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Franz König

Pro Oriente

Syrien: Telefonat zwischen Patriarch Kyrill und Papst Franziskus

Der Moskauer Patriarch nahm auch Kontakt mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und den orthodoxen Patriarchen von Antiochien, Alexandrien und Jerusalem auf – Trauer, dass die Zuspitzung der Situation in Syrien mit dem 55. Jahrestag der Veröffentlichung von “Pacem in terris”, der großen Friedensenzyklika von Johannes XXIII., zusammenfällt

Vatikanstadt-Moskau-Damaskus, 15.04.18 (poi) Nach den US-amerikanischen, britischen und französischen Luftangriffen auf syrische Ziele hat der Moskauer Patriarch Kyrill I. telefonischen Kontakt mit Papst Franziskus, dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. sowie den orthodoxen Patriarchen von Antiochien, Alexandrien und Jerusalem aufgenommen. Er habe diese Initiative gesetzt, weil die Christen bei dem, was in Syrien geschieht, nicht beiseite stehen können, betonte Kyrill I. Das Christentum sei im Nahen Osten entstanden, Konflikte in diesem Raum stellten immer auch eine Bedrohung für die christliche Präsenz dar. Im Telefonat mit Papst Franziskus sei die gemeinsame Sorge über die Situation in Syrien im Mittelpunkt gestanden, man habe darüber gesprochen, wie die Christen die Situation so beeinflussen können, “dass die Gewalt aufhört, der Krieg stoppt und es nicht mehr so schreckliche Opfer gibt”. Wie der Pressesprecher des Patriarchen, Aleksander Wolkow, vor Journalisten ergänzend mitteilte, sei das Telefonat zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill in einem “guten Klima des gegenseitigen Verständnisses” verlaufen, es sei vereinbart worden, die Kontakte im Hinblick auf Syrien fortzusetzen.

Patriarch Kyrill betonte, er sei “zufrieden” über die Gespräche mit dem Papst und den anderen Patriarchen. Jeder der Gesprächspartner habe seiner Sorge volles Verständnis entgegengebracht. Es gebe den Wunsch, die Konsultationen fortzusetzen, um zu versuchen, die Situation zu beeinflussen. Die Kirche müsse im Weltmaßstab ihre Rolle wahrnehmen, Frieden und Gerechtigkeit zwischen den Völkern zu verkünden. Weil die Kirche außerhalb jeder politischen Verflechtung und des politischen Kampfes stehe, könne sie mit allen sprechen.

Der Apostolische Nuntius in Damaskus, Kardinal Mario Zenari, hatte im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR bereits am Mittwoch die Situation um Syrien nach den jüngsten Entwicklungen seit dem umstrittenen Giftgaseinsatz gegen islamistische “Jaysh-al-Islam”-Milizen im Damaszener Vorort Douma als “überaus delikat” bezeichnet. Der Nuntius bedauerte die Uneinigkeit im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und erinnerte daran, dass all dies ausgerechnet zum 55. Jahrestag von “Pacem in terris”, der großen Friedensenzyklika von Papst Johannes XXIII., geschehe. Der Präsident von “Pax Christi”-Italien, Erzbischof Giovanni Ricchiuti, sagte zu diesem 55. Jahrestag, er habe den Eindruck, der Begriff Friede sei aus den Unterlagen der Führungspersönlichkeiten der Weltmächte verschwunden. Es gebe eine “Logik”, die sich hartnäckig dem Weg des Dialogs und der Verhandlung verweigere, wie ihn Papst Franziskus immer wieder einfordere. Gegen diese Entwicklung seien Worte und Stellungnahmen nicht ausreichend, zumal wieder von der Unterscheidung von “gerechtem Krieg” und “ungerechtem Krieg” die Rede sei. “Aber der Krieg ist immer Wahnsinn”, so der Erzbischof wörtlich.

Erklärung der drei Patriarchen von Antiochien

Die drei in Damaskus residierenden Patriarchen von Antiochien –Youhanna X. (orthodox), Mor Ignatius Aphrem II. (syrisch-orthodox) und Joseph Absi (melkitisch griechisch-katholisch) – haben noch am Samstag die “brutale Aggression der USA, Frankreichs und Großbritanniens gegen unsere geliebte Heimat” in scharfen Worten verurteilt. Die Patriarchen bezeichnen das Vorgehen der drei Westmächte als “klare Verletzung des internationalen Rechts und der Charta der Vereinten Nationen”. Es sei schmerzlich, dass dieser Angriff von machtvollen Staaten gekommen sei, denen Syrien in keiner Weise etwas zuleide getan habe. Die Unterstellungen der USA und anderer Staaten, dass die syrische Armee Giftgaswaffen einsetze und dass Syrien ein Land sei, das solche Waffen besitze und benütze, seien ungerechtfertigt und könnten sich nicht auf “ausreichende und klare” Beweise stützen. Dass die ungerechtfertigte Aggression gegen Syrien genau zu dem Zeitpunkt erfolgt sei, als die unabhängige internationale Untersuchungskommission in Douma mit der Arbeit beginnen sollte, unterminiere diese Arbeit. Die brutale Aggression der drei Westmächte zerstöre die Chancen für eine friedliche politische Lösung und führe zu Eskalation und weiteren Komplikationen. Der ungerechte Angriff ermutige zudem die “terroristischen Organisationen”.

