Pro Oriente Logo

Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Kunst als Chance für den Glauben

Die Salvatorianerin Sr. Heidrun Bauer arbeitet auch als Künstlerin. Sie stellte einige ihrer Werke für das neue PRO ORIENTE-Magazin zur Verfügung. Das Interview mit ihr führte Regina Augustin.

Sr. Heidrun Bauer SDSSr. Heidrun, können Sie uns etwas über sich erzählen.
Als Ordensfrau verstehe ich Jesus Christus als die Mitte meiner Spiritualität und auch meines alltäglichen Lebens. In unserer Regel heißt es: „Jesus Christus ist Mitte und Quelle unseres Lebens“. Diese Mitte ist zugleich haltgebend und herausfordernd. Sie hilft mir und auch vielen anderen, sich immer wieder auszurichten, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Diese Mitte hilft mir, das Leben zu ordnen und schöpferisch zu sein. Mit dieser kreativen Gabe versuche ich, diesen Christus zu vermitteln, auch in meiner Tätigkeit als Geistliche Begleiterin. Christus ist zugleich Anfang und Ende und auch Mitte – ich verstehe ihn als Heilsbringer universal. In diesem Verständnis – so hat es auch P. Jordan, unser Ordensgründer gesehen – ist eine Ordnung enthalten, wo für alles Geschaffene ein guter Platz vorgesehen ist. Ich erlebe das auch immer wieder im Orden, z. B. lebe ich am Rande des Grundstücks in unmittelbarer Nähe zu den älteren Ordensschwestern in einem Pförtnerhaus oder ebenso in den unterschiedlichen Herausforderungen aufgrund der weltweiten Sendung unsers Ordens.

Wie war es für Sie, in kurzer Zeit Bilder auszuwählen zur Illustration bereits verfasster theologischer Texte?
Das sind Herausforderungen, die ich liebe! Ich habe die Gabe, in Bildern zu denken, auch bei noch so komplexen Texten beginnen in mir Bilder zu entstehen. Darin sehe ich eine Urkompetenz von mir. Ein inneres Bild baut sich auf, das die Komplexität wiedergibt, aber zugleich auch Weite eröffnet. Sich diese Texte in Formen und Farben vorzustellen, habe ich gern.

Sr. Heidrun, Sie lächeln beim Gedanken an diese Bilder. Worin sehen Sie Herausforderungen, aber auch Chancen in der Verbindung von Kunst und Glaube?
Von Kindesbeinen an wollte ich Künstlerin werden, das Malen hat mich sehr fasziniert. Mein Großvater hat auch gemalt und ich träumte davon, eines Tages ein Atelier zu haben. Aber das war in meinem Lebenslauf so nicht vorgesehen. Ich schloss die Handelsakademie ab und arbeitete anschließend mehrere Jahre. Mit 30 hatte ich eine Lebenskrise! In dieser Phase blieb nicht mehr viel über – aber das Ausdrückenkönnen in Bildern war noch da. Das war in diesem Moment für mich von existenzieller Bedeutung und gab mir neue Impulse. Ich denke daher, dass Kunst in Verbindung mit Glauben impulsgebend verstanden werden kann. Von Kunstwerken, Malereien, Fotografien oder auch Installationen, können Impulse ausgehen, die Menschen Neues entdecken lassen, die einen Dialog anregen, die zur Mitte zurückführen. Heute ist es sicherlich immer herausfordernd, Glaubensinhalte zeitgemäß zu vermitteln. Hier sehe ich aber gerade für die Kunst eine große Chance. Es darf nicht nur darum gehen, dass Kunst gefällt, sondern darum, dass sie etwas vermittelt, Anstöße gibt. Mit meiner Kunst versuche ich, meinen Glauben mitzuteilen und zu teilen. Ich versuche, eine Hilfe zu geben, damit Menschen sagen können, auf diesen Glauben baue ich.
Liebe Sr. Heidrun, danke für das Gespräch.

Mehr Informationen zu den Werken von Sr. Heidrun finden Sie unter: http://www.salvatorianerinnen.at/neu/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=69&Itemid=118