Pro Oriente Logo

Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

2. PRO ORIENTE-Summer Course (Juli)

Ein gelungener Sommerbeginn

Der zweite PRO ORIENTE-Summer Course stand unter dem Titel „Ökumenischer Dialog: Wesen und Anspruch“. Diesem Thema widmeten sich 20 junge WissenschaftlerInnen aus drei Kirchenfamilien (orthodox, evangelisch und katholisch) und aus fünf Nationen mit großer Leidenschaft und viel Freude.

GruppenfotoBischof Gerhard Feige und Andrea Riedl P. Christian Marte begrüsst die Teilnehmenden im KDie ersten Begegnungen fanden auf der sonnigen TerDer serbisch-orthodoxe Bischof Andrej begrüßt die Prof. Dimitra Koukoura erläutert die Bedeutung derWährend den PausenWährend den PausenWährend den PausenRade Kisic und Maria Wernsmann - Workshop-LeiterInHohe Konzentration beim Vortrag von Bischof Feige.Ursula Eisl stellt die Gruppenarbeit vor.Fr. Frank Ewerszumrode stellt die Ergebnisse der GThorsten Carich, Starzentum in der russich-orthodoVera Hofbauer, Bloß keine Mission - aber was dann?Marijan Kujundzic, Die Religionsphilosophie B. WelBenjamin Apsel, Ekklesiologie W. PannenbergsLukas Pieper, Paulos Mar GregoriosStanislau Paulau, Kulturkontakt in ÄthiopienLyudmyla Ivanyuk, Soziales Engagement der Kirchen Univ.-Prof. Dr. Dietmar W. Winkler, SalzburgDr. Thomas Stubenrauch, SpeyerDr. Maria Wernsmann, MünsterDr. Rade Kisic, BelgradReferierende beim WerkstattgesprächTeilnehmende beim Werkstattgespräch

