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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

4. Arbeitssitzung: Kommission junger TheologInnen (Oktober)

Den ökumenischen Aufbruch weitertragen

Die Mitglieder der PRO ORIENTE-Kommission junger orthodoxer und katholischer Theologinnen und Theologen trafen sich zu ihrer 4. Arbeitssitzung in Stift Geras, Niederösterreich. Die Sitzung wurde vom Land Niederösterreich, Abteilung Kunst und Kultur, gefördert.

Die orthodoxen und katholischen TheologInnen arbeiteten im Rahmen dieses Treffen vor allem auch an Strukturfragen, die die Kommission betreffen. U. a. wurden die Zielformulierungen des Gründungsdokumentes präzisiert. Eine neue Headline soll die Zielsetzung der Kommissionsarbeit auf den Punkt bringen: „Den ökumenischen Aufbruch weitertragen im Geiste der nachwachsenden Generation“. Die jungen Expertinnen wollen mit diesem Statement verdeutlichen, dass es höchste Zeit ist, das Anliegen der Ökumene, „dass alle eins seien“, zu stärken und auch in Bezug auf gesellschaftliche Herausforderungen in Anwendung zu bringen. Die Errungenschaften des 30-jährigen offiziellen Dialogs zw. der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen sollen auf ihre Umsetzung hin stärker befragt werden. Die verabschiedeten Dokumente sind zumeist noch nicht in ihren Kirchen angekommen, dies möchten die Mitglieder in ihren jeweiligen Arbeitsbereichen fördern (Universitäten, Schulen, Erwachsenenbildung, Ökumenische Einrichtungen usw.). Auch der eingeladene Gast Fr. Frans Bouwen aus Jerusalem gab dies den jungen ÖkumenikerInnen mit auf den Weg. „Ihr müsst euch mit eurem Fachwissen, aber auch mit euren eigenen Fähigkeiten und Kenntnissen sowie Lebensrealitäten in den Dialog einbringen, nur dann kann er fruchtbar sein.“ Der große Graben zwischen den theologischen Dialogdokumenten und der praktischen Umsetzung wurde von allen Anwesenden sehr bedauert. Die jungen TheologInnen haben bereits in ihrer ersten Publikation „Der sichtbaren Gemeinschaft entgegen“ darauf reagiert und gerade im letzten Kapitel einige konkrete Vorschläge erarbeitet. Auch weiterhin wollen die Mitglieder der Kommission Gäste empfangen. Fr. Frans Bouwen stand den jungen TheologInnen Rede und Antwort. Er ist Mitglied der offiziellen kath.-orth. Dialogkommission, war viele Jahre Berater des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und des Weltkirchenrates, darüber hinaus ist er auch Mitglied des offiziellen Dialogs zwischen der katholischen Kirche und den orientalischen Kirchen sowie Herausgeber von Proche-Orient Chrétien. Er betonte, dass er auf die Frage „was die Jungen tun sollen?“ keine Antwort habe, denn die jüngere Generation müsse die Ökumene in ihrem Sinne vorantreiben. Aber dies ginge nicht, ohne zu wissen, was bereits erreicht wurde und welche Konsequenzen sich daraus ableiten lassen. Er verfolgte die Diskussion der Kommissionsmitglieder zum Dokument von München, welches 1982 als erstes gemeinsames Dokument verabschiedet wurde, sehr aufmerksam. Die Mitglieder würdigten das Dokument in seinem historischen Kontext und zugleich unternahmen sie eine kritische Würdigung der im Dokument vorgelegten ekklesiologischen Theologie.
Den ökumenischen Erträgen inoffizieller, regionaler und lokaler Dialoggruppen bzw. Initiativen widmen sich die Kommissionmitglieder in den nächsten zwei Jahren. U. a. sollen die hoch geschätzten Beiträge der Gemeinschaft von Bose, der Regensburger Ökumenischen Symposien, der Abtei Chevetogne und PRO ORIENTE dargestellt werden. Gerade der inoffiziellen ökumenischen Arbeit sind oft große Errungenschaften zuzuschreiben.
Die nächste Sitzung wird in München, dem Ort der Verabschiedung des ersten gemeinsamen Dokuments der offiziellen kath.-orth. Dialogkommission, 2016 stattfinden. Als Moderationspaar wurden Dr. Ioan Moga, Univ.-Ass. An der Universität Wien und Dr. Florian Schuppe, Leiter des Ökumenereferats der Erzdiözese München, gewählt.


Sektion: Wien