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Griechisch-orthodoxes Patriarchat von Alexandrien

  • Gläubigeca. 350.000 in Afrika (vor allem in Ägypten)
  • SitzAlexandria (Ägypten)
  • Diözesen25 Diözesen auf dem ganzen afrikanischen Kontinent
  • Statusautokephal
  • Ritusbyzantinisch
  • LiturgiespracheGriechisch, Arabisch, afrikanische Sprachen
  • Kalendermeletianisch
  • Titel des ErsthierarchenSeine Göttliche Seligkeit Theodoros II. (geb. 1954), seit 2004 Papst und Patriarch von Alexandrien und ganz Afrika
  • e-mailpatriarchate@greekorthodox-alexandria.org

Die Orthodoxe Kirche von Alexandrien ist zweifelsohne eine der interessantesten Kirchen innerhalb der Gesamtorthodoxie. Zwar ist die Zahl ihrer Gläubigen gering, aber ihr besonderer Ehrenrang aufgrund ihres apostolischen Ursprungs – an zweiter Stelle hinter dem Ökumenischen Patriarchat –, ihre große territoriale Ausdehnung – der gesamte afrikanische Kontinent – und ihre enorme Inkulturationsleistung verbieten es, sie zu marginalisieren.

Weitere Informationen über das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Alexandrien

Der Evangelist Markus gilt als erster Bischof von Alexandrien, der im Auftrag des Apostels Petrus in Ägypten missioniert habe. Alexandrien war die zweitgrößte Metropole des Römischen Reiches – nach Rom selbst – und eines der bedeutendsten Zentren geistlichen Lebens. Die Stadt beherbergte nicht nur die größte Bibliothek des Altertums, sondern hier entstand auch die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die Septuaginta, und sie war Heimat großer Denker, wie des jüdisch-hellenistischen Philosophen Philo von Alexandrien.

So wundert es nicht, dass sich für das junge Christentum – dank dieses Nährbodens – Alexandrien sehr bald zu einem Zentrum der Theologie und Mission entwickelte. Es seien mit Klemens, Origenes, Athanasius und Kyrill nur die vier wichtigsten Namen dieser altkirchlichen alexandrinischen Theologenschule genannt, deren Schriften für die gesamte christliche Theologie bis heute von immenser Bedeutung sind.

Auf dem zweiten Ökumenischen Konzil von Konstantinopel (381) erkannten sich die Patriarchate von Rom, Konstantinopel, Alexandrien und Antiochien gegenseitig als Patriarchate an und Alexandrien wurde der dritte Rang zugewiesen. In dieser Phase der Kirchengeschichte unterstanden dem Patriarchen von Alexandrien fast 100 Diözesen, dessen Gebiet die damaligen Provinzen Ägypten, Libyen und die Pentapolis umfasste. Schon im 6. Kanon des ersten Ökumenischen Konzils von Nikaia (325) wird dieser Jurisdiktionsbereich für das Patriarchat von Alexandrien umschrieben und bestätigt.

In der Kontroverse um die christologischen Streitfragen des 5. Jahrhunderts, in der es um das Verhältnis der göttlichen und menschlichen Natur in der Person Jesu Christi zueinander ging, nahmen die Theologen Alexandriens eine sehr profilierte Stellung ein, die sich klar gegen eine zu stark akzentuierte Trennung der beiden Naturen aussprachen.

Nach dem vierten Ökumenischen Konzil von Chalkedon (451) kam es zum Bruch innerhalb des Patriarchats von Alexandrien: Der größte Teil der Kirche von Alexandrien trug die Beschlüsse nicht mit und ging fortan seinen eigenen Weg als „Nationalkirche“ in Unabhängigkeit von der „Reichskirche“. Die Koptisch-Orthodoxe Kirche, die zu den so genannten Orientalisch-Orthodoxen Kirchen zählt, besteht bis heute und ist die bei weitem größte Kirche Ägyptens mit über 10 Millionen Gläubigen.