In der Erklärung appellieren die Patriarchen an die Kirchen in den an der Aggression beteiligten Staaten, ihre christliche Pflicht gemäß der Lehre des Evangeliums zu erfüllen und die Aggression zu verurteilen sowie die Regierenden zur Bewahrung des internationalen Friedens aufzurufen. Ausdrücklich danken die Patriarchen der syrischen Armee und versichern ihr Gebet für “die Seelen der Märtyrer und die Genesung der Verwundeten”. Die Armee werde sich nicht vor den “externen und internen terroristischen Aggressionen” beugen und mutig weiterkämpfen, “bis jeder Quadratzentimeter syrischen Bodens vom Terrorismus gereinigt ist”.

Abschließend heißt es in dem Text: “Wir beten für die Sicherheit, den Sieg und die Befreiung Syriens von allen Arten des Krieges und des Terrorismus. Wir beten für Frieden in Syrien und in der ganzen Welt und rufen zur Intensivierung der Bemühungen um nationale Versöhnung auf, um das Land zu schützen und die Würde aller Syrer zu bewahren”.

Kritische Stimmen der Christen Syriens

Patriarch Youhanna X. hatte bereits am Donnerstag im offiziellen Facebook-Auftritt des Patriarchats von Antiochien auf die Tweets von Präsident Trump reagiert, in denen dieser Vergeltung für den umstrittenen Chemiewaffeneinsatz in Douma ankündigte. Wörtlich schrieb der Patriarch: „Wir verurteilen jüngste öffentliche US-amerikanische Stellungnahmen und Drohungen gegen Syrien, die auf bloßen Behauptungen über den Einsatz von verbotenen Waffen beruhen. Wir bedauern jede mögliche amerikanische Aggression gegen unser Volk, die weitere Verwüstungen des Landes und der Region verursachen wird“.

Nach den Attacken äußerte sich der Apostolische Administrator für die Katholiken des lateinischen Ritus in Aleppo, Bischof Georges Abou Khazen, überaus kritisch: „Mit diesen Raketen haben die Westmächte die Maske fallen gelassen. Jetzt kämpfen die Hauptakteure. Vorher war es ein Stellvertreterkrieg“. Nach sieben Jahren Krieg seien die Nebendarsteller am Ende, jetzt hätten die Hauptdarsteller die Bühne betreten. Wörtlich fügte der Bischof hinzu: „Die Inspektoren der Internationalen Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) wurden erwartet, um den angeblichen Gasangriff in Douma zu untersuchen, gekommen sind die Raketen. Danach ist jetzt alles viel schwieriger. Jeder Friedensappell geht ins Leere, nur Papst Franziskus – und wir mit ihm – hofft weiterhin auf Frieden“.

Das Leid der Bevölkerung, die Frieden will und stattdessen Bomben und Raketen bekommt, wachse immer mehr. Die Menschen in Syrien hätten ein Szenario wie das von Douma und den nachfolgenden westlichen Angriffen befürchtet und leider sei diese Befürchtung eingetroffen. Jetzt bleibe nur die Hoffnung, dass es nicht noch weitere Angriffe gibt, das wäre sehr gefährlich, die Sache könnte für alle Beteiligten aus dem Ruder laufen. Man müsse „ohne Lügen und Manöver“ eine von allen getragene Lösung für den Syrien-Konflikt suchen. Für die Christen bleibe nur das Gebet, so der Bischof: „Wir tragen das Bild Jesu im Herzen, der zu den verängstigten Aposteln auf dem Boot im Sturm auf dem See Genesareth sagt: Fürchtet euch nicht! Das ist unsere Hoffnung und unsere Stärke“.

Der Guardian des Franziskanerklosters Pauli Bekehrung in Damaskus, P. Bahjat Elia Karakach, berichtete im Gespräch mit SIR, er sei am Samstag um 4 Uhr morgens durch das Geräusch der Raketen und die anschließenden Explosionen geweckt worden. Im Stadtzentrum sei alles ruhig geblieben, aber die Menschen seien voll Sorge im Hinblick auf die Zukunft: „Unsere Leute wollen einfach in Frieden leben ohne die ständige Bedrohung durch Bomben“. Der Franziskanerpater sagte, mit vielen anderen Bewohnern von Damaskus habe er gehofft, dass nach dem umstrittenen Giftgaseinsatz in Douma eine objektive Untersuchung über den Gebrauch verbotener Waffen erfolgen werde und deshalb keine Raketenangriffe der Westmächte erfolgen. Aber es gebe die Befürchtung, dass sich das wiederholt, was sich 2003 beim Einmarsch der Amerikaner und Briten im Irak ereignete, als von den „Massenvernichtungswaffen“ des Saddam Hussein-Regimes die Rede war, die aber gar nicht existierten. Trauriges Fazit des Guardians: „Wir fürchten, dass diese Leute Syrien vernichten wollen. Dieses Projekt wird jetzt mit Bomben und Granaten vorangetrieben. Uns bleibt nichts anderes, als mehr denn je um Frieden zu beten“. (ende)

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