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Kardinal Franz König

Pro Oriente

Vortrag von Prof. Troll (März)

Einen europäisch geprägten Islam entwickeln

Islamwissenschaftler Troll plädierte in Graz für einen kritischen und offenen Dialog und für eine übergreifende Allianz gegen den Terror.

PublikumProf. Troll

Der Barocksaal des Grazer Priesterseminars war am 11. März bis zum letzten Platz besetzt - so groß war das Publikumsinteresse am Thema „Islam – Christentum – Moderne“. Der deutsche Theologe und Islamwisschenschaftler Prof. Dr. Christian W. Troll SJ wies in seinem Vortrag auf die Gefahr hin, den Islam in seiner Gesamtheit aus den Augen zu verlieren und ihn „nur im Licht von terroristischen Aktivitäten zu sehen.“
„Gerade heute ist es geboten, den Islam und die Muslime, die sich dem Islam zugehörig betrachten, zunächst als religiös-kulturell-politisches Gesamtphänomen zu betrachten“, so Troll. Ein „kritischer und offener“ Dialog sei anzustreben. Gemeinsame Werte und die Würde des Menschen müssten, so der Islamwissenschaftler, im Mittelpunkt dieses Dialoges stehen. Dazu sei eine aktualisierte Ausbildung erforderlich, um das religiös-demokratische Denken aller zu fördern.
In der historischen Wirklichkeit gebe es nicht den Islam als solchen, erklärte der Theologe, sondern nur „den Islam der Muslime, die selbst entscheiden, was ihrer Meinung nach in ihrer Religion möglich ist“. Der Gewalt habe sich nur eine relativ kleine Gruppe verschrieben, die aber durch die Medien sehr sichtbar sei. Der „Hass auf den Westen“ gehe ebenso auf politische und soziale Ursachen zurück wie religiöse, sagte Troll. Er verwies dabei auf Massenarmut in vielen islamischen Ländern in Verbindung mit Korruption und Misswirtschaft, „die nicht selten von westlichen Regierungen unterstützt und instrumentalisiert werden“.
Troll plädierte für ein religiös und kulturell neu gemischtes Europa, in dem sich „ein europäisch geprägter Islam entwickelt“. Der Islamwissenschaftler folgerte zwei wesentliche Aspekte für die Zukunft: Zum einen solle eine weltweite, religiöse Unterschiede übergreifende Allianz gegen Terrorismus aufgebaut werden. Zum anderen sei eine radikale Wende seitens der Nichtmuslime hinsichtlich sozialwirtschaftlicher Gerechtigkeit erforderlich.
Außerdem müsse anerkannt werden, dass alle Menschen die gleiche Würde und Grundrechte haben. Wir in Europa könnten uns nicht mehr abschotten und müssten globale Nachbarschaft leben, forderte Troll. Nicht-Muslime könnten dazu auch durch einen Dialog auf allen Ebenen beitragen.
Die Veranstaltung wurde von Welthaus in Kooperation mit: KHG, AAI, KPH, Jesuiten, Kath. Bildungswerk, Pro Oriente und KFUG – Institut für Religionswissenschaft organisiert.

Text übernommen von: http://graz.welthaus.at/index.php?page=news&newsID=1002#sthash.INapKtbB.dpuf

Sektion: Graz