Ein kleiner Teil der Kirche von Alexandrien stellte sich aber hinter die Beschlüsse des Konzils von Chalkedon und bekannte sich damit auch zur Einheit mit der „Reichskirche“. Bei diesen Gläubigen handelte es sich fast durchgehend um die in Ägypten lebenden Griechen, die so genannten Aigyptiotes, die schon zur damaligen Zeit auf eine lange Präsenz in Ägypten zurückblicken konnten. Die Bezeichnung „Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Alexandrien“ erklärt sich von dort: Bis heute kommt der Großteil des Patriarchats-Klerus aus Griechenland und eine beträchtliche Zahl der Gläubigen zählt zu den erwähnten Ägyptiotengriechen, die ihre Bevölkerungszentren in den beiden Metropolen Alexandrien und Kairo haben.

Das Koptisch-Orthodoxe Patriarchat und das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat feierten, trotz der Kirchentrennung, lange Zeit ihre Liturgie im alexandrinischen Ritus, doch ab dem 10. Jahrhundert wurde dieser schrittweise im Griechisch-Orthodoxen Patriarchat durch den byzantinischen Ritus abgelöst, womit die Orientierung nach Konstantinopel auch liturgisch verstärkt wurde. Als Ägypten im Jahr 1517 durch die Osmanen erobert wurde, residierte der Griechisch-Orthodoxe Patriarch von Alexandrien sogar die meiste Zeit im Exil in Konstantinopel. Die Situation der Gläubigen in Ägypten verschlechterte sich zunehmend, was zu einem großen Exodus führte. Mitte des 17. Jahrhunderts soll die Zahl der griechischen Christen auf 600 geschwunden sein. Die einheimischen Christen gehörten in der Regel der Koptischen Kirche an.

1842 sagte sich Ägypten vom Osmanischen Reich los, wodurch es 1846 für den damaligen Patriarchen Hierotheos I. möglich wurde, seine Residenz in Alexandrien wieder zu beziehen. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Zahl der Gläubigen des Alexandriner Patriarchats stetig, da viele Griechen und orthodoxe Araber sich als Kaufleute und Hoteliers unter der wohlwollenden Duldung der neuen Herrscherdynastie Ägyptens im Land niederließen.

Anfang des 20. Jahrhunderts unter Patriarch Photios (1903–1926) hatte sich die Situation für die Kirche von Alexandrien so stabilisiert, dass wieder eine selbständige jurisdiktionelle Verwaltung – nach langjähriger Schützenhilfe durch das Ökumenische Patriarchat – möglich wurde. Heute unterstehen alle orthodoxen Christen Afrikas dem „Papst und Patriarchen von Alexandrien und ganz Afrika“.

Diesen altkirchlichen Titel erfüllen die Amtsinhaber seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer mehr mit Leben: Durch missionarische Anstrengungen konnte in Schwarzafrika ein eigener Klerus herangezogen werden, der zunächst in Griechenland ausgebildet wurde. 1958 wurde eine Metropolie in Tansania gegründet, 1959 eine Diözese in Uganda und wenig später in Kenia. In Nairobi befindet sich heute ein Priesterseminar, in dem der Priesternachwuchs für Schwarzafrika ausgebildet wird. Die Griechisch-Orthodoxe Kirche von Alexandrien ist neben den bereits erwähnten Ländern auch in Südafrika, Simbabwe, Ghana, Nigeria, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo präsent.

In jüngster Zeit hat sich durch die beschriebene Entwicklung die Griechisch-Orthodoxe Kirche von Alexandrien immer mehr zu einer gesamt-afrikanischen Kirche entwickelt: Zwar besteht der Klerus in seiner großen Mehrheit aus Griechen und Griechisch ist auch immer noch die offizielle Amts- und Liturgiesprache des Patriarchats, aber nur noch die Hälfte der Gläubigen sind griechischsprachig. Neben Griechisch wird daher auch in Arabisch und in verschiedenen afrikanischen Sprachen die Liturgie im byzantinischen Ritus gefeiert. Im Dezember 2006 konnte Patriarch Theodoros II. schließlich in Südafrika den ersten Schwarzafrikaner in den Mönchsstand aufnehmen.

Im ökumenischen Dialog nimmt das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Alexandrien seit jeher eine Vorreiterrolle ein: Es gehörte 1948 zu den Gründungsmitgliedern des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) und pflegt enge Beziehungen zu den anderen christlichen Kirchen des afrikanischen Kontinents.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB