietmar W. Winkler, Vorsitzender der „Pro Oriente“-Sektion Salzburg, betonte, dass es mit kaum einer anderen Kirche so enge Beziehungen gebe wie mit der syrisch-orthodoxen Kirche: „Die westliche Philosophie und Theologie sollte sich mehr auf ihre orientalischen Ursprünge besinnen“.

Auch in der Grußbotschaft des koptischen Papst-Patriarchen Tawadros II. wurde auf das Wirken von Mor Severus dem Großen als Mönch und Einheitsstifter hingewiesen. In der Tradition von Severus bemühe man sich auch von Salzburg aus um ökumenische Beziehungen, sagte Mor Polycarpus Augin Aydin (syrisch-orthodoxer Patriarchalvikar der Niederlande) als Präsident des Syrisch-Theologischen Seminars Salzburg. „Für syrische und westliche Christen ist es wichtig, solidarisch zu sein“, betonte er.

Hirtenbrief von Mor Ignatius Aphrem II.

Patriarch Mor Ignatius Aphrem II. hatte in einem eigenen Hirtenbrief an die Gestalt von Severus dem Großen erinnert, mit dem die Linie der syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien beginnt. Der Weg von Severus dem Großen war durch die dramatischen, vielfach politisch befeuerten Auseinandersetzungen zwischen bischöflichen und theologischen Anhängern und Gegnern der christologischen Formulierungen des Konzils von Chalcedon (451 n.Chr.) geprägt, was aber im Hirtenbrief nicht ausdrücklich erwähnt wird. Wohl wird daran erinnert, dass Severus, der aus der anatolischen Provinz Pisidien stammte, an der berühmten römischen Juristen-Hochschule in Beirut studierte und erst mit 28 getauft wurde, die monastische Lebensform in Palästina wählte und Bücher zur „Verteidigung des orthodoxen Glaubens“ (d.h. gegen die chalcedonensischen Formulierungen) schrieb. Im Jahr 512 sei Severus zum Patriarchen von Antiochien gewählt worden, nach der Machtergreifung von Kaiser Justin I. sei er aber im Jahr 518 zum Exil in Ägypten gezwungen worden. Er habe aber von dort aus weiter die Kirche von Antiochien geleitet. Auf Einladung und Verlangen von Kaiser Justinian habe der Patriarch ab dem Jahr 535 an einer Wiedervereinigungs-Tagung in Konstantinopel teilgenommen. Er sei dort eineinhalb Jahre geblieben. Als er erkannte, dass es sich um eine „Zeitvergeudung“ handelte, sei er mit Hilfe von Kaiserin Theodora nach Ägypten zurückgekehrt, wo er am 8. Februar 538 starb.

Wörtlich heißt es im Hirtenbrief von Mor Ignatius Aphrem II. weiter: „Wir gedenken des entschlossenen orthodoxen Glaubens von Patriarch Mor Severus dem Großen – der Krone des syrischen Volkes – und seiner Weisheit in der Verwaltung der Kirche von Antiochien, während er im Exil war. Indem wir uns an die Leiden von Mor Severus im ägyptischen Exil erinnern, kommt uns die Situation unseres leidenden Volks im Nahen Osten verstärkt zu Bewusstsein. Christen des Nahen Ostens sind heute Flüchtlinge in verschiedenen Teilen der Welt, weil ihr Leben bedroht war und weil sie in vielen Fällen zwischen der Verleugnung des Glaubens und dem Martyrium zu wählen hatten“. Mor Severus habe einmal an die syrischen Bischöfe geschrieben: „Wenn ihr verfolgt werdet, predigt ihr das Evangelium laut“. Auch die heutigen Christen im Nahen Osten hätten die Hoffnung, dass die Bedrohungen „ihre Präsenz und ihr Zeugnis im Land der Vorväter“ stärken werden.

