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Franz König

Pro Oriente

Kardinal Schönborn ernannte Wilhelm Kraetschmer zum neuen Kurator des Österreichischen Hospizes in Jerusalem

Zusätzliche Aufgabe für den Leitenden Komtur der Wiener Komturei des Ritterordens vom Heiligen Grab

Wien-Jerusalem, 14.05.18 (poi) Kardinal Christoph Schönborn hat Wilhelm Kraetschmer – der u.a. auch Leitender Komtur der Wiener Komturei des Ritterordens vom Heiligen Grab ist – zum Kurator des Österreichischen Hospizes zur Heiligen Familie in Jerusalem ernannt. Kraetschmer sagte am Montag im Gespräch mit dem „Pro Oriente-Informationsdienst“, er freue sich über diese zusätzliche neue Aufgabe, die ganz mit den Zielen des Grabesritterordens übereinstimme, der sich in besonderer Weise um die Wahrung des lebendigen Erbes der christlichen Tradition im Heiligen Land in respektvollem Dialog mit Juden und Muslimen annimmt.
Das Österreichische Pilgerhospiz zur Heiligen Familie in Jerusalem – als dessen Protektor der jeweilige Erzbischof von Wien fungiert - ist Pilgerhaus der katholischen Kirche Österreichs in der Altstadt Jerusalems. Es befindet sich an der Ecke Via Dolorosa und Sharia El-Wad in der Altstadt, an der 3. Station des Kreuzweges. Rektor des Hospizes ist seit 2004 der burgenländische Priester Markus Stefan Bugnyar. Das 1856 gegründete und 1863 eröffnete Hospiz ist das älteste nationale Pilgerhaus im Heiligen Land.

1852 hatte der österreichische Vizekonsul Giuseppe Pizzamano vorgeschlagen, in Jerusalem ein Pilgerspital mit zugehöriger Kirche zu bauen, um den Einfluss Österreichs als Schutzmacht der Christen im Nahen Osten zu festigen. Der damalige Wiener Erzbischof, Kardinal Othmar Rauscher, griff die Idee Pizzamanos auf. Schon 1854 wurde der Baugrund erworben. Die Finanzierung des Bauvorhabens erfolgte über die Karfreitagskollekte und Privatspenden. Die offizielle Eröffnung des Pilgerhaues erfolgte am 19. März 1863.

Im November 1869 besuchte Kaiser Franz Joseph I. (nach seiner Reise zur Eröffnung des Suez-Kanals) als Pilger Jerusalem und war im Österreichischen Hospiz zu Gast. Im 20. Jahrhundert war das Österreichische Hospiz durch die dramatischen Vorgänge der Zeitgeschichte (Erster Weltkrieg, britische Okkupation, Zweiter Weltkrieg, israelischer Unabhängigkeitskrieg, Sechstagekrieg) immer wieder schwer in Mitleidenschaft gezogen. Mehr als einmal wurde das Haus beschlagnahmt und anderen Zwecken zugeführt (Waisenhaus, Internierungslager, Offiziersschule, Feldlazarett, Krankenhaus usw.).

Auf Grund der diffizilen völkerrechtlichen Lage im Ostteil Jerusalems zogen sich die Verhandlungen zur Wiederinbetriebnahme des Pilgerhauses viele Jahre hin. Anfang Jänner 1987 lief die Generalsanierung an. Im Februar 1988 war der Großteil des Hauses wiederhergestellt und am 19. März 1988 - zum 125. Jahrestag der Einweihung der Hospizkapelle - wurde das Österreichische Hospiz feierlich wiedereröffnet. Im Jahr 2009 startete das Bauprojekt „Casa Austria“; es sieht ein neues Nebengebäude auf dem Areal des Pilger-Hospizes vor, mit dem die bereits im 19. Jahrhunderte intendierte Bettenzahl erreicht wird. Die Fertigstellung ist bis Ende heurigen Jahres vorgesehen.

Das Hospiz versteht sich als dezidiert österreichische Einrichtung in der Heiligen Stadt, die vor allem den Pilgern aus dem mitteleuropäischen Raum dienen will. Zugleich widmet sich das Hospiz als Kultur- und Bildungseinrichtung der inter-kulturellen Begegnung zwischen Christentum, Judentum und Islam in Form von Vorträgen, Ausstellungen, Publikationen und Konzerten. (forts mgl)

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