Beeindruckt zeigten sich die drei Vortragenden und drei Workshop-Leiterinnen von der hohen Qualität der präsentierten Forschungsarbeiten. Acht Teilnehmende wurden vom wissenschaftlichen Leitungsteam – Univ.-Prof. Dr. Dietmar W. Winkler, MMag. Andrea Riedl und Dr. Regina Augustin – ausgewählt, um ihre Dissertations- bzw. Masterarbeiten vorzustellen und zu diskutieren. PRO ORIENTE versucht so, auch neue und vielversprechende Talente zu entdecken.
Im Rahmen der Vorträge an den Vormittagen sprach die griechische Professorin Dimitra Koukoura über die ökumenische Dimension und Bedeutung des Ökumenischen Rates der Kirchen. Sie betonte vor allem die große Herausforderung der Kommunikation. Oft sprechen KirchenvertreteInnen mit gleichen Worten und meinen doch ganz verschiedene Dinge. Die zu entwickelnden Sprachcodes stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen, da auch ständig neue Kirchen dem Weltkirchenrat beitreten und somit die entwickelten Codes wieder neu in Frage stellen. Eine weitere große Frage für die Kirchen sei überhaupt die Entstehung neuer Kirchen weltweit. Diese neuen Kirchen sind häufig nicht mit dem traditionellen Verständnis von Kirche in Einklang zu bringen, sie leisten aber diakonale Dienste, die sonst nicht geleistet würden.
Der Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gerhard Feige, stellte in seinem Vortrag noch einmal die bedeutende Wende für die Ökumene dar, die mit dem Zweiten Vatikanum eingetreten ist. Dass sich die katholische Kirche selbst in diesen Prozess des ökumenischen Ringens hineingestellt habe, sei bis heute von unschätzbarem Wert. In einem zweiten Teil erläuterte er die Arbeitsweise der Deutschen Bischofskonferenz im ökumenischen Dialog. Zum Abschluss verwies er noch auf die besondere Bedeutung des Reformationsjubiläums 2017. Diese Erinnerung sei nicht allein für die evangelischen Kirchen von Bedeutung, sondern müsse in ihrem Gesamtkontext gesehen und für heute fruchtbar gemacht werden. Viele Akzente wurden im Laufe der „Luther-Dekade“ neu gesetzt, um die breite Wirkung der Reformation sichtbar machen zu können. Dies sei nicht zuletzt den ökumenischen Dialogen zu verdanken, die auf Vertrauen und Wertschätzung aufbauen.
Den letzten Vormittag gestaltete Univ.-Prof. Dr. Winkler. Er erläuterte am Beispiel des Dialoges der katholischen Kirche mit den orientalisch-orthodoxen Kirchen Dynamiken, Faktoren und Entwicklungen bilateraler Dialoge, nachdem er zuvor in einer kurzen Einführung über die verschiedenen Dialoge-Ebenen informiert hatte. Die katholische Kirche führe bi- und multilaterale Gespräche auf regionaler bzw. internationaler Ebene, arbeite auf wissenschaftlicher, sozialer oder pastoraler Ebene mit andern Kirchen zusammen. Zentral war in seiner Darstellung auch das Selbstverständnis der Kircheneinheit der orientalisch-orthodoxen Kirchenfamilie. In einem zweiten Teil leitete er die Teilnehmenden an, sich mit der Frage „Was ist wesentlich für Kirche“ auseinanderzusetzten. In bi- bzw. multilateralen Dialoggruppen arbeiteten die jungen ÖkumenikerInnen an der Frage und mussten feststellen, dass diese Aufgabe unglaublich schwierig ist.
Die Workshops wurden geleitet von dem Speyrer Ökumene-Referenten Dr. Thomas Stubenrauch. Er versuchte, an Hand des in Speyer entwickelten Leitfadens „Für das ökumenische Miteinander“ die zentralen Fragen der Basis aufzuzeigen. Viel ökumenische Arbeit wird auf Ebene der Kirchenleitungen geleistet, dies komme aber nur selten an der Basis an. Was bereits alles schon gemeinsam getan werden kann, veranschaulicht der Leitfaden.
Der Frage nach dem Ankommen von Dialogergebnissen an der Basis stellte sich auch der serbisch-orthodoxe Theologe Dr. Rade Kisic in seinem Workshop. Provokant titelte er „Ökumene-Dokumente ins Altpapier?“. Ganz klar bezog er allerdings Stellung und antwortete mit NEIN. Denn diese Dokumente seien Ausdruck eines langen und gemeinsam gegangenen Weges, aber die Frage, die sich alle Kirchenverantwortlichen und TheologInnen zu stellen haben, sei: Wie gehen wir mit diesen Dokumenten um. Die Frage nach der Rezeption von Dialogergebnissen sei zentral.
Die Münsteraner Theologin Dr. Maria Wernsmann ließ die Teilnehmenden ihres Workshops anhand verschiedener kirchlicher Dokumente untersuchen, welche Vorstellungen von „christlicher Identität“ in den Dokumenten auszumachen sind. Sie erläuterte in diesem Zusammenhang auch die Frage nach theologischen und nicht-theologischen Trennungsfaktoren.
Im Rahmen des Werkstattgespräches standen die eingeladenen Referierenden Rede und Antwort vor allem in Bezug auf Fragen, die ihre konkrete Arbeit betreffen oder denen eine besondere Aktualität zugemessen wird. In gemütlicher Atmosphäre auf der Terrasse des Kardinal König Hauses kamen die Teilnehmenden und Referierenden mit einander ins Gespräch (und Gerüchten zu Folge sei es ein langer Abend geworden).
Das wissenschaftliche Leitungsteam zeigte sich am Ende des Summer Courses sehr zufrieden. Die Veranstaltung sei ein großer Erfolg gewesen, alle Teilnehmenden seien müde und erschöpft im guten Sinne und die Referierenden seien insbesondere von der hohen Kompetenz einiger Teilnehmenden beeindruckt, so die Leiterin des PRO ORIENTE-Generalsekretariates.
Der dritte PRO ORIENTE-Summer Course steht unter dem Motto „Theologie und Geschichte“ und wird von 3. bis 6. Juli 2017 wiederum im Kardinal König Haus in Wien-Lainz stattfinden.


Sektion: Wien