In dem Hirtenbrief nimmt der syrisch-orthodoxe Patriarch ausdrücklich auf das Symposion in Salzburg Bezug, mit dem der Reigen der Veranstaltungen zum 1.500-Jahr-Gedenken der Exilierung von Mor Severus dem Großen eröffnet wurde. Ein großes Symposion wird am 26./27. Mai in der patriarchalen Residenz im libanesischen Atchaneh stattfinden. Im Oktober organisiert die syrisch-orthodoxe Kirche in Deutschland in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg eine weitere Konferenz. In Atchaneh ist eine Kirche im Bau, die Mor Severus dem Großen geweiht sein wird; es gibt auch mehrere Buchprojekte „über das Leben und die Werke dieses großen Heiligen“.

Patriarch gratulierte zum 80. Geburtstag von Prof. Brock

Zu einem bewegenden Höhepunkt des Symposions wurde die herzliche Gratulation von Mor Ignatius Aphrem II. zum 80. Geburtstag von Prof. Sebastian Brock, dem in Oxford lebenden (und Jahrzehnte hindurch dort lehrenden) wissenschaftlichen Erforscher der Geisteswelt des syrischen Christentums. Der wissenschaftlichen Arbeit von Prof. Brock ist es mit zu verdanken, dass heute die syrische Tradition des Christentums gleichbedeutend auf einer Ebene mit der griechischen und der lateinischen Tradition gesehen wird. In mehr als 40 Büchern hat Prof. Brock den Zugang zu den Werken der großen Gestalten des Christentums der syrischen Tradition – wie dem Heiligen Ephrem oder dem Heiligen Isaak von Ninive – erschlossen. Etliche dieser Bücher sind auch in arabischer und persischer Übersetzung erschienen und tragen damit dazu bei, die syrische Tradition in ihren nahöstlichen Ursprungsgebieten präsent zu halten. In der 1993 im „Peeters“-Verlag in Löwen erschienenen Festschrift „Sebastian Paul Brock: Life and Work“ hielt Shafiq Abou Zayd fest, wie viel das syrische Erbe dem Oxforder Wissenschaftler verdankt. Wie das alte Sprichwort sage, dass „alle Wege nach Rom führen“, könne man feststellen, dass alle Aspekte der Studien der syrischen Tradition auf die eine oder andere Weise auf Sebastian Brock verweisen. Sein umfangreiches Werk über die syrische Tradition und verwandte Gebiete sei „einmalig in der Gegenwart“.

Der britische Gelehrte hat aber nicht nur der wissenschaftlichen Welt den Zugang zu den Zeugnissen des Christentums der syrischen Tradition erschlossen, sondern seine Erkenntnisse auch für die spirituell interessierten Christen von heute nutzbar gemacht, etwa in dem 1988 erschienenen Buch „The Syriac Fathers on Prayer and the Spiritual Life“.

Theologe des „Goldenen Zeitalters“

Patriarch Severus von Antiochien war einer der bedeutendsten Theologen des Goldenen Zeitalters der syrischen Kirche und setzte sich für die Einheit der Kirche ein, die in seiner Zeit von den Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern der christologischen Formulierungen von Chalcedon zerrissen wurde. Ziel des Salzburger Symposions war es, die bedeutende Rolle Mor Severus des Großen in der Kirchengeschichte zu beleuchten, seine theologischen und historischen Texte darzustellen und einige Aspekte seines „unermüdlichen Einsatzes für die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit“ herauszuarbeiten.

Beim Symposion stellte u.a. Prof. Dietmar W. Winkler die Gestalt von Mor Severus dem Großen im historischen Kontext dar, Prof. Sebastian P. Brock berichtete über ein an der Harvard-Universität aufbewahrtes wichtiges Manuskript der Werke des Patriarchen. Prof. Theresia Hainthaler (Frankfurt) behandelte den Beitrag von Mor Severus dem Großen zur „Christologie von Antiochien“. Yonathan Moss (Jerusalem) schilderte die Haltung des Patriarchen von Antiochien gegenüber den Frauen. Mit der Rezeption der Werke von Mor Severus in der koptischen Tradition befasste sich Youhanna N. Youssef (Melbourne). Prof. Herman Teule (Löwen) analysierte das Nachwirken von Mor Severus dem Großen in der Zeit der syrischen Renaissance. Die Liturgie in der Zeit von Mor Severus stellte Ephrem Aboud Ishac (Bologna/Graz) dar. (ende)