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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

Flucht – Zerstörung – Wiederaufbau (November)

Brennpunkt Naher Osten

Über die politische, religiöse und humanitäre Lage in den vom Krieg betroffenen Ländern des Nahen Ostens berichteten Dr. Dietmar W. Winkler, Univ.-Prof. an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg, und Stefan Maier, der Leiter der Auslandshilfe Caritas Salzburg bei Ihrem höchst interessanten Vortrag in Wien. Mit mehr als einer halben Million Toten, um die 2 Millionen Verletzten und über 5 Millionen Flüchtlingen handelt es sich beim Nahost-Konflikt um die größte humanitäre Katastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei die genannten Zahlen nur auf Schätzungen beruhen.

R. Augustin stellt St. Maier von der Caritas vor.Dr. D. W. Winkler beim Nahost-Vortrag in Wien

Bezugnehmend auf die politische Großwetterlage beleuchtete Winkler drei Bereiche: Emigration, Konfliktlinien und Zerstörung des christlichen kulturellen Erbes in der Region. Er spannte den Bogen von den politischen Entwicklungen während der 80er Jahre, über den „Arabischen Frühling“ bis hin zur gegenwärtigen Situation. Machtansprüche und Machtmissbrauch – sowohl innerhalb der Länder, als auch von außerhalb –, die Unterfütterung von Fundamentalisten und wirtschaftliche Faktoren wie Energietransit, Erdöl und Wasser wurden als Konfliktlinien genannt. Die Vernichtung ältester syrischer christlicher Handschriften, ganzer Dörfer und jahrhundertealter Pilgerstätten wie das St. Georgs Kloster (10. Jh.) oder das Mar Elija Kloster (6. Jh) nahe Mossul zeugen vom gezielten Versuch der Auslöschung des spirituellen Erbes der Christen in den Gebieten.

Die furchtbaren Folgen des Konfliktes, der mittlerweile länger als der Zweite Weltkrieg dauert, für die Bevölkerung, sowie die prekäre Lage der Geflohenen und der angrenzenden Aufnahmestaaten wie Libanon und Jordanien, erörterte Stefan Maier. Wie die meisten großen internationalen Hilfsorganisationen, leistet auch die Caritas vor Ort finanzielle und materielle Hilfe und versucht, durch den Aufbau von Schulen und medizinischer Versorgung vor allem die Not der Kinder zu lindern und positiv auf die Zukunft hin zu wirken.

Gerade in jener Region, die als Wiege des Christentums gilt, wurde dieses fast gänzlich ausgelöscht; die Rückkehr der Geflohenen in ihre Heimat, wird immer unwahrscheinlicher, je länger der Konflikt anhält, sind sich die Nahostexperten einig. Auch die – zu recht – umstrittene politische Rolle der Westmächte vor und während des Krieges wurden thematisiert: Mitschuld und Unterlassung können dabei nicht von der Hand gewiesen werden!



Sektion: Wien