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Äthiopisch-orthodoxe Kirche
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ÄTHIOPISCH-ORTHODOXE KIRCHE

Ritus:    Alexandrinisch
Liturgiesprache:    Geez und die lokal gebräuchlichen Sprachen
Kalender:    Weihnachten am 29. Tahsas (= 7. Januar), Ostern beweglich im Monat Mijazja
Gläubige:    16 Mio. Gläubige fast ausschließlich in Äthiopien, neuerdings auch kleine Gemeinden in der Diaspora
Titel des Ersthierarchen:    Seine Heiligkeit Abune Paulos Gebre Yohannis (geb. 1935), seit 1992 Patriarch der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche
Sitz:    Addis Abeba (Äthiopien)
Diözesen:    1 Patriarchat, 14 Diözesen, 53 Klöster (22 Mitglieder des hl. Synods)
Status:    Autokephal
Muttersprache:    Amharisch, Tigrinja, Oreminja und Guraginja

Achtung: Text noch in Bearbeitung!

Der Tradition folgend kam das Christentum im 4. Jh. ins abessinische Hochland, vermittelt durch die beiden Sklaven Frumentius und Ädesios, die zum Hof von Axum gehörten. Der große koptische Patriarch und Kirchenvater Athanasios (292 – 373) weihte Frumentius zum Bischof. König Aisanas wurde um 350 als erster Herrscher von Axum getauft. Er erhob das Christentum zur Staatsreligion. Dieser Akt blieb zunächst eine formale Tatsache, weil das Volk seine alten religiösen Traditionen behielt. Die Mission des Volkes wurde erst im 5. Jh. durch syrische Mönche fortgesetzt, die aus ägyptischen Klöstern oder Mesopotamien gekommen waren.

Theologisch und organisatorisch orientierte sich die äthiopische Kirche deswegen in den folgenden Jahrhunderten an den Kopten in Ägypten, die alle äthiopischen Bischöfe weihten und die allgemeine Ausrichtung vorgaben. Daher sind im Laufe der Zeit einerseits viele regionale afrikanische Kulturelemente in das äthiopische Christentum eingedrungen und haben ihr ein charakteristisches Aussehen gegeben, das mit dem keiner anderen Kirche vergleichbar ist, während andererseits altchristliche Elemente länger als sonst in der christlichen Welt erhalten geblieben sind.

Erst durch die Auseinandersetzung mit den portugiesischen Seefahrern ab dem 16. und den englischen bzw. italienischen Eroberungsversuchen seit der Mitte des 19. Jh.s machte Äthiopien mit der Weltpolitik Bekanntschaft, weshalb auch die äthiopische Kirche ihre Identität genauer bestimmen und nach allen Richtungen abgrenzen musste. Man legte sich in der kirchlichen Tradition damals eine auf die staatlich-monarchischen Einigungsbewegungen zugeschnittene Herkunft von Salomo zurecht, die offensichtlich durch die moderne Forschung eine gewisse Bestätigung erhielt, weil es schon in vorchristlicher Zeit jüdische Einwanderer im Hochland und eine kulturel-le Nähe zum Judentum gab. Zudem hatte sich schon Kaiser Yekuno Amlak (gest. 1283) erstmals den Titel „Der Löwe von Juda“ gegeben.
Durch die syrische Mission war es im 5./6. Jh. zur Ausbildung einer stabilisierenden Mönchstradition gekommen, deren Spuren bis heute sichtbar sind, obwohl sie anders als in Ägypten nicht mehr in demselben Maße von Bedeutung ist. Das Ge´ez wurde zur Kirchensprache. Die Übersetzung des Neuen Testamentes wurde der Tradition nach bereits im 6. Jh. begonnen.

Ab dem 8./9. Jh. war die äthiopische Kirche in all ihren Anstrengungen davon geprägt, dass die Bewohner des äthiopischen Hochlandes den Islam abwehren mussten, um ihre politische und kulturelle Autonomie bewahren zu können. Dadurch gerieten Äthiopien und seine Kirche nach außen zunehmend in die Isolation, was trotzdem um 1300 zu einer Blütezeit der theologischen und spirituellen Literatur führte, etwa ein Jahrhundert andauerte und eine Qualität erreichte, wie sie später nicht mehr auftrat.

