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Patriarch Danie I. Ciobotea

Pro Oriente

Kirche von Albanien

  • Gläubigeca. 300.000, davon 20.000 in den USA
  • SitzTirana (Albanien)
  • Diözesen6 Diözesen, davon 4 in Albanien und 2 in den USA
  • Statusautokephal
  • Ritusbyzantinisch
  • LiturgiespracheAlbanisch
  • Kalendermeletianisch
  • Titel des ErsthierarchenErzbischof von Tirana, Durres und ganz Albanien
  • e-mailorthchal@orthodoxalbania.org

Dass es heute überhaupt Christen und kirchliche Strukturen auf albanischem Boden gibt, grenzt beinahe an ein Wunder. Die von 1945 bis 1991 bestehende „Volksdemokratie“ ging mit einer systematischen Brutalität gegenüber jeder Religionsausübung vor, die unter den kommunistischen Regimes jener Zeit in diesem Ausmaß als singulär bezeichnet werden kann. Albaniens Diktator Enver Hoxhas (1908–1985) setzte sich zum Ziel, jede religiöse Betätigung in seinem Land zu unterbinden: Alle Kirchen, Klöster und Moscheen wurden geschlossen und jede Religionsausübung wurde für illegal erklärt und schwer bestraft. Deportationen bei Nicht-Beachtung waren die Folge.

Weitere Informationen über die Kirche von Albanien

1973 starb auch der Erzbischof von Albanien, nach sechsjähriger Haft, in einem solchen Lager. In der Staatsverfassung von 1976 proklamierte das Regime, keinerlei Religion anzuerkennen und bezeichnete sich stolz als „erster atheistischer Staat der Welt“. Die Albanische Orthodoxe Kirche hatte zu diesem Zeitpunkt offiziell zu existieren aufgehört. Es gab keine Kirchen und Klöster mehr, keinen theologischen Nachwuchs und keine kirchliche Erziehung, keine Liturgie und keinen das kommunistische Regime überlebt habenden albanischen Bischof. Die Kirche war konsequent aus dem Leben der albanischen Gesellschaft getilgt worden.

Nach dem Tod von Enver Hoxhas 1985 wurden erstmals wieder gottesdienstliche Versammlungen in Privaträumen geduldet, doch die eigentliche befreiende Wende erfolgte erst 1991 mit dem Sturz des kommunistischen Regimes. In der neuen Staatsverfassung wurde festgehalten, dass Albanien ein laizistischer Staat sei, in welchem Religionsfreiheit herrsche.

Die Albanische Orthodoxe Kirche sah sich nun aber mit dem Problem konfrontiert, dass sie aus eigener Kraft gar nicht mehr in der Lage war, den kirchlichen Wiederaufbau zu leisten, da kein einziger Bischof und nur eine Handvoll stark überalterter Priester die Zeit der Verfolgung überlebt hatten. Aus diesem Grund ernannte 1991 das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel einen griechischen Metropoliten zum Leiter der Albanischen Orthodoxen Kirche. Im Juni 1992 wurden drei weitere griechische Bischöfe für Albanien geweiht und eine eigenständige Synode konnte sich konstituieren. 1998 konnten dann schließlich erstmals wieder zwei Albaner zu Bischöfen geweiht werden.

Basis für diese beachtenswerte Entwicklung ist der große einheimische Nachwuchs an Geistlichen, der seit 1991 in einem aufgelassenen Hotel in Durres wieder ausgebildet werden kann. In derselben Stadt konnte mittlerweile auch ein orthodoxes Gymnasium und ein orthodoxes Spital errichtet werden. Großen Anteil am Wiederaufbau hatten besonders die Auslandsdiözesen der Albanischen Orthodoxen Kirche in den USA, die in den Anfangsjahren die Finanzierung der pastoralen und administrativen Neuorganisation in ihrer ehemaligen Heimat sicherstellten. Zurzeit erlebt die Albanische Orthodoxe Kirche im Süden Albaniens eine regelrechte Renaissance des kirchlichen Lebens: Zahlreiche Kirchen werden renoviert oder gar neu gebaut, die Zahl der Taufen – besonders von Erwachsenen – ist beachtlich hoch, und an theologischem Nachwuchs besteht keinerlei Mangel.

Blickt man zurück auf die Geschichte dieser Kirche, so lassen sich schon für das 4. Jahrhundert in Illyrien, auf dem Territorium der heutigen Republik Albanien, christliche Gemeinden gesichert nachweisen. Wobei die Christianisierung dieses Gebiets von zwei Seiten erfolgte: Die Völker im Norden wurden vom Westen aus missioniert, während die südlichen Volksstämme das Christentum in seiner östlichen Tradition kennen lernten. Diese Aufteilung ist bis in die Gegenwart erhalten geblieben: Sind die Christen in Nord-Albanien bis heute vorwiegend römisch-katholischen Bekenntnisses, so sind die Mehrzahl der Christen im Süden des Landes Angehörige der Albanischen Orthodoxen Kirche. Seit der osmanischen Eroberung im 15. Jahrhundert stellt aber der Islam die Mehrheitsreligion in beiden Landesteilen.

Lange Zeit durch die Jahrhunderte hindurch unterstanden die orthodoxen Albaner dem Ökumenischen Patriarchat, ihre Bischöfe waren in der Regel Griechen, und die Liturgiesprache war griechisch. Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte jedoch die nationale Idee in Albanien ihre Blüte und mit ihr kam auch der Wunsch nach einer unabhängigen Albanischen Orthodoxen Kirche auf. Die Erfüllung dieses Wunsches geriet in greifbare Nähe als sich Albanien 1919 endgültig als unabhängiger Staat etablieren konnte.

So erklärte sich im September 1922 die Albanische Orthodoxe Kirche für autokephal und ernannte einen in Jugoslawien zum Bischof geweihten Archimandriten zu ihrem provisorischen Leiter. Nach dem Scheitern von mehreren Vermittlungsversuchen zwischen dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel und der Albanischen Kirche gab sich die Albanische Orthodoxe Kirche 1929 ein eigenes Statut, weihte mit Unterstützung der Serbischen Orthodoxen Kirche weitere Bischöfe und etablierte eine eigene Bischofssynode. Trotz großer Konflikte in den Folgejahren zwischen der albanischen Kirchenführung und dem Ökumenischen Patriarchat, erkannte Konstantinopel bereits am 12. April 1937 die Autokephalie der Albanischen Orthodoxen Kirche an und legte somit den Konflikt bei.

Heute ist die Albanische Orthodoxe Kirche – wie bereits oben erwähnt – eine im Aufbau und Aufschwung befindliche Kirche mit Zukunft. Ihre Kirchenvertreter engagieren sich aktiv im ökumenischen und interreligiösen Dialog. Letzterer hat sich zu einer wichtigen Aufgabe entwickelt, nachdem es in jüngster Zeit immer wieder Ausschreitungen von muslimischen Extremisten gegenüber Kircheneinrichtungen gab.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB