Pro Oriente Logo

Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

1. Konferenz zum „Handwörterbuch Theologische Anthropologie“ (April)

Gesellschaft im Umbruch

PRO ORIENTE hat den bilateralen Dialog zwischen russisch-orthodoxen und katholischen Fachleuten aus dem Bereich der theologischen Anthropologie wieder aufgenommen. Anlass bot das 2013 im Herder-Verlag auf Deutsch veröffentlichte „Handwörterbuch Theologische Anthropologie“. In russischer Sprache erschien das Buch im Palomnik-Verlag.

Eröffnung der Konferenzv.l.: Vater A. Lorgus, J.Gruppenfoto mit Referierenden und Diskussionsteilnv.l.: I. Gabriel, H.-J. Röhrig, M. Kutzer (Moderatv.l.: A. Petrova, M. Kutzer, M. D. Krüger, I. Gabrv.l.: A. Briskina-Müller , P. Mikluscak, D. MunteaFachleuten der Orthodoxie, der evangelischen Kirch

Sechs Autoren bzw. Autorinnen wurden eingeladen, um auf Basis der veröffentlichten Artikel die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Bezug auf die Begriffe „Macht“, „Freiheit“ und „Menschenrechte/-würde“ zu diskutieren. Hinzu geladen wurden auch weitere katholische, orthodoxe und evangelische ExpertInnen, um den Dialog zu weiten.
Den Anfang machte die Wiener Sozialethikerin Ingeborg Gabriel und sprach mit dem russisch-orthodoxen Geisteswissenschaftler Sergey Cursanov über das anthropologische Grundverständnis von „Freiheit“. Deutlich zu Tage traten die sehr unterschiedlichen theologischen Zugangsweisen zum Thema, wobei der Konferenzleiter Bertram Stubenrauch in seiner Einführung betonte, dass man bei der Idee des Handwörterbuches auf ausführliche Anleitungen, wie die Texte zu verfassen seien, verzichtete, um ein möglichst breites Spektrum auch an theologischen Denkmodellen zu erreichen. Der Leiter des Institutes „Ausbildung und Religion“ an der KPH Wien/Krems, Hermann-Josef Röhrig, kommentierte die beiden Positionen und brachte mit seinen kritischen Anmerkungen noch reichlich Diskussionsstoff ein.
In einer zweiten Arbeitseinheit diskutierten die katholische Professorin Mirja Kutzer von der Universität Kassel und die Chefredakteurin des Kirchlichen Wissenschaftszentrum „Orthodoxe Enzyklopädie“ Larisa Litvinova aus Moskau über das Verständnis von „Macht“ in den Konfessionen. Die kritische Lesestimme wurde vom evangelischen Privatdozenten Malte Krüger von der Universität Halle eingebracht. Es zeigte sich gerade auch an diesem Begriff, dass neben einer theologisch-anthropologischen Deutung auch die gesellschaftspolitische Aktualisierung mit eingebracht werden muss und die Diskussionsergebnisse so für den Ost-West-Dialog auch fruchtbar gemacht werden können.
Abschließend wurde das Begriffspaar „Menschenrechte/Menschenwürde“ thematisiert. Autoren der im Handwörterbuch veröffentlichten Artikel waren der russisch-orthodoxe Konferenzleiter Vater Andrej Lorgus und der katholische Professor Pavel Mikluscak von der KPH Wien/Krems. Vor allem der umfassende und herausfordernde Kommentar des jungen rumänisch-orthodoxen Professors Daniel Munteanu von den Universitäten Targoviste und Bamberg befeuerten die Diskussion. Auch hier wurde die Frage nach einer gesellschaftspolitischen Aktualisierung vor allem auch im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Herausforderungen in Europa gestellt.
Maßgeblich zum Gelingen der zweisprachigen Konferenz trugen die Übersetzer und Übersetzerinnen bei, deren umfassende Kenntnis auch im Thema unerlässlich war. Anna Briskina-Müller, Johann Krammer, Anna Petrova und Marten Stahlberg war es zu verdanken, dass die Verständigung zwischen den Referierenden funktioniert hat.
Sowohl PRO ORIENTE-Präsident Johann Marte als auch der Vereinsobmann von PRO ORIENTE Rudolf Prokschi betonten am Ende, dass dieser Dialog unbedingt weitergeführt werden muss, da er eine unglaubliche außertheologische Relevanz hat, die für den Ost-West-Dialog im Hinblick auf die kommenden Herausforderungen in Europa von großem Wert sein könne.
Für das Jahr 2017 planen die Projektverantwortlichen Stubenrauch, Lorgus, Krammer und Briskina-Müller gemeinsam mit PRO ORIENTE bereits eine zweite Konferenz zu den Begriffen „Vergöttlichung“ und „Glaube“.


Sektion: Wien