1662 wurde auf Betreiben des Papstes Alexander VII. (1655 – 67) über Vermittlung der Franziskanermissionare eine Union mit Rom abgeschlossen, was zu tiefen Zerwürfnissen innerhalb der äthiopischen Kirche führte, worauf sie sich bis ins später 19. Jh. von allen Kontakten zur katholischen Kirche lossagte. Im Zeitalter der „streitenden Prinzen“ (1769 – 1855), sowie unter den Kaisern Theodor II. (1855 – 62), Johannes (1862 – 89) und Menelik II. (1889 - 1913) gelang es den Äthiopiern im 19. Jh. auf der politischen Ebene, die imperialen Ansprüche der Europäer abzuwehren, doch musste man 1889 die Besetzung Eritreas im Norden durch die Italiener hinnehmen. 1936 kam es noch schlimmer, als sich der junge Kaiser (Ras Tafari) Haile Selassie I. (1930 – 74) den Italienern unterwerfen musste.

Das verursachte auch in der äthiopischen Kirche einen tiefen Riss, weil es den Italienern problemlos gelang, einen Teil des Klerus auf ihre Seite zu ziehen. Diese Gruppe sagte sich auf einer Landessynode 1937 von der koptischen Kirchenhoheit los und rief einseitig die Autonomie der äthiopischen Kirche aus, während ein Teil des Episkopats den Kopten die Treue hielt. Als Kaiser Haile Selassie 1941 mit englischer Hilfe das Land wieder befreien konnte, internierte und exkommunizierte er die abtrünnigen Bischöfe und stellte die juisdiktionelle Hoheit der koptischen Kirche wieder her. Doch der Funken der Autonomie war übergesprungen und konnte nicht mehr gelöscht werden.

Seit 1949 erneuerte nämlich der kaisertreue Klerus um Bischof Qerillos die Unabhängigkeitsbestrebungen, was zu Spannungen mit der koptischen Kirche und zum Abbruch der Beziehungen führte. Da der äthiopische Staat die Bestrebungen der Kirche unterstützte, gaben die Kopten nach. 1951 ernannte Patriarch Yousab II. widerwillig Abuna Baselios als ersten Äthiopier zum Erzbischof des Landes, der sich dadurch gegen den nicht kanonisch legitimierten Bischof Qerillos durchsetzen konnte. Aber ein Kopte – wie bislang – kam als Oberhaupt der äthiopischen Kir-che nicht mehr in Frage. 1959 wurde schließlich die formale jurisdiktionelle Trennung vollzogen und Erzbischof Baselios in den Rang eines Patriarchen erhoben.

Kaiser Haile Selassie ist es zu danken, dass sich 1965 alle orientalisch-orthodoxen Kirchenoberhäupter erstmals in der Geschichte dieser Nationalkirchen zu einem gemeinsamen Gedankenaustausch in Addis Abeba trafen. Erstmals versicherten sich die vorchalzedonensischen Kirchen der Kopten, Syrer, Armenier, Äthiopier und Inder ihrer gemeinsamen Tradition.
1974 verlor die äthiopische Tewahedo (= Kirchenvereinigung, Einheit) durch die marxistische Revolution der Offiziere um Haile Mengistu Mariam ihren Rang als Staatskirche. Das Regime setzte nicht nur Patriarch Abuna Theophilos ab, enteignete den Landbesitz der Kirche und übte gegenüber den Gläubigen in den ersten Jahren einen regelrechten Terror aus, sondern versuchte sogar, einen atheistischen Staat zu gründen, der mit allen Traditionen in Äthiopien brach.

Doch schon 1977 wurde Bischof Tekle Haimanot durch den Staat zum Patriarchen erhoben und der Kirche ein bescheidenes Weiterleben am Rande der Gesellschaft gestattet. Mit dem Regimewechsel kam es 1991 auch unter den Bischöfen und Gläubigen Äthiopiens zum großen Aufatmen, doch ist es seither weder gelungen, die Tewahedo auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten, noch einen ausreichenden institutionellen Rahmen für diese Maßnahmen zu schaffen.
Äthiopisch-orthodoxer Diakon
Diakon

 

Kirchenoberhaupt
Abuna Paulos

Pressestimme
Grazer "Pro Oriente"-Delegation in Äthiopien

Link
Ethiopian Orthodox Tewahedo Church

 

Äthiopisches Dimkat-Fest - Wasserweihe
Dimkat-Fest (Wasserweihe)


Äthiopisch-orthodoxe Fresken
Fresken


Äthiopisch-orthodoxer Ikonenmaler
Ikonenmaler


Äthiopisch-orthodoxe Kirche Lalibela
Lalibela


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