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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

Begegnungsreise (Februar)

Ein fremdes Land erkunden

Kardinal Berhane-Yesus Demerew SouraphielMönch im Inselklöster Tana See/Bahir DarErzbischof Ezra von GondarAusbildungsstätte für angehende junge Priester der

Von 26. Jänner bis 11. Februar 2015 reiste eine Gruppe von Lehrenden und Studierenden der Katholisch-Theologischen Fakultät unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Rudolf Prokschi (Vorstand des Fachbereichs Theologie und Geschichte des christlichen Ostens und Vizepräsident der Stiftung PRO ORIENTE) und Univ.-Prof. Dr. Hans-Jürgen Feulner (Vorstand des Instituts für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie) nach Äthiopien, um sich auf die Spuren des äthiopischen Christentums, besonders der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche zu begeben. In Form eines Vorbereitungsseminars beschäftigte sich die Gruppe im Vorfeld intensiv mit der Geschichte und Gegenwart des äthiopischen Christentums, mit Fragen der Ökumene, des theologischen Denkens und spirituellen Lebens. Theoretische Einblicke in die Geschichte und Geographie des Landes dienten darüber hinaus zur Vorbereitung auf die 15-tägigen Reise, die mit den vielen geplanten Stationen den Eindruck der Vielfalt und des Facettenreichtums Äthiopien ermöglichte und prägte.
Bericht von Andrea Riedl

Reiseroute

Um ein möglichst umfassendes Bild des Landes und seiner Sehenswürdigkeiten zu gewinnen und möglichst viele Eindrücke und Erfahrungen über die Kirche, ihre religiösen Ausdrucksformen und ihre Theologie zu sammeln, beinhaltete die Reiseroute zwei Inlandsflüge und mehrere hundert Kilometer Busfahrt, wobei gerade letztere den ‚Bodenkontakt‘ im übertragenen Sinn bot. Nach den ersten beiden Tagen mit dichtem Programm in der Hauptstadt Addis Abeba flog die Gruppe in den Norden des Landes nach Lalibela, der Ort, der für seine beeindruckenden Felsenkirchen bekannt ist. Nach zweitägigem Aufenthalt ging es per Flugzeug weiter in den Norden nach Axum, um von dort mit Kleinbussen den Rückweg nach Addis Abeba über Gondar und Bahir Dar anzutreten. In Addis Abeba blieben der Gruppe am Ende der Reise noch einige Tage, um mit den beeindruckenden Erfahrungen der Tour durch das Landesinnere ‚im Gepäck‘ zurück in die Atmosphäre der quirligen Großstadt zu tauchen.

Besuche und Empfänge

Ein großes Anliegen und Ziel der Exkursionsgruppe war der Kontakt zu Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens. Ein Highlight war der Empfang bei S. H. Abune Mathias, seit 2013 Patriarch der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo Kirche, der die Gruppe gleich am Beginn der Reise in den Empfangsräumen des Patriarchates in Addis Abeba willkommen hieß und für Fragen zur Verfügung stand. Abba Fantahun, der zum engen Mitarbeiterkreis des Patriarchen zählt und für einige Jahre in Wien studiert hat, begleitete die Gruppe bei diesem Empfang und während des Großteils der Reise. Am zweiten Tag besuchte die Gruppe den Erzbischof der Äthiopisch-Katholischen Kirche in Addis Abeba, S. E. Berhane-Yesus Demerew Souraphiel, der jüngst von Papst Franziskus zum Kardinal ernannt worden war. Mit großer Offenheit und Herzlichkeit gab er u. a. einen Einblick in die ökumenischen Kontakte vor Ort. S. E. Erzbischof Ezra von Gondar empfing die Gruppe einige Tage später zum gemeinsamen Gespräch und Gebet und die Gruppe hatte die Möglichkeit, eine Ausbildungsstätte für junge, angehende Priester seiner Diözese zu besuchen. Zurück in Addis Abeba stand am vorletzten Tag der Exkursion ein Empfang beim österreichischen Botschafter, Dr. Andreas Melán, am Programm, der die Gruppe mit einem heimatlichen Wiener Mehlspeisenbuffet verwöhnte und Rede und Antwort stand bzgl. der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung des Landes sowie der bestehenden und neu zu initiierenden Kontakte mit Österreich. Die Reihe der offiziellen Besuche schloss S. E. Erzbischof Luigi Bianco, seit 2014 apostolischer Nuntius für Äthiopien, der die Gruppe am letzten Tag in der Nuntiatur in Addis Abeba empfing und zum Gespräch nicht nur über seine spezifischen Aufgabenbereiche, sondern auch über die Kontakte zur Äthiopisch-Orthodoxen Kirche bereit war.

Religiöses Leben

Für die Gruppe, die mit wachem Blick gerade für Formen des religiösen Lebens und des theologischen Denkens unterwegs war, war die Religiosität der Äthiopierinnen und Äthiopier, d. h. Ausdrücke der Frömmigkeit und sichtbare Zeichen ihrer gläubigen Lebenshaltung, auffallend oft seh- und spürbar. Die Erfahrungen, die bei Besuchen und Erkundungen von Kirchen und Klöstern, von Zentralstellen kirchlicher Leitung, von Gottesdiensten und Gebet und von (kirchlichen) Ausbildungsstätten ermöglicht wurde, bereicherte das theoretische Wissen, das sich die Gruppe in der Vorbereitung der Exkursion erarbeitet hatte. Viele der offiziellen wie auch der vor Ort entstandenen Kontakte sollen, so die Hoffnung der Exkursions-Verantwortlichen, Ansprechpartner für zukünftige Kooperationen und (ökumenische) Initiativen bleiben.


Sektion